Börse Frankfurt
Auf welche Dax-Marken Anleger achten sollten

Der Deutsche Aktienindex hat seinen 2015er-Rekordstand am heutigen Dienstag erneut überboten. Ist das der Startschuss für die nächste Börsenrally, oder eher der finale Kaufschub?
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Frankfurt/DüsseldorfNach dem Rekordhoch zum Wochenstart kletterte der deutsche Leitindex am Dienstag weiter nach oben. Er kletterte zeitweise 12.482 Punkte und beendete den Handel mit einem Plus von 0,1 Prozent bei 12 467 Zählern. Der Euro Stoxx 50 schnupperte ebenfalls Höhenluft und legte 0,2 Prozent auf 3583 Zähler zu. Der MDax für mittelgroße Unternehmen stieg um 0,1 Prozent auf 24.615 Punkte nach, hatte zuvor allerdings bei 24.629 Punkten eine neue Bestmarke erklommen. Der Technologie-Index TecDax gewann 0,1 Prozent auf 2.066 Punkte.

 „Eine Konsolidierung ist überfällig und würde gut tun“, meint der freie Charttechniker Holger Struck.  Denn dass nun die Börse tagtäglich ähnliche Freudenfeuer abbrennt wie am gestrigen Montag, dürften Anleger nicht erwarten. Für ihn liegt das nächste Kursziel bei 12.800 Zählern. Die höchste Unterstützung liegt bei 12.289 Punkten. „Wenn der Dax darüber notiert, dann regiert der Bulle uneingeschränkt“, meint Struck.

„Aus statistischer Sicht besteht kurzfristig noch Luft für weitere zwei bis drei Prozentpunkte Plus in den kommenden Tagen - danach wird die Luft vorerst dünner“, meint das Börsenmagazin Index-Radar. Rein charttechnisch gesehen zählen frische Bestmarken eigentlich zu den besten Kaufsignalen. Doch ein Blick in die Vergangenheit zeige auch: Kursgewinne von mehr als drei Prozent wie zum Wochenauftakt sind beim deutschen Leitindex sehr selten. Im vergangenen Jahr schaffte der Dax nur zweimal (März und Juni) einen so kräftigen Sprung. Vier Wochen später notierte der Index in beiden Fällen nahezu unverändert. Index-Radar empfiehlt Anlegern in eine Konsolidierung hinein zu kaufen.

Denn die Frankfurter Benchmark notiere aktuell bereits rund elf Prozent oberhalb seines langfristigen 200-Tage-Durchschnitts.Werte ab 14 Prozent sind in der Vergangenheit stets Warnsignale vor einer - zumindest kleinen - Korrektur gewesen.

Mit Spannung blickten Anleger auch in Richtung USA, wo Präsident Donald Trump am Mittwoch seine Pläne für eine Steuerreform vorstellen will. Darauf warten Investoren seit Wochen. Der Politiker selbst sagte in einem Interview, es handele sich wohl um die größte Steuersenkung, die es je gegeben habe. „Ein Teil der Erwartungen darüber ist bereits in den Kursen eingepreist, insofern muss Trump ein paar Überraschungen in petto haben, damit die Kursrally weitergeht“, sagte Händler Markus Huber vom Broker City of London. Spannend sei auch, ob Trump die Maßnahmen durch den Kongress bringe.

Investoren in Deutschland deckten sich mit SAP ein. Der Konzern hat im ersten Quartal dank einer hohen Nachfrage nach Cloud-Software und dem neuen Hauptprodukt S/4Hana mehr verdient als vor Jahresfrist. Die Titel stiegen zwischenzeitlich um 1,2 Prozent, beendeten den Handel aber nur noch mit einem kleinen Plus von 0,1 Prozent.

Die Erlöse legten auch dank eines schwachen Vergleichsquartals im Vorjahr um zwölf Prozent auf 5,3 Milliarden Euro zu, wie das im Dax notierte Unternehmen am Dienstag mitteilte. Unter dem Strich verdiente SAP mit 530 Millionen Euro aber sieben Prozent weniger. Grund seien aktienbasierte Vergütungen und die höhere Mitarbeiterzahl, sagte Finanzchef Luka Mucic. Hohe Personalkosten bei Europas größtem Softwarehersteller haben demnach trotz eines Umsatzschubs im ersten Quartal den Gewinn gedrückt.

An die Dax-Spitze setzten sich Merck nach einem Deal mit Fresenius. Sie verteuerten sich um 2,7 Prozent in die Nähe ihres im April 2015 erreichten Rekordhochs von 111,85 Euro. Fresenius kauft den Darmstädtern für 170 Millionen Euro das Geschäft mit Nachahmermedikamenten von Biotech-Arzneien ab. Börsianer bezeichneten dies als „Win-Win-Situation“. Merck habe die Sparte loswerden wollen und einen guten Preis erhalten. Bei Fresenius passe das Geschäft ins Unternehmenskonzept. Der Konzern stemmte derweil mit der Übernahme von Akron eine zweite Mega-Transaktion innerhalb weniger Monate. Anleger überraschte das wenig, die Fresenius-Aktien verloren 1,6 Prozent.

Continental-Anleger reagierten dagegen vergrätzt auf die Ankündigung, die Sparte Powertrain umzustrukturieren. Die Aktien verloren 2,7 Prozent. Anleger hätten mit einem größeren Wurf gerechnet, sagte ein Händler.

Der angeschlagene Spezialmaschinenbauer Aixtron meldete dank einer guten Nachfrage seiner Kunden aus der Halbleiterbranche starke Zahlen, was den jüngst in den TecDax zurückgekehrten Papieren ein Plus von 13,4 Prozent bescherte.

Außerhalb der Dax-Familie sprangen zudem die Anteilsscheine von Aurelius um rund zwölf Prozent hoch. Die jüngst von einem Finanzspekulanten attackierte Beteiligungsgesellschaft kontert den Angriff mit dem Verkauf des Kompressorherstellers Secop. Zudem soll für das Geschäftsjahr 2016 jetzt eine Dividende von insgesamt vier Euro gezahlt werden und damit doppelt so viel wie bisher geplant.

Unverändert notierten im SDax die Aktien des Berliner Onlinehandel-Unternehmens Rocket Internet. Die großen Beteiligungen von Rocket Internet haben ihre Verluste 2016 eingedämmt. Das operative Minus ausgewählter Start-ups – vom Kochbox-Anbieter HelloFresh bis zu den Möbelhändlern Westwing und Home24 – schrumpfte um 234 Millionen auf rund 360 Millionen Euro. Der Umsatz legte zugleich um 29 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro zu, wie das Berliner Unternehmen am Dienstag mitteilte. „Im Jahr 2016 haben unsere ausgewählten Unternehmen weitere Fortschritte auf dem Weg in Richtung Profitabilität erzielt“, sagte Vorstandschef Oliver Samwer. Bis Jahresende sollen wie geplant drei Beteiligungen die Gewinnzone erreichen.

Als Hoffnungsträger gilt vor allem der Lieferdienst Delivery Hero („Lieferheld“, „Pizza.de“, „Foodora“). Dieser will „verschiedene Finanzierungsoptionen, einschließlich eines potenziellen Börsengangs“ prüfen. Das Unternehmen mit mehr als 5000 Mitarbeitern in gut 40 Ländern wird mit mehr als drei Milliarden Euro bewertet. Rocket war zuletzt unter Druck geraten, nachdem Großaktionär Kinnevik im Februar überraschend die Hälfte seiner Anteile abgestoßen hatte.

An der Börse in Paris kletterten LVMH um vier Prozent auf ein Rekordhoch von 223,60 Euro. Der Luxuskonzern mit Marken wie Louis Vuitton und Moet & Chandon übernimmt seine Tochter Christian Dior komplett. Dior-Aktien sprangen um 12,8 Prozent ebenfalls auf ein Rekordhoch.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Jürgen Röder
Jürgen Röder
Handelsblatt / Redakteur Finanzzeitung

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  • Wer europäische Aktien kauft muß viel Glück haben, denn jahrelanges Null-Wachstum, Arbeitslosigkeit, Armut, u.s.w verschwinden auch auch in Wahljahren nicht.

  • Ich persönlich habe mich dazu entschlossen nichts mehr zu machen.
    Bin komplett demotiviert und frustriert und werde, genau wie die Investoren zukünftig vom Geld anderer Leute leben, indem ich jetzt arbeitslos bin!

  • Am 24.09. wäre eine Chance auf demokratischem Weg die aktuelle Linie abzustrafen.
    Ha ha ha, gerade die gutbürgerliche Mitte, welche die imemr weiter steigenden Abgabenlasten trägt, wählt wie immer und glaubt dann, dass sich etwas zum Positiven ändert. Sowas ist reine Idiotie.

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