Börse Asien
Japans Börse ist Trumps erstes Opfer

Der Yen schießt in die Höhe, Aktien schmieren ab - Donald Trumps Vorsprung in den Auszählungen trifft Japan hart. Warum es die Asiaten am Ende weitaus weniger treffen könnte, verrät ein deutsche Investor in Japan.

Die endgültige Entscheidung im Rennen um das Weiße Haus konnte der japanische Markt nicht mehr einpreisen. Aber schon die immer gewissere Aussicht, dass Donald Trump entgegen den Umfragen Präsident werden könnte, schickte die Aktien auf Talfahrt. Der Nikkei machte nicht nur frühe Gewinne wett, sondern sackte bis Börsenschluss um 5,4 Prozent auf 16251,54 Yen Prozent ab.

Damit brachte Japan wie schon beim Brexit wieder einmal das schwerste Opfer unter den asiatischen Finanzmärkten. Südkoreas Kospi-Index notierte mit 1948,25 Punkten 2,8 Prozent schwächer als am Vortag. Und in China bewegte sich der Markt bisher kaum.

Der Grund ist simpel wie erwartet: Wann immer ein Ereignis die globalen Anleger negativ überrascht, steigt der Yen massiv, weil sich die Welt in Japans Währung flüchtet. Denn sie gilt als sicherer Hafen im Sturm. Und im Gegenzug kollabieren die Aktienpreise, weil ein höherer Yen niedrigere Gewinne für die Exportkonzerne bedeutet.

So auch dieses Mal: Der Dollar verlor gegenüber dem Yen bis Börsenschluss fast drei Prozent an Wert und sackte von 105 Yen in den 101-Yen Bereich ab. Und dies ist noch nicht unbedingt das Ende des Dramas. Die Wirtschaftszeitung Nikkei hatte gewarnt, dass der Dollar bei einem Sieg Trumps auf 95 Yen und damit der Aktienmarkt von 17000 auf 15000 Yen abschmieren würde.

Für Anleger im japanischen Markt ist das nicht unbedingt unwillkommen. „Dies öffnet die Chance, im Tal in den Markt einzusteigen“, meint Jesper Koll, Chef von WisdomTree Investments Japan. Japans Investoren seien sehr gut darauf vorbereitet..

Seit dem Brexit-Votum im Mai hätten die Kunden der drei größten Broker des Landes den Bargeldanteil an ihren Einlagen auf 33 bis 38 Prozent verdoppelt, so Koll. „Es ist also genug Geld für Investitionen vorhanden.“

Allerdings stellt sich jetzt die Frage, wie es weitergehen wird. Koll erwartet, dass Japans zur Stimulierung der Wirtschaft ein neues Konjunkturpaket auflegen wird, falls sich die Märkte nicht beruhigen oder der Yen stark in die Höhe schnellen sollte. Die Regierung kündigte bereits an, den Devisenmarkt genau zu beobachten und – wenn nötig – einzugreifen.

Für die Großwetterlage werde allerdings kurzfristig entscheidend sein, wie schnell Trump präsidial werden und sein wirtschaftliches Team vorstellen würde. Kann Trump als Teamspieler überzeugen, erwartet Koll eine Beruhigung. „Wenn er den Cowboystil weiterführt, werden die Investoren ihre Richtlinien neu schreiben.“

Doch auch wenn Hillary Clinton Trump auf den letzten Metern den Sieg noch entreißen sollte, erwartet Koll eine Machtverschiebung, eine Stärkung Asiens und eine Schwächung des Westens. „Die Realinvestitionen der Firmen werden sich auf Asien konzentrieren, weil die Regierungen pragmatischer sind“, meint Koll. Sein Fazit: „Die Glaubwürdigkeit Asiens steigt – nur leider dadurch, dass das Führungslicht des Westens verblasst.“

Martin Kölling, Handelsblatt-Redakteur und Korrespondent in Tokio. Quelle: privat
Martin Kölling
Handelsblatt / Asien-Korrespondent
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