Asiatischer Aktienhandel
Börse Bombay: Die Korrektur war überfällig

Panikverkäufe ließen Indiens Börsen heute kurz ins Leere fallen, bis der Handel eingestellt wurde. Der neunprozentige Einbruch des Leitindex Sensex zog Boom-Börsen in ganz Asien nach unten. Am Ende des Tages wurden die Verluste in Bombay zwar fast wieder wett gemacht. Aber der Kurssturz unterstreicht das gefährliche Spiel, das Investoren derzeit mit Anlagen in Schwellenländern treiben.

DELHI. Deren wirtschaftliche Fundamentaldaten sind solide, und ihre ungebrochene Wachstumsdynamik dürfte die Folgen der Subprime-Krise auf die Weltwirtschaft abfedern helfen. Aber Schwellenländer wie Indien mit weniger entwickelten Finanzsystemen sind einem Schwall westlichen Kapitals auf der Suche nach schnellen Gewinnen kaum mehr gewachsen.

Die Zuflüsse, die sich seit der letzten Fed-Zinssenkung über Indien ergießen, sprengen alles jemals dagewesene: Alleine in den vergangenen zwei Wochen haben internationale Anleger 4,6 Mrd. Dollar in indische Akien gepumpt – mehr als halb so viel wie im ganzen Vorjahr zusammen. Seit der Zinssenkung in Amerika waren es 8,2 Mrd. Dollar.

Erst gestern hatten Bombays Indizes ein neues Rekordhoch erstürmt – das achtzehnte innerhalb von 19 Handelstagen. Während der Sensex in die Stratosphäre stieg, erklomm auch die Rupie ständig neue Hochs. Devisen-Zuflüsse haben ihren Wert gegen den Dollar dieses Jahr um 12,5 Prozent nach oben getrieben. Das schadet Indiens Exporten. Insbesondere, weil der Konkurrent China seinen Renminbi gegen eine nenneswerte Aufwertung verteidigt.

Aus Angst davor, dass die manische Hausse in einem blutigen Crash endet und weil sie nicht mehr weiß, wie sie dem Devisenzustrom makroökonomisch Herr werden soll, hat Indiens Regierung heute sanfte Maßnahmen ergriffen zur Regulierung der Kapitalflüsse. Auch künftig wird kein institutioneller Investor daran gehindert, indische Aktien zu kaufen, wenn er sich registrieren lässt – was indisches Recht ohnehin verlangt. Die dadurch ausgelöste Panik zeigt, dass der derzeitige Börsenboom kaum noch etwas mit Fundamentaldaten zu tun hat.

Wie ein Fixer seinen Schuss braucht dieser Bullenmarkt ständige, massive Zuflüsse von außen. Eine Korrektur war überfällig. Aber es könnte nicht die letzte gewesen sein, weder in Indien, noch in anderen Schwellenländern. Denn andere ringen mit ähnlichen Kapitalflüssen. In den Emerging Markets baut sich eine Blase auf, die das Zerrbild der latent anhaltenden Probleme auf den westlichen Finanzmärkten in Zuge der Subprime-Krise. Auch andere Regulierer könnten in Versuchung kommen, diese durchzustechen, bevor sie zu riskant wird.

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
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