Aktienmarkt: Zu früh gefreut - Börse Mailand knickt ein

Aktienmarkt
Zu früh gefreut - Börse Mailand knickt ein

Nach Schließung der Wahllokale hatte die Börse in Mailand kräftig zugelegt. Die ersten Prognosen deuteten auf eine Niederlage von Berlusconi hin. Doch dann erschütterte eine neue Hochrechnung die Märkte.
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RomDer Jubel war groß - aber er hielt nicht lange. Die Börse in Mailand legte kurz nach Schließung der Wahllokale kräftig zu, zeitweise um vier Prozent. Alles deutete auf einen Wahlsieg von Pierluigi Bersani hin - so wie es sich die Anleger gewünscht hatten. Doch die erste Hochrechnung machte alles zunichte.

Innerhalb kurzer Zeit gab der italienische Leitindex seine Gewinne ab und fiel zweitweise ins Minus. Am Ende des Tages schloss die Börse mit einem Plus von 0,7 Prozent.

Das Mitte-Rechts-Bündnis des früheren Regierungschefs Silvio Berlusconi lag nach der neuen Hochrechnung im umkämpften Senat vorn. Das Berlusconi-Lager führte mit 31 Prozent vor dem Mitte-Links-Bündnis, das auf 29,5 Prozent kam. Die Bewegung „Fünf Sterne“ erreichte laut der Hochrechnung des Fernsehsenders Rai 25,1 Prozent.

In den besonders umkämpften Schlüsselregionen wie der Lombardei mit der Finanzmetropole Mailand sowie Sizilien und Kampanien lagen Berlusconi und seine Bündnispartner den Hochrechnungen zufolge in Führung. Die Protestbewegung um den Komiker Beppe Grillo lag zumeist an dritter Stelle.

Sollte es bei dieser Konstellation bleiben, steht das Land, das dringend Reformen umsetzen muss, vor einer politischen Blockade. Endgültige Klarheit über die künftigen Machtverhältnisse dürfte erst nach Auszählung der Stimmen herrschen.

Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, glaubt, dass Bersani besser für das Land wäre, warnt aber vor überzogenen Erwartungen: „Ich erwarte auch unter Bersani keinen Reformdurchbruch - schon deshalb nicht, weil sich sein Bündnis auf verschiedene politische Kräfte stützt - von Ex-Kommunisten bis zu linken Christdemokraten. Aber alles ist besser als Berlusconi, der seine Glaubwürdigkeit verspielt hat.“

Eine Auktion italienischer Anleihen war am Vormittag erfolgreich verlaufen. Italien hat insgesamt 4,068 Milliarden Euro am Markt eingesammelt, die Zielspanne hatte zwischen 2,5 und 4,25 Milliarden Euro gelegen. Bei der Platzierung von zweijährigen Anleihen über 2,8 Milliarden Euro stieg die Rendite auf 1,68 Prozent von 1,43 bei der vorigen Emission im Januar.

Der wahre Test steht aber noch aus: Am Mittwoch wird Italien lang laufende Anleihen über fünf und zehn Jahre begeben. Sehr wahrscheinlich wird das Land dann mehr Zinsen für seine Schuldtitel zahlen müssen als im Januar.

Kommentare zu " Aktienmarkt: Zu früh gefreut - Börse Mailand knickt ein"

Alle Kommentare
  • Haben Sie sich schon mal ueberlegt was es bedeutet, wenn der Markt freudig nach oben springt? Naja, z.B.:

    1. Anleger haben grosse Angst vor Inflation weil die Notenbanken noch mehr Geld drucken. Aus blanker Verzweiflung kaufen sie Aktien. Man liesst "die Boersen feiern die Entscheidung Draghis/Bernankes".

    2. Anleger bangen um ihr Geld welches sie in griechische Anleihen gesteckt haben. Sie verkaufen. "Die Boerse straft Griechenland ab".

    Eine Finanzmafia sehe ich da nicht. Ich stimme Ihnen allerdings dabei zu, dass es untertraeglich ist, wie die Politik auf die Maerkte schaut. Die sollten fuehren, nicht hinter her laufen! Und das geht durch solide Entscheidungen, die den Rahmen fuer effizientes Wirtschaften schaffen.

    Leider haben das die meisten Politiker verlernt.

  • denn die Meinungsfreiheit, die wir meinen ist frei von jeder Meinung.

    http://www.youtube.com/watch?v=iZiO9bqzHzg

  • Dann dürfen sich die Wähler aber hinterher auch nicht beschweren.Die wählen Bersani und meckern trotzdem.Im Übrigen glaube ich nicht, das Berlusconi das Euroaus bedeutet hätte,der ist doch sicher selber dick an der Börse engagiert und würde sich nicht in´s eigene Fleisch schneiden,es sei denn er wäre short,aber auch das glaube ich nicht so richtig.

  • Das Demokratie (welche ich in Italien bezweifle!) von der weiteren Handlung der „Märkte“ abhängig ist, ist schon pervers!
    Politik und Wähler werden durch diese EU- und Finanzmafia erpresst!
    Mit Demokratie und einer Volksherrschaft hat das rein gar nichts mehr zu tun.
    Es regiert das Geld und alle schlafen, anstatt sich gegen dieses Diktat zur Wehr zu setzen.

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