Aufschwung
Nahost-Börsen starten durch

Die arabischen Börsen sind im Höhenflug. Ein stabiler Ölpreis, staatliche Programme und steigende Liquidität der Banken treiben die Kurse nach oben. Mit der Aufhellung des Börsenklimas strömen auch ausländische Investoren wieder in die Region.

DUBAI. An der Spitze rangieren die Handelsplätze in Dubai und Abu Dhabi, die in dieser Woche ihren höchsten Stand seit November 2008 erreicht haben. Beide verzeichnen seit Januar ein Plus von 30 Prozent, Riad folgt an dritter Stelle mit 24 Prozent. Vor allem seit März sind die Kurse nach oben geschossen. „Der weltweite Risikoappetit steigt, das spüren wir hier ganz deutlich“, sagt Sanyalaksna Manibhandu von der Investmentbank Arqaam Capital in Dubai.

Mit der Aufhellung des Börsenklimas strömen auch ausländische Investoren wieder in die Region. Nach Angaben des Wirtschaftsministers der Vereinigten Arabischen Emirate, Sultan Al-Mansouri, haben internationale Anleger seit April rund 545 Mio. Dollar in den Markt gepumpt. Nach dem Kollaps der US-Bank Lehman Brothers hatten viele Investoren die Emirate fluchtartig verlassen, was zu Verlusten von 180 Mrd. Dollar führte. Die Geldhäuser, die ein Drittel ihrer Kredite in Immobilienprojekte gesteckt hatten, saßen in einer Liquiditätsfalle.

Treibende Kraft der Aktienrally in Nahost sind ausgerechnet die Immobilien- und Finanztitel, die Ende 2008 noch für den Börsenblues gesorgt hatten. In Dubai kletterten die Kurse der gelisteten Immobilienunternehmen innerhalb von 20 Handelstagen um 29,65 Prozent, in Abu Dhabi um 34,62 Prozent. Finanzwerte legten um 16,65 beziehungsweise um 9,68 Prozent zu. Die größte Bauentwicklungsgesellschaft in Dubai, Emaar, gewann seit Januar um 83,2 Prozent an Wert. Das Pendant in Abu Dhabi, Aldar, verzeichnete ein Plus von 47,9 Prozent. Die Kurse der in Dubai angesiedelten Emirates NBD stiegen um 49,7 Prozent, die der National Bank of Abu Dhabi um 72,1 Prozent.

Experten erklären den Aufschwung in erster Linie mit der Stabilisierung des Ölpreises. „Die meisten Budgets in der Region haben mit einem durchschnittlichen Preis von 35 bis 45 Dollar pro Barrel kalkuliert. Die Marke um 70 Dollar pro Barrel gibt den Haushalten viel mehr Spielraum“, betont Udo Schäberle von der BHF-Bank in Abu Dhabi. Im Dezember bewegte sich der Ölpreis noch bei 32 Dollar pro Barrel. Die Regierungen am Persischen Golf nutzen die Finanzmasse für riesige Infrastrukturvorhaben, von denen Baufirmen profitieren. So investiert Saudi-Arabien in den kommenden fünf Jahren 400 Mrd. Dollar in neue Wohnungen, Straßen und Kraftwerken, die Emirate legten ein dreistelliges Milliardenprogramm auf.

Hinzu kommt, dass die Banken der Region offenbar die Kreditklemme überwunden haben. Die Regierung der Emirate hat den Instituten mit mehr als 30 Mrd. Dollar unter die Arme gegriffen. Viele Häuser haben dreistellige Millionenbeträge für mögliche Zahlungsausfälle von Immobilendarlehen abgezwackt. Zudem mahnte die Zentralbank eine Erhöhung der Eigenkapitalquote an, um gegen künftige Turbulenzen gewappnet zu sein. „Für Banken ist es jetzt wesentlich leichter als noch vor sechs Monaten, Anleihen auf den internationalen Kapitalmärkten zu bekommen“, gibt sich Mohammed Hawa von der Credit Suisse optimistisch.

Allerdings sind die Geldhäuser noch nicht aus dem Schneider. So haben viele Institute im Nahen Osten Mrd. Dollar an zwei alteingesessene saudische Familien-Unternehmen, die Saad- und die Algosaibi-Gruppe, verliehen. Beide Konzerne haben sich an den Börsen verspekuliert und können die Außenstände nicht mehr begleichen. Nun wollen die Gläubiger in Refinanzierungsverhandlungen und Gerichtsverfahren zumindest einen Teil der Mittel lockermachen. Das zwingt die Banken zu neuen Rückstellungen, was auf die Rendite drückt. „Die Auswirkungen dieser Krise wird die Finanzinstitute noch eine Weile beschäftigen. Deshalb bleiben die Aktiengewinne der Banken vorerst volatil“, warnt ein Spitzenbanker am Golf.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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