Arabische Aktienmärkte
Börse Dubai weiter im freien Fall

Die Börse in Dubai rutscht am Dienstag noch tiefer ins Minus. Erst seit Anfang der Woche haben die Anleger die Gelegenheit, die Nachricht von den Zahlungsschwierigkeiten des Emirats zu verarbeiten. Aktien von Dubai World und der National Bank of Abu Dhabi verlieren deutlich.
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DUBAI. Ungeachtet der Vorlage eines Sanierungsplans der schwer angeschlagenen Staatsholding Dubai World haben die Aktienmärkte in den Vereinigten Arabischen Emiraten erneut schwere Verluste hinnehmen müssen. "Die Investoren machen keinen Unterschied zwischen Dubai und Abu Dhabi", sagte Yazan Abdeen vom ING-Büro in Dubai.

Der Leitindex der Börse in Dubai brach am Dienstag im frühen Handel um mehr als sechs Prozent ein. Der Leitindex am Handelsplatz im benachbarten Abu Dhabi verlor ebenfalls mehr als sechs Prozent. Bereits am Montag hatten die Indizes kräftig verloren.

Am Dienstag war der zweite Börsentag, seit die Regierung von Dubai um einen Zahlungsaufschub für die hochverschuldete Investment-Gesellschaft Dubai World gebeten hatte. Die Handelsplätze in anderen Staaten auf der Arabischen Halbinsel waren zuvor wegen der Feiertage rund um das islamische Opferfest geschlossen. Die als Beruhigung der Märkte gedachte Erklärung des Gouverneurs der Zentralbank des Landes, Nasser Al Suwaidi, kam bei den Anlegern offensichtlich nicht an. Al Suwaidi hatte den lokalen und ausländischen Finanzhäusern in den Emiraten Zugang zu zusätzlichen Krediten angeboten, deren Zinssatz derzeit bei knapp 2,5 Prozent liegt. Banker am Persischen Golf betonten jedoch, dass frisches Geld derzeit nicht das Problem sei, da die meisten Institute über ausreichend Kapital verfügten.

Experten rechnen mit einer weiteren Talfahrt der Kurse in der Region. "Die Lage bliebt volatil mit fallender Tendenz", sagte Rainer Schwarz vom Finanzhaus Physis in Abu Dhabi dem Handelsblatt. "Das wird sich erst ändern, wenn eine Entscheidung zur Rückzahlung von Dubais Schulden bzw. zur Restrukturierung von Dubai World gefallen ist."

In Abu Dhabi und Dubai erlitten vor allem die Papiere von Baufirmen und Banken schwere Verluste. Die Aktie von Emaar, der größten Bau-Entwicklungsgesellschaft des Landes, erlebte den deutlichsten Rückgang seit fünf Monaten. Die Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's hatten den Konzern bereits in der vergangenen Woche heruntergestuft. Der Kurs der National Bank of Abu Dhabi rutschte um zehn Prozent ab, das größte Minus seit fünf Jahren. Die zweitgrößte Bank des Landes hatte zuvor eingeräumt, 345 Millionen Dollar an Dubai World verliehen zu haben. Das Papier der Dubai-World-Tochter DP World, des viertgrößten Hafenbetreibers der Welt, brach um fast 15 Prozent ein. Das ist das von der Börse Nasdaq Dubai gesetzte Limit.

Die hochverschuldete Dubai-World-Tochter Nakheel ließ den Börsen-Handel mit ihren Bonds bis auf Weiteres aussetzen. Eine islamische Nakheel-Anleihe wird am 14. Dezember fällig. "Die Anleger sind sauer", sagte Eric Swats vom Finanzhaus Rasmala in Dubai. Unterdessen gingen die Kreditausfall-Versicherungen für Dubai erstmals seit einer Woche zurück. So fielen die "credit default swaps" um 72 Basispunkte auf 574 Punkte. Für Abu Dhabi sank der Wert um 29 Basispunkte auf 146 Punkte. Je niedriger die "credit default swaps", desto geringer das Risiko, das Investoren einem Kredit beimessen.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent

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