Asien-Börsen
Wachstumsdämpfer schickt chinesische Aktien auf Talfahrt

Chinas Wirtschaft wächst mit 9,1 Prozent – für Anleger eine Enttäuschung. An den chinesischen Börsen rutschen die Kurse kräftig ab. Und auch an anderen asiatischen Märkten gibt es deutliche Verluste.
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Hongkong/TokioEnttäuschende Wachstumszahlen haben den chinesischen Aktienmärkten die höchsten Verluste seit einem Monat beschert. Der CSI-300-Index der Börsen in Schanghai und Shenzhen verlor 1,8 Prozent auf 2.618 Zähler, in Hongkong sackte der Hang-Seng-Index gar um 3,6 Prozent auf 18.196 Punkte ab.

Die chinesisches Wirtschaft ist im dritten Quartal um 9,1 Prozent gewachsen. Weltweit sucht China damit nach wie vor seinesgleichen. Allerdings ist es das schwächste Wachstum Chinas seit zwei Jahren. In den ersten beiden Quartalen war das Bruttoinlandsprodukt noch um 9,7 bzw. 9,5 Prozent gewachsen. Und Analysten hatten auch für die Monate Juli bis September mit 9,3 Prozent gerechnet. Die Regierung hat wegen der hohen Inflation von 6,1 Prozent im September die Geldpolitik angezogen und versucht, die heimische Nachfrage anzukurbeln. Die Weltbank erwartet in China in diesem Jahr ein Wachstum von 9,3 Prozent, nach 10,4 Prozent 2010.

Die Zahlen aus China belasteten auch an anderen asiatischen Börsen die Stimmung. Hinzu kamen die neuen Sorgen über die Schuldenkrise in der Euro-Zone. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index der japanischen Börse verlor zum Handelsschluss 1,55 Prozent auf 8.753 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index gab 1,25 Prozent auf 752 Punkte nach. In Indien rutschte der Sensex-Index um 1,6 Prozent ab, der koreanische Kospi verlor 1,3 Prozent.

Wie schon in Europa und an den US-Börsen sorgten vor allem Äußerungen von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble für Pessimismus. Schäuble hatte erklärt, es werde beim EU-Gipfel am Wochenende keine „endgültige Lösung“ für die Euro-Krise geben. Besonders betroffen waren Exporttitel, die am Vortag noch stark vom Optimismus auf eine Lösung der Schuldenkrise profitiert hatten.

Auch die Vorgaben der Wall Street drückten auf die Stimmung in Tokio: Die US-Börsen hatten mit deutlichen Verlusten geschlossen: Der Dow-Jones-Index gab mehr als zwei Prozent nach und rutschte auf 11.397 Punkte.

„Die Hoffnungen auf Schritte der europäischen Politik waren für mehr als die Hälfte der Rally in diesem Monat verantwortlich“, sagte Soichiro Monji, Chefstratege bei Daiwa SB Investments. „Ich dachte der Rally würde erst nach dem EU-Gipfel die Puste ausgehen, es ist aber schneller gekommen.“

Die Talfahrt der vorangegangenen beiden Handelstage stoppen konnten Olympus-Aktien . Das Papier legte ein Prozent zu, lag aber immer noch rund rund 40 Prozent niedriger. Ausgelöst wurde der Kurssturz durch die überraschende Entlassung von Unternehmenschef Michael Woodford.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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