Börse Frankfurt
Anleger im Bann von Trumps Drohung

Donald Trump pöbelt und macht Anleger spürbar nervös. Nicht nur in Deutschland geht es am Aktienmarkt negativ turbulent zu. Positive Nachrichten aus der Bilanzsaison rücken schnell in den Hintergrund.
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FrankfurtAus Furcht vor einem bewaffneten Konflikt zwischen den USA und Nordkorea haben Investoren am Mittwoch Aktien in großem Stil verkauft. Sie griffen stattdessen bei als sicher geltenden Anlagen wie Gold oder dem Schweizer Franken zu. „Trumps Aussagen zu Nordkorea schüren die Angst, dass der US-Präsident wirklich meint, was er sagt: Feuer und Zorn“, erklärte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses ThinkMarkets. Der Schweizer Franken legte gegenüber dem Dollar um etwa ein Prozent zu. Der Yen stieg ebenfalls. Die Währung des nordkoreanischen Nachbarn Südkorea, der Won, verlor dagegen an Wert.

Der US-Präsident hat Nordkorea für den Fall weiterer Provokationen mit „Feuer und Zorn“ gedroht, wie es die Welt noch nie erlebt habe. Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un konterte mit dem Verweis auf einen möglichen Präventivschlag auf den US-Militärstützpunkt der Pazifikinsel Guam. „Es besteht die Gefahr, dass dieser Krieg der Worte zwischen diesen beiden Führern mit großen Egos außer Kontrolle gerät“, warnte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets.

Der Dax schaffte es im Handelsverlauf nicht aus der Verlustzone und rutschte zwischenzeitlich beinahe unter die Marke von 12.100 Punkten. Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets sieht nun ein steigendes Risiko, dass der Dax darunter rutscht. Der Leitindex schloss letztlich 1,1 Prozent tiefer bei 12.154 Punkten. Auch der kleine Bruder, der MDax der mittelgroßen Werte, verlor 1,1 Prozent auf 24.883 Zähler. Der europäische Leitindex EuroStoxx 50 gab 1,4 Prozent nach auf 3467 Stellen. Auch die Wall Street in New York wurde zur Eröffnung am Mittwoch schwächer erwartet. Die Nordkorea-Krise hatte sie bereits am Vortag ins Minus gedrückt. Die negative Stimmung war danach auf die asiatischen Börsen übergesprungen.

An den Finanzmärkten waren vergleichsweise sichere Anlagen gefragt. Am Morgen legten die Kurse von deutschen Staatsanleihen zu, außerdem profitierte der Goldpreis. Bankenwerte verloren dagegen im schwachen Gesamtmarkt überdurchschnittlich. Im Dax sackten die Anteile der Commerzbank und der Deutschen Bank als größte Verlierer um bis zu vier Prozent ab. Adidas gaben ebenfalls über zwei Prozent nach.

Die Bilanzsaison hierzulande geriet angesichts der politischen Spannungen fast schon etwas in den Hintergrund. Beim Rückversicherer Munich Re hatten geringe Katastrophenschäden und eine Steuergutschrift einen Gewinneinbruch im zweiten Quartal abgemildert. Zu Aktienrückkaufen äußerte sich der neue Vorstandschef Joachim Wenning aber erst einmal nicht. Die Papiere verloren fast 2,5 Prozent.

Der Energiekonzern Eon profitierte im zweiten Quartal von der Rückzahlung der Atomsteuer und will den Aktionären nun mehr Dividende ausschütten. Neben Eon, die dreieinhalb Prozent gewannen, war auch der Versorger RWE einer der wenigen Gewinner in der ersten Börsenliga. Positiv fielen auch die Papiere von Continental auf – die Geschäftsperspektiven des Autozulieferers haben sich nach Einschätzung der Deutschen Bank spürbar aufgehellt.

Auch der Kurs des Euro ist im Angesicht der Nordkorea-Krise gefallen. Am späten Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,1735 US-Dollar und damit etwas weniger als am Morgen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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