Börse Frankfurt
Banken ziehen Dax aus dem Sumpf

Feierlaune im Finanzsektor: Commerzbank und Deutsche Bank legen zweistellig zu und sorgen für eine überraschende Erholung beim Leitindex. Der Dax schließt mit einem Plus von zwei Prozent.

Frankfurt am MainDer Dax hat am Freitag ein überraschendes Lebenszeichen von sich gegeben. Der Leitindex erholte sich nach dem Drei-Prozent-Absturz vom Donnerstag und ging rund zwei Prozent fester bei 8929 Punkten aus dem Handel. Damit fasste das wichtigste deutsche Marktbarometer wieder die 9000-Punkte-Marke ins Auge, die es in dieser Woche erstmals seit dem Herbst 2014 unterschritten hatte. Immerhin gelang ein versöhnlicher Wochenausklang.

Für die Gegenbewegung der europäischen Börsen heute gab es gleich mehrere Gründe: Neben einem stark gestiegenen Ölpreis waren es am Nachmittag starke Zahlen aus dem wichtigen US-Einzelhandel. Der Preis für die Texas-Sorte WTI schoss gegen Abend rund zwölf Prozent in die Höhe knapp unter 30 US-Dollar je Barrel. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich um 9,3 Prozent auf fast 33 Dollar je Barrel.

Speziell in Deutschland sorgte der zuletzt gebeutelte Bankensektor für eine überraschende Beruhigung. So hat die Commerzbank nach dem jüngsten Ausverkauf bei den großen Geldhäusern nahezu die gesamte Branche am Freitag wieder aufgerichtet. Ein starkes Quartal bescherte Deutschlands Nummer zwei den ersten Milliardengewinn seit fünf Jahren. Vor allem die Ankündigung einer mittelfristigen Dividendenausschüttung – der ersten seit 2007 – lockte die Anleger in Scharen aufs Parkett. Die Commerzbank-Papiere gingen rund 18 Prozent höher bei 7,50 Euro pro Stück aus dem Handel – die mit Abstand größten Tagesgewinner.

Davon profitierte auch die stark unter Druck stehende Deutsche Bank, die im späteren Handel zusätzlich von sich selbst reden machen konnte. Die Frankfurter planen einen milliardenschweren Rückkauf ausgegebener Anleihen, was den Papieren einen Aufschlag von 11,8 Prozent bescherte.

Die kurzfristig grüne Farbe der Anzeigentafeln kann aber nicht über die aktuelle Lage der Märkte hinwegtäuschen: Die Handelsplätze agieren derzeit eindeutig im Verkaufsmodus – zu mannigfaltig sind die Unwägbarkeiten, die sich seit Jahresanfang aufgetan haben. Schwache chinesische Wirtschaftsdaten hatten Konjunkturzweifel losgetreten, die spätestens im Januar ein „bullenjagendes“ Ausmaß annahmen. Zudem verunsicherte eine schlecht kommunizierte Geldpolitik Pekings die Märkte nachhaltig.

Aus den Sorgen um Chinas Wirtschaft erwuchs sodann die Frage nach dem weltweiten Wachstum, die sich im massiv abgeschmierten Ölpreis manifestierte. Der ist tatsächlich vor allem durch die pessimistische Sicht der Anleger geprägt, fast nachrangig wirkt der Überschuss auf der Angebotsseite des wichtigsten Rohstoffes.

Und zu alledem gesellt sich auch noch ein Knick in der an Fahrt aufgenommenen US-Ökonomie – inmitten der schwierigen Zinswende. Da an den Börsen vor allem die Zukunft gehandelt wird, sehen die Kurse auf dem auch schlimmer aus, als es die Fundamentaldaten der Unternehmen bisher hergeben. Doch mit den schwachen Quartalszahlen bei den Banken wurde die Finanzbranche zum neuesten Sorgenkind der Börsianer. Der ein oder andere fühlt sich mit der möglichen Wirkung auf die Realwirtschaft an die Finanzkrise erinnert. Man sieht: Gleich mehrere Quellen speisen die See.

Einen denkwürdige Einschätzung lieferte Ben Kumar von Seven Investment Management in London: „Die Märkte suchen verzweifelt nach einer Story - in kurzer Zeit lag der Fokus mal auf China, mal auf Öl, den Finanzwerten oder den Zentralbanken“, sagte der Experte. „Es ist verrückt, dass wir Bewertungen haben, als gäbe es eine Rezession oder einen völligen Zusammenbruch des Finanzsystems. Und trotzdem ist der Ausverkauf wohl noch nicht zu Ende. Keiner will im Moment der erste Bulle sein.“

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