Anleger verlieren Vertrauen
Chinas nervöse Börsen

Während Chinas Sportler bei den Sommerspielen eine Medaille nach der anderen holen, zittern chinesische Kleinanleger um ihre Gewinne an den Börsen. Die Hoffnung vieler Investoren, der seit Monaten an den Festlandbörsen von Schanghai und Shenzhen anhaltende Kursrutsch werde mit der Olympischen Stimmung enden, erfüllt sich nicht. Daran ändert auch ein kurzer Ausreißer nach oben nichts.

PEKING. Chinesische Aktien haben heute stark zugelegt. Das Börsenbarometer des Landes, der CSI 300 Index, schnellte 7,9 Prozent in die Höhe auf 2532,94 Punkte. Doch die Kursgewinne beruhten lediglich auf Gerüchten. "Am Markt gibt es Spekulationen, dass die Wertpapieraufsicht für den heutigen Donnerstag ein Treffen mit den größten Brokern anberaumt hat", sagte Fondsmanager Wu Kan von Dazhong Insurance. "Worüber sie reden, ist aber nicht bekannt." Die Wertpapieraufsicht bestätigte ein solches Treffen nicht.

Am generellen Trend ändert der kurze Ausreißer nach oben nichts. Chinas Kleinanleger lernen derzeit, dass der Einfluss der Politik doch eher begrenzt ist. In den vergangenen Jahren hat die Regierung immer wieder eingegriffen, um die Börsen zu stabilisieren. So wurde im Frühjahr die Stempelsteuer - die in China für Verkäufer und Käufer anfällt - fast völlig abgeschafft, was den Kursen aber nur vorübergehend Auftrieb gab.

Viele Anleger hatten gehofft, dass die Pekinger Politik zu den Spielen den Aktienindex bewusst hochhalten werde, um schlechte Stimmung an den Märkten zu vermeiden. Doch seit Olympia-Beginn hat der führende Index in Schanghai fast 15 Prozent an Wert verloren. Denn die Zeichen stehen trotz des Medaillenspiegels auf Verkauf. "Die Leute verlieren die Geduld", sagt Zhang Qi von Haitong Securities. Der Kursverfall zeige auch den Ärger der Investoren über die Regulierungsbehörden.

Chinas Wertpapierbehörde hatte sich jüngst besorgt geäußert und mitgeteilt, man arbeite daran, die Kurse zu stabilisieren. "Wir beobachten die Schwankungen am Markt sehr genau", sagte ein Sprecher der China Securities Regulatory Commission.

Denn nicht erst seit Olympia ist die Aufsicht alarmiert: Seit Oktober 2007 hat der Schanghai-Index rund 60 Prozent verloren. Allerdings dürfte die jüngste Mitteilung eher dazu dienen, die nervösen Kleinanleger zu beruhigen. Denn die sinkenden Kurse seien eigentlich im Interesse der Regierung, sagt Christian Hoffmann, Fondsberater der Münchner FIVV AG in der chinesischen Hauptstadt: "Warum sollte Peking eingreifen?" Die Märkte seien noch lange nicht auf einem kritisch niedrigen Niveau angelangt.

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