Allzeithoch
Warum der Dax die Wahlen feiert

Der Rechtsruck in Europa geht an den Märkten scheinbar spurlos vorbei. Dax und Euro Stoxx 50 steigen am Tag nach der Wahl. Warum das so ist und worauf Anleger sich einstellen müssen.
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DüsseldorfEuropa rutscht nach rechts und der Dax nimmt Kurs auf die Marke von 10.000 Punkten. Um gut ein Prozent legt das deutsche Standardwerte-Barometer am Vormittag zu und markiert damit ein neues Allzeithoch. Auch der Euro-Stoxx 50 klettert um 0,75 Prozent. Falsche Welt?

Im Gegenteil, denn der Rechtsrutsch hätte noch viel schlimmer ausfallen können, war auch heftiger erwartet worden. „Der Ausgang der Europawahl hat zwar einige Befürchtungen hinsichtlich Euro- und EU-Skepsis bestätigt, unterm Strich kam es aber weniger schlimm als befürchtet“, sagt Robert Greil, Chefstrategie von Merck Finck & Co. „Die Ergebnisse der Europawahl haben keine negativen Auswirkungen auf die Finanzmärkte“, ergänzt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. „Eher reagieren sie mit Erleichterung, dass die Euro-Skepsis im Rahmen der Erwartungen geblieben ist.“ Wesentliche Aspekte, wie die geringe Wahlbeteiligung oder die stärkere Mobilisierung von Europa-Kritikern gegenüber Europa-Befürwortern bei dieser Wahl, seien an den Märkten bereits antizipiert gewesen.

Die Experten der Landesbank Baden-Württemberg sind etwas skeptischer: „Das Wahlergebnis in der Ukraine dürfte von den Investoren eher positiv interpretiert werden, allerdings dürfte der Ausgang der Europawahl bei den Anlegern für Stirnrunzeln sorgen“, schreiben sie in ihrem Tagesausblick. „Die hohen Stimmenanteile der Unionsgegner dürften auch an den Börsen eine gewisse Unsicherheit über den künftigen wirtschaftspolitischen Kurs der EU wecken.“ Am Tag nach der Wahl ist davon aber noch nichts zu spüren.

Denn dafür ist der Anteil der Euro-Hasser im Europaparlament nicht hoch genug. Sie werden rund 140 der 751 künftigen EU-Abgeordneten stellen. „Insgesamt hat die herrschende Politik- und Finanzelite gezeigt, dass sie stabil im Sattel sitzt“, sagt Fondsmanager und Bestsellerautor Max Otte. „Von daher werden sich in der nächsten Zeit keine wesentlichen Politikänderungen ergeben.“

In zahlreichen Ländern wie Frankreich oder Großbritannien hatten europakritische Parteien bei der Europawahl starke Zugewinne verbucht, mancherorts wurden sie sogar stärkste Kraft. Kein Wunder, dass in diesen Ländern verhaltene Stimmung auf dem Börsenparkett herrscht. Der britische FTSE 100 pendelt um seinen Vortagesschluss, der französische CAC 40 liegt nur 0,2 Prozent im Plus. Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank betonte, dass die etablierten Parteien über mehr als zwei Drittel der Parlamentssitze verfügten: „Der pro-europäische Kurs in Straßburg ist also nicht gefährdet.“

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  • @Tempofix

    Ich kann nur zustimmen, Draghi hat jetzt freie Bahn, um weitere Liquidität in die Märkte zu pumpen. Bei einem neg. Zins der EZB wird das Geld nicht in Firmenkredite sonden in die Anlagen fließen.

    Weiter kann das Freihandelsabkommen mit den USA jetzt zügig inc. Gentechnikverbreitung unterschrieben werden, weil die Wahlen vorbei sind und damit keine Bestrafung durch die Wähler droht. Dies hilft der dt. Exportindustrie ebenso wie ein niedriger Wechselkurs des Euro.

    Gleichzeitig muss man sich in der FED genau überlegen, ob man das Tapering wieder aufnimmt. Ansonsten wird der USD wie ein Ballon in die Höhe steigen.

    Letztendlich werden die Märkte von New York aus dominiert. Hier geht es immer noch moderat nach oben bzw. seitwärts.

    Trotzdem kann es im Sommer zu einer 1000P Korrektur kommen. Einen Grund für solch eine Korrektur lässt sich dann auch finden. Zunächst jedoch ist Luft bis 10000 oder noch höher. Das Problem für den Derivateanleger ist, von welchem Niveau aus die Korrektur einsetzen wird.

    Wer den Markt leerverkaufen will, sollte dies etwa 1 - 2 Tage nach der EZB Zinsentscheidung in Angriff nehmen. Wer long gehen will und von dauerhaft steigenden Kursen ausgeht, sollte einen Rücksetzer abwarten, hier ist es etwas schwieriger den richtigen Zeitpunkt zu finden.

  • "Warum der Dax die Wahlen feiert" -
    Warum dieser Titel irgendwie am Dax vorbeigeht und trotzdem nciht falsch liegt:

    1.) weil nicht der Dax feiert, sondern wenn überhaupt die Anleger, die Dax-Werte kaufen: weil der Dax überhaupt nichts anderes "tut", außer zu steigen oder zu fallen; dieser seltsame Anthropomorphismus des Dax führt regelmäßig zu magischen Fehldeutungen, die praktisch immer am Marktphänomen vorbeigehen;

    2.) weil die Europa-Wahlen gegenüber der Bedeutung der Wahlen in der Ukraine vergleichsweise wenig Marktimpulse liefern: weil die Wahlen in der Ukraine ungleich wichtiger sind;

    3.) weil die Europa-Wahlen weitgehend im Rahmen der Erwartungen liegen. Die "Botschaft" der Wahlen ist im wesentlichen eine politische (hinlänglich bekannte), aber keine unmittelbar marktrelevante.

    Frau Schwarzer müsste aus ihrer langjährigen Tätigkeit als Marktbeobachterin eigentlich wissen, dass politische Ereignisse dieser Art den Markt allerhöchstens kurz zucken lassen können, an der langfristigen Richtung aber wenig ändern können. Das wäre anders gewesen, wenn sich die Machtverhältnisse im EU-Parlament dramatisch verschoben hätten und sich an der Euro-Krisenpolitik hierdurch etwas verändert haben könnte, doch ist dies nicht geschehen.

    Die Politisierung der Märkte hat noch nie zu anhaltenden Erfolgen, sprich noh nie zu zutreffenden Markterwartungen geführt, weil zwei verschiedene Systemhorizonte dabei miteinander verwechselt werden.

    Die Gründe für die Aufwärtsbewegungen in den Märkten sind weiterhin im Anlagenotstand aufgrund der Flutung der Märkte, gepaart mit moderaten Unternehmensgewinnen, zu sehen und jedes ausgeräumte Hindernis als weitere Öffnung der Schleusen im Markt Richtung 10.000 im Dax.

    Weitgehend vergessen wird dabei regelmäßig auch, dass der Dax ein Perfomance-Index ist und der tatsächliche Kurs-Index in den KGVs noch durchaus soliden Spielraum nach oben lässt.

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