Börse Frankfurt
Chaos im Weißen Haus belastet den Dax

Zweifel am Erfolg Donald Trumps machen Anleger vorsichtig. Sie sichern am Mittwoch ihre Gewinne. Besonders unter Druck stehen Immobilienwerte, aber auch die Deutsche Bank lässt Federn. Top-Wert ist Thyssen-Krupp.
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FrankfurtNeue Enthüllungen über den Politikstil Trumps bereiteten Börsianern Kopfschmerzen. Insidern zufolge soll der US-Präsident den inzwischen entlassenen FBI-Chef James Comey gedrängt haben, die Untersuchung der Verbindungen des ehemaligen Nationalen Sicherheitsberaters Michael Flynn zu Russland einzustellen. Anleger hätten große Hoffnungen auf Trumps Pläne zur Ankurbelung der Konjunktur gesetzt, sagte Analyst David Madden vom Online-Broker CMC Markets. „Der jüngste Skandal verzögert seine Pläne im günstigsten Fall und im schlimmsten Fall werden sie nicht umgesetzt.“

Hans Peterson, leitender Anlageexperte bei der Vermögensverwaltung der SEB Bank, betonte, dass seine Klienten bereits über eine mögliche Amtsenthebung Trumps diskutierten. Britische Buchmacher taxieren die Wahrscheinlichkeit eines vorzeitigen Abgangs des US-Präsidenten auf 55 Prozent.

Die zunehmend verwirrende Politik unter US-Präsident Donald Trump und eine schwache Wall Street haben dem Dax am Mittwoch zugesetzt. Mit einem Minus von 1,35 Prozent ging er bei 12.632 Punkten aus dem Handel. Im laufenden Jahr ist dies sein bislang größter Tagesverlust. Noch am Vortag hatte der Dax bei 12.842 Punkten eine weitere Bestmarke gesetzt.
Der MDax der mittelgroßen Werte rutschte zur Wochenmitte um 1,6 Prozent auf 24.686 Zähler ab. Für den TecDax ging es um 1,5 Prozent auf 2.198 Punkte abwärts.

Trump werde immer stärker zu einer Belastung für die Aktienmärkte, sagte Analyst Gregor Kuhn vom Handelshaus IG Markets, während Börsenexperte Jochen Stanzl von CMC Markets das Politik-Chaos in Washington als Stimmungskiller bezeichnete. Das dominierende Angst-Thema nicht nur am deutschen Aktienmarkt sei eine mögliche starke Korrektur an der Wall Street, erklärte Stanzl.

Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, fiel am Mittwoch um 0,3 Prozent auf 97,852 Punkte und lag damit wieder auf dem Niveau vor Trumps Wahl im November. „Der letzte Rest des 'Trump-Dollars' ist dahin“, sagte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann.

Die Hoffnung auf einen US-Wirtschaftsboom und rasche Zinserhöhungen der Notenbank Fed hatte den Dollar-Index im Januar auf ein 14-Jahres-Hoch von 103,82 Zählern gehievt. Die aktuelle Talfahrt des US-Währung ist nach Ansicht von Leuchtmann noch nicht zu Ende. „Wir können weder annehmen, dass die in täglicher Frequenz auftauchenden Skandalmeldungen abreißen, noch, dass der Twitter-Sturm des US-Präsidenten abebbt.“

Vor diesem Hintergrund nahmen einige Anleger Kurs auf als sicher geltende Häfen. Die "Antikrisen-Währung" Gold verteuerte sich um gut ein Prozent auf 1249,54 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Die Schweizer Währung war ebenfalls gefragt: Ein Dollar war mit 0,9821 Franken zeitweise so billig wie zuletzt vor knapp zwei Monaten.

Aus Branchensicht standen Immobilienwerte besonders unter Druck. Dies lag in erster Linie aber daran, dass mehrere Branchenunternehmen ihre Dividendenzahlung für 2016 veranlasst hatten und die jeweiligen Aktien am Mittwoch mit einem entsprechenden Abschlag gehandelt wurden. So waren Vonovia mit einem Kursabschlag von rund vier Prozent klares Schlusslicht im Dax. Alstria Office verloren 4,65 Prozent und standen ganz unten im MDax. Die Papiere von TAG Immobilien büßten 4,39 Prozent ein.

Aber auch für die Deutsche Bank war es kein guter Tag: Am Vorabend der Hauptversammlung ging die Aktie mit einem Minus von knapp 3,5 Prozent als größter Verlierer im Dax aus dem Handel.

Bei den deutschen Aktienwerten war Thyssen-Krupp mit einem Kursplus von drei Prozent nicht nur der Gewinner im Dax, sondern auch der einzige Wert im deutschen Leitindex, der im Plus aus dem Handel ging. Mit der Lösung für die Frage milliardenschweren Pensionslasten von Tata Steel in Großbritannien rückt eine Fusion mit der Thyssen-Stahlsparte näher. Der Deal könnte dem Analysten Alessandro Abate von der Berenberg Bank zufolge noch im ersten Halbjahr 2017 verkündet werden. Der Zusammenschluss werde den operativen Gewinn des deutschen Konzerns um bis zu 500 Millionen Euro verbessern. Tata Steel legten an der indischen Börse um rund acht Prozent zu.

In London stiegen Lloyds Bank um bis zu 3,3 Prozent auf ein Zwölf-Monats-Hoch von 72,44 Pence. Rund acht Jahre nach der Rettung des Geldhauses verkaufte der britische Staat seinen restlichen Anteil von 0,25 der ursprünglich einmal 43 Prozent. Rechne man Dividenden mit ein, habe das Schatzamt sogar einen Gewinn gemacht, betonte CMC-Experte Madden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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