Ausblick
An der Wall Street kommt es ganz dick

Die kommende Woche dürfte an den US-Börsen entscheidende Trends für die nächste Zeit festlegen: Fast ein Drittel der im S&P-500 aufgeführten Unternehmen präsentiert Quartalszahlen. Bislang lief es nicht so, wie die Analysten erwartet hatten. Und jetzt peilt der Ölpreis auch noch die 100-Dollar-Marke an. Börsianern schwant nichts Gutes.

HB NEW YORK. Noch steckt ihnen der Schrecken der schlechtesten Börsenwoche seit fast drei Monaten in den Knochen. Doch die Aktienhändler in New York dürften gerade in den kommenden Tagen besonders umtriebig sein, um die jüngsten Einbußen wieder wettzumachen. Dafür werden sie zwei Fronten im Blick behalten müssen: den steigenden Ölpreis und eine ganze Reihe von Bilanzen, die Schwergewichte wie Boeing, Microsoft, AT&T und Apple vorlegen.

Die angelaufene Bilanzsaison steht bislang unter keinem guten Stern: Von den 131 Firmen, deren Zahlen bereits bekannt sind, haben mehr als ein Viertel die Gewinnziele der Wall Street verfehlt. "Die nächste Woche ist ziemlich voll mit Bilanzterminen, und wenn dabei weiter die Ziele verfehlt werden, werden die Analysten ihre Erwartungen für das nächste Quartal mit Sicherheit herunterschrauben", meint Tim Biggam vom Online-Broker Thinkorswim in Chicago.

"Die nächsten ein, zwei Wochen sind entscheidend", glaubt auch Bill Strazzullo von Bell Curve Trading in Boston. Sie würden den Ton angeben für das vierte Quartal und für Anfang 2008. "Wenn das ganze Gerede über eine Rezession, geringere Ausgaben der Verbraucher, eine anhaltende Flaute auf dem Häusermarkt und ein schwacher Arbeitsmarkt wahr sind, dann kann der Handel nicht auf dem Niveau dieser ganzen Höchststände weitergehen."

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte rangiert derzeit zwar nur rund 676 Punkte unter seinem Allzeithoch. Am Freitag - dem Jahrestag des Börsenkrachs von 1987 - schloss er aber immerhin 2,64 Prozent schwächer bei 13 522 Zählern. Auf Wochensicht rutschte der Leitindex sogar um 4,1 Prozent ab. Der S&P verlor über die Woche 3,9 Prozent, die Technologiebörse Nasdaq gab 2,9 Prozent nach.

Der Ölpreis kletterte am Freitag auf ein neues Rekordhoch von 90,07 Dollar. Die Leute redeten schon über einen Preis von 100 Dollar je Barrel, sagt John Praveen von Prudential International Investments Advisers in Newark. "Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wann." Wenn es soweit komme, werde es eine sehr, sehr negative Reaktion an den Aktienmärkten geben. Inflationsbereinigt entspreche ein Ölpreis von 100 Dollar schließlich dem Preisniveau von 1972, womit die Rezessionsängste erst richtig durchschlagen würden.

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