Börse Frankfurt
Beim Dax geht die Angst um

Unter Anlegern machen sich Konjunkturängste breit: Deutschland wächst weniger als erwartet – und der Dax rutscht ab. Und wie. Zum Handelsschluss konnte der Leitindex die Marke von 9000 Punkten nicht mehr halten.
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FrankfurtDie jüngste Dax-Bärenrally hat einen neuen Tiefpunkt erreicht: Am Vormittag ist der deutsche Leitindex erstmals seit zwei Monaten unter die Marke von 9000 Punkten gefallen. Der niedrigster Wert von 8960 Punkten wurde kurz vor Handelsschluss erreicht. Schließlich ging der Dax unter der psychologisch wichtigen Grenze aus dem Rennen – mit einem Minus von einem Prozent bei 8995 Zählern.

Der Dax hat ein durchwachsenes Jahr hinter sich: Zunächst trieb das billige Geld der Notenbanken den Index in die Höhe. Am 5. Juni war er zum ersten Mal in seiner Geschichte über die Marke von 10 000 Punkten gesprungen. Seitdem aber verdüsterte sich die Lage. „Der Abwärtstrend ist kristallklar, das Potenzial reicht bis an die 8900-Punkte-Marke“, schrieb Chartexperte Franz-Georg Wenner vom Börsenstatistik-Magazin Index-Radar in einem Kommentar. Händler machten die sich zuspitzenden Krisen im Nahen Osten, in der Ukraine, aber auch die deutlich schwächeren Wirtschaftsperspektiven für die Talfahrt an den Börsen verantwortlich.

Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute sehen nach Handelsblatt-Informationen die Konjunktur in Deutschland skeptischer. In ihrem Herbstgutachten gehen sie nun nur noch von 1,3 Prozent Wachstum in diesem Jahr und von 1,2 Prozent Wachstum im kommendem Jahr aus. Am morgigen Donnerstag wird das Konjunkturgutachten für die Bundesregierung veröffentlicht. Vor einem halben Jahr hatten die Institute noch 1,9 Prozent Wachstum für 2014 und 2,0 Prozent Wachstum für 2015 prognostiziert.

Auch in der zweiten Reihe zeigte der Trend abwärts: Der MDax notierte 1,1 Prozent niedriger bei 15.377 Zählern, der TecDax sogar 1,8 Prozent geringer bei 1182 Punkten. „Die Stimmung trübt sich schnell ein“, sagte Devisenstratege Kit Juckes von der Societe Generale. Man dürfe die jüngste Konjunkturprognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) zwar nicht überbewerten, der nachlassende Optimismus sei aber bemerkenswert. Der IWF hatte seine Prognose für das weltweite Wachstum 2014 am Dienstag auf 3,3 Prozent von zuvor 3,4 Prozent gesenkt. Für Deutschland erwartet er nur noch ein Plus von 1,4 statt 1,9 Prozent.

Viele Anleger sahen in enttäuschenden deutschen Konjunkturdaten ein schlechtes Omen für die anstehende Bilanzsaison. Gestern haben die Zahlen zur Industrieproduktion diese Sorge bestätigt. Den Daten nach haben deutsche Unternehmen im August rund vier Prozent weniger produziert. Wie üblich wird der Aluminiumhersteller Aloca als erster US-Großkonzern seine Bilanz für das dritte Quartal vorlegen. Die Aktienmärkte hätten bereits ein paar schwache Wochen hinter sich – angesichts des scharfen Ausverkaufs an der Wall Street sei das aber noch nicht ausgestanden, kommentierte Marktstratege Craig Erlam vom Broker Alpari UK.

Verstärkt wurde der Konjunkturpessimismus von der Ausbreitung der Seuche Ebola. Selbst wenn sie bald eingedämmt werden könne, gehe der volkswirtschaftliche Schaden in die Milliarden, betonte Weltbank-Volkswirt David Evans. An den europäischen Aktienmärkten litten die Luftfahrt- und Touristik-Werte erneut unter der Ebola-Epidemie. Lufthansa, Air France, die British Airways-Mutter IAG, TUI und Thomas Cook verloren zwischen 0,8 und 3,2 Prozent.

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  • Korrektur: Ich meinte Oktober 2013

  • "„Der Abwärtstrend ist kristallklar, das Potenzial reicht bis an die 8900-Punkte-Marke“, schrieb Chartexperte Franz-Georg Wenner vom Börsenstatistik-Magazin Index-Radar in einem Kommentar. "

    Da darf man sich nichts vormachen: Das Potenzial nach unten ist viel größer. Anfang des Jahres war bei etwas besseren konjunkturellen Aussichten und Ausweitung der Fed-Bilanz inklusive weiter entfernter Zinswende und einem noch bewaffneten Mario Draghi bei ca 8900 Schluss. So wie die Stimmung im Moment ist, würde mich das Niveau von Januar 2013 in den nächsten 6 Monaten als Untergrenze nicht sonderlich überraschen.

    Hoffentlich hat Yellen in den Protokollen die Taube raushängen lassen, sonst wird's kritisch.

  • Warum sind sie denn alle im DAX geblieben..? Mit US-Aktien bzw. den großen Standard-Werten wie Nahrungsmittel, Konsum-Titel und etwa jene mit unelastischer Nachfrage wären Sie gut gefahren und hätten nicht das problematische und große DAX-Risiko eingehen müssen. Die EU-Länder und vor allem Deutschland wurden von den Polit-Amerikaner zum Sanktionen-Krieg gedrängt - der US-Vize-Präsident hatte es ja gerade zugegeben und bestätigt - und die Berliner Polit-Gang unter Merkels Führung hat den US-Befehlen gehorcht und so Deutschland und natürlich den DAX-Aktionären großen Schaden zugefügt. Das sind die Folgen davon, wenn man einer falschen Politik und deren Politkern willig hinterher läuft - selber schuld..!

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