Analysehaus Sentix
Börsianer trifft das Griechen-Chaos hart

Börsianer müssen sich auf kräftige Verluste einstellen: Nach dem Scheitern der Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Gläubigern ist kurzfristig mit spürbaren Kursabschlägen bei Risikoanlagen zu rechnen.
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DüsseldorfGriechenland droht die Staatspleite: Die Verhandlungen mit den Gläubigern gelten als gescheitert, die Notenbank führt Kapitalverkehrskontrollen ein, die Griechen sind in großer Sorge – Premier Alexis Tsipras hat sich verzockt. Entsprechend stellen sich die Börsianer am Montag nun auf höhere Verluste ein. Kurzfristig ist mit spürbaren Kursabschlägen bei Risikoanlagen wie Aktieninvestments zu rechnen.

Das geht aus einer aktuellen Sondererhebung des Analysehauses Sentix hervor, die an diesem Sonntag durchgeführt worden ist. An der Befragung teilgenommen haben mehr als sechshundert professionelle Anleger. Die Experten von Sentix untersuchen die Stimmung der Investoren und ziehen daraus Schlüsse für die weitere Entwicklung an den Finanzmärkten.

Auf spürbare Verluste stellen sich die Profi-Anleger jetzt nicht nur für griechische Aktien und Bonds ein. Schwächer gesehen werden auch Euroland-Aktien und der Euro-Dollar-Wechselkurs. Dagegen dürften die als besonders sicher geltenden Bundesanleihen nach Ansicht der institutionellen Anleger stark gesucht sein – genauso wie das Krisenmetall Gold.

Und dies obwohl die Wahrscheinlichkeit für einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone nach Überzeugung der Umfrageteilnehmer durch die jüngsten Ereignisse gar nicht gestiegen ist – sie liege unverändert bei rund fünfzig Prozent.

Zumindest langfristig dürfte sich aber Durchhaltevermögen an den Finanzmärkten nach Einschätzung der befragten Fachleute auszahlen: Auf Sicht von drei bis sechs Monaten sollten Euroland-Aktien wieder zulegen. Für die Gemeinschaftswährung „sollte sich das Griechenland-Event letztlich als Non-Event erweisen“, so die Experten von Sentix. Umkehren sollte sich bis dahin auch der Kursaufschwung bei deutschen Bundesbonds.

„Diejenigen, die den Grexit für wahrscheinlich halten, erwarten keine Wendung mehr in letzter Sekunde“, berichtet Sentix-Geschäftsführer Manfred Hübner. Für diese Anleger sei der Pfad zum Grexit unausweichlich. Dagegen rechneten die anderen Investoren zu drei Vierteln mit einer solchen „Wendung in letzter Sekunde“.

Georgios Kokologiannis ist Redakteur im Finanzteam des Handelsblatts, mit Sitz in Frankfurt am Main. Er studierte Betriebswirtschaftslehre in Düsseldorf mit Schwerpunkt auf Controlling und Marketingmanagement. Bereits während seiner Studienzeit wirkte der Diplom-Kaufmann erstmals an der Entwicklung des Handelsblatt-Onlineangebots mit. Seinen journalistischen Feinschliff erhielt der Kapitalmarktexperte an der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. Mit Geldanlage-Themen beschäftigt sich der Derivatespezialist für das Handelsblatt seit mehr als 17 Jahren. Dabei wurde er mit dem DDV-Preis für Wirtschaftsjournalisten ausgezeichnet und hat zuletzt vier Jahre lang das Musterportfolio der Redaktion verantwortet.
Georgios Kokologiannis
Handelsblatt / Finanzredakteur

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