Bayer profitieren von US-Urteil
Dax für Tanz mit den Hexen gerüstet

Vor dem dreifachen Verfallstermin am Freitag hat der deutsche Leitindex am Donnerstag über der psychologisch und technisch wichtigen Marke von 3600 Punkten geschlossen. Freundliche Vorgaben lieferten dabei US-Konjunkturdaten. Aktie des Tages war zweifellos das Papier des Pharma- und Chemiekonzerns Bayer.

HB FRANKFURT. Der Deutsche Aktienindex (Dax) ging 1,4 % höher bei 3612 Zähler aus dem Handel, nachdem er zuvor sein tageshoch bei 3624 Punkten markiert hatte. Händler erwarten, das diese Marke am Freitag beim Verfall des Terminkontraktes auf den Dax von großer Bedeutung sein wird. Am Donnerstag schloss der Dax-Future mit 3627 (plus 74) Zählern.

Nachdem der Dax nun nachhaltig über die Marke 3 600 Punkte gestiegen ist, stehen laut Beobachtern die Chancen gut, dass das Jahreshoch vom 5. September bei 3 677 Punkten in den kommenden Tagen erneut erreicht werden kann. Prognosen seien allerdings schwierig, weil der Markt bereits im Bann des so genannten "Großen Hexensabbats", dem großen Verfalltag an den Terminbörsen am Freitag, stehe. Dann laufen Index-Futures, Index-Optionen und Optionen auf Einzelaktien aus, was häufig für starke fundamental nicht nachvollziehbare Kursausschläge sorgt, da viele Marktteilnehmer versuchen, Aktien und Indizes, auf die sie Optionen oder Terminkontrakte halten, in eine für sie günstige Richtung zu bringen.

Den Boden für die Kursgewinne im Dax bereiteten positive US-Konjunkturdaten. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe seien in der vergangenen Woche überraschend stark zurückgegangen und hätten damit für Leben an der Börse gesorgt, sagte ein Aktienhändler der Schweizer UBS in Frankfurt. Nach Angaben des US-Arbeitsministeriums ist die Zahl der Erstanträge um 29 000 auf 399 000 und damit knapp unter die viel beachtete Marke von 400 000 gefallen.Und auch die Frühindikatoren haben mit dem vierten Anstieg in Folge das Bild von einer anziehenden US-Wirtschaft bestätigt. In der Folge hatte die Wall Street nach einer schwächelnden Eröffnung ins Plus gedreht und die Gewinne stetig ausgebaut. Ohne spürbare Auswirkung auf die Kurse an der Wall Street blieb am Abend zudem der etwas unter den Erwartungen ausgefallene Konjunkturindex der Philadelphia-Fed. Die übrigen Konjunkturdaten hatten die Märkte in ihrem Konjunkturoptimismus bestätigt.

Zur Aktie des Tages avancierten am Donnerstag die Titel von Bayer, die nach der Abweisung eines Sammelklage im Zusammenhang mit dem inzwischen vom Markt genommenen Cholesterinsenkers Lipobay haussierten. Die Hypo-Vereinsbank hatte zudem Bayer in der Folge auf "Outperform" von "Neutral" hochgestuft. Mehr als sechs Prozent legte die Aktie im Tagesverlauf zu. Zum Schluss belief sich der Kursaufschlag auf 5,6 %. BASF zeigten sich dagegen unterdurchschnittlich mit einem Plus von 0,2 % auf 41,28 Euro. "Es gab einen Wechsel aus BASF in Bayer, weil man sich bei Bayer nun das höhere Potenzial verspricht", so ein Händler.

Kräftig nach oben ging es am Nachmittag auch bei Schering, sie legten um 2,7 % auf 40,26 Euro zu. Laut Händlern profitierten sie von einer Betaferon-Studie. "Es ist eines ihrer wichtigsten Medikamente", sagte ein Marktteilnehmer. Die Studie habe gezeigt, dass der Wirkstoff auch in sehr hoher Dosierung gut verträglich sei. "Das lässt auf zukünftig höheren Absatz schließen", hieß es. Lufthansa verbesserten sich um 3,2 % auf 12,74 Euro. Die geplante Umstrukturierung der Cargo-Sparte kam bei Anlegern und Analysten gut an.

Auch die Bankenwerte legten kräftig zu. Die guten Zahlen von Bear Stearns aus den USA trieben nach Angaben von Händlern - neben dem festen Gesamtmarkt - diese Werte an. "Das war der wichtige Impuls dahinter", sagte ein Händler. HypoVereinsbank zogen mit plus 5,4 % auf 18,60 Euro davon und Commerzbank gewannen 3,3 % auf 14,24 Euro. Deutsche Bank stiegen um 3,2 % auf 59,20 Euro. Einen wichtigen Widerstand sehen Teilnehmer bei dem Wert beim Jahreshoch von 60,10 Euro. Bis dahin habe der Kurs kurzfristig Luft.

Infineon gewannen 1,6 % auf 13,08 Euro. Grund waren Aussagen des Vorstandsvorsitzenden Ulrich Schumacher, nach denen sich das operative Geschäft besser entwickle. Bei den Speicherchips lägen die Preise über den Produktionskosten. Diese Sparte habe gute Aussichten, im laufenden Quartal Geld zu verdienen, so Schumacher. Auf der Verliererseite ganz oben standen dagegen MLP, die am Freitagabend aus dem DAX in den MDAX absteigen. Sie verloren 1,6 % auf 16,77 Euro.

Tui, den Großteil des Tages im Minus notierend, hatten im späten Handel ins Plus gedreht. "Das Unternehmen hat seine Ergebnisprognose für das laufende Jahr bekräftig und angekündigt, im kommenden Jahr höhere Erträge bei der Sparte Touristik zu erzielen", sagte ein Händler. Der Ausblick gehe von einer Erholung der Konsumstimmung aus und damit von einem Wachstum im kommenden Jahr. Zudem habe sich der Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorjahr aufgrund guter Ergebnisse im Juli und August verringert. Gleichzeitig hieß es, die WestLB werde sich erst auf längere Sicht von ihrem Anteil trennen, eine feindliche Übernahmen sei nicht zu befürchten. Tui legten um 0,6 % auf 16,35 Euro zu.

Am Rentenmarkt sank der Bund Future um 0,09 Prozent auf 113,57 Punkte. Der REX war bei 118,07 Punkten um 0,22 Prozent fester. Die Umlaufrendite sank um 0,05 Prozentpunkte auf 3,85 (Dienstag: 3,90) Prozent. Der Kurs des Euro ist gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1290 (Mittwoch: 1,1212) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8857 (0,8919) Euro.

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