Asien-Börsen
Nikkei ignoriert Japan-Herabstufung

Die Börsen in Tokio haben sich von den guten Vorgaben aus den USA anstecken lassen. Der Nikkei-Index stieg wieder über 9.600 Punkte. Die drohende S&P-Herabstufung dämpfte die gute Stimmung kaum.
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Tokio/HongkongBeflügelt von guten Vorgaben der Wall Street haben sich die asiatischen Aktienmärkte am Mittwoch überwiegend freundlich präsentiert. In Tokio machten vor allem Exportwerte einen Teil ihrer Verluste vom Vortag wieder wett. Der Kamerahersteller Canon war trotz seiner schwachen Bilanz gefragt. Die Investoren hätten die schlechten Nachrichten in Folge des Japan-Bebens schon einkalkuliert, erklärten Händler. Die Aufmerksamkeit des Tokioter Marktes richte sich insgesamt weniger auf eine Reihe von Geschäftszahlen als auf die Fed-Sitzung am Abend, auf die erstmals eine Pressekonferenz von Notenbankchef Ben Bernanke folgt. In seinen Äußerungen werden auch die Anleger in Fernost nach Hinweisen darauf Ausschau halten, wann sich die Federal Reserve von ihrer extrem lockeren Geldpolitik verabschieden könnte.

In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 1,4 Prozent im Plus bei 9.691 Zählern. Der breiter gefasste Topix-Index gewann 0,8 Prozent auf 839 Punkte. Auch die Börsen in Singapur, Taiwan und Hongkong verbuchten Gewinne. Die Aktienmärkte in Korea und Shanghai blieben kaum verändert. Unerwartet starke Quartalszahlen von Börsen-Schwergewichten wie Ford hatten am Dienstag die Wall Street angetrieben.

In Tokio schossen die Aktien des weltgrößten Digitalkameraherstellers Canon sieben Prozent in die Höhe - obwohl der Konzern die Folgen des Japan-Bebens schmerzhaft zu spüren bekam. Im Auftaktquartal schmälerten Produktionsausfälle den Betriebsgewinn um fünf Prozent. Für das Gesamtjahr senkte Canon seine Prognose. „Die Investoren versuchen aber, die schlechten Zahlen hinter sich zu lassen“, erklärte Yumi Nishimura von Daiwa Securities. Zudem rechne Canon damit, die Zulieferschwierigkeiten bis Juli in den Griff zu bekommen.

Ganz abschütteln konnten die Anleger zwar ihre Bedenken wegen des hohen Yen-Kurses noch nicht, der die Auslandsgewinne japanischer Unternehmen zu schmälern droht. Aber ermutigt durch den positiven Trend an den US-Börsen griffen sie trotzdem bei den zuvor gebeutelten Exporttiteln zu: Honda-Papiere gewannen 1,5 Prozent, Advantest-Aktien verteuerten sich um 1,7 Prozent.

Die Aktien von Sony ließen gegen den Markttrend Federn: Mit einem Minus von zwei Prozent wurde der Elektronikkonzern für seine Probleme mit Computer-Hackern abgestraft. Sony hatte zuvor mitgeteilt, dass bei einem Angriff die persönlichen Daten von etwa 77 Millionen Nutzern des Online-Dienstes Playstation Network für die Spielkonsole Playstation gestohlen worden seien.

Keinen größeren Einfluss auf das überwiegend freundliche Börsengeschehen hatte zunächst die Nachricht, dass die Ratingagentur Standard & Poor's den Ausblick auf Japans Kreditwürdigkeit von stablil auf negativ herunterstufen will. Wie die Agentur am Mittwoch mitteilte sind die Kosten, die zur Beseitigung der Schäden des Megaerdbebens und dem anschließenden Tsunami vom 11. März aufgebracht werden müssten, der Hintergrund der drohenden Abstufung. Dazu käme die bereits immense Staatsverschuldung.

Das Bonitätsrating liege weiter bei AA-, teilte die Standard & Poor's mit. Wie es weitergehe, hänge vom Umgang der japanischen Regierung mit der ausufernden Verschuldung ab. Wie die Finanznachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf S&P weiter berichtete, gehe die Ratingagentur von Kosten für den Wiederaufbau zwischen 20 Billionen Yen (etwa 167 Milliarden Euro) und 50 Billionen Yen aus.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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