Börse Frankfurt
Dax-Anleger auf dem Rückzug

Trübe Aussichten für die Weltkonjunktur belasten momentan die Aktienmärkte. Die Anleger befürchten das Schlimmste und gehen sicherheitshalber in Deckung. Der Dax sank am heutigen Handelstag auf ein Zweimonatstief.
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FrankfurtTrübe Aussichten für die Weltkonjunktur haben einige Anleger am Donnerstag zum Rückzug aus den europäischen Aktienmärkten bewogen. Der Dax ging mit einem Verlust 0,82 von Prozent auf 7043 Punkte aus dem Handel. Die Umsätze blieben allerdings bei beiden Indizes dünn.

"Der Weltwirtschaft bläst der Wind heftig ins Gesicht", sagte Abi Oladimeji, Chef-Investmentstratege des Vermögensverwalters Thomas Miller. So rutschte die Euro-Zone trotz eines leichten Wachstums ihrer beiden größten Volkswirtschaften Deutschland und Frankreich im dritten Quartal in die Rezession.

Den USA droht ein ähnliches Schicksal, falls die Politik sich nicht auf einen neuen Haushalt einigen und damit die sogenannte "Fiskalklippe" umschiffen kann. Zum Jahresende laufen in den USA Steuererleichterungen aus, gleichzeitig drohen automatische Ausgabenkürzungen. US-Präsident Barack Obama enttäuschte auf seiner ersten Pressekonferenz nach der Wiederwahl am Mittwoch aber alle diejenigen, die auf Hinweise für eine mögliche Lösung des Schuldenstreits gehofft hatte.

Gleichzeitig stärkten enttäuschende Arbeitsmarkt-Daten die Position derjenigen US-Notenbanker, die laut dem Protokoll der Fed-Sitzung von Mitte Oktober für eine Ausweitung der Anleihekäufe plädiert hatten. In der vergangenen Woche beantragten statt der erwarteten 375.000 insgesamt 439.000 US-Amerikaner erstmals Arbeitslosenhilfe.

Die Stimmung am deutschen Aktienmarkt war am Donnerstag so trüb wie das Novemberwetter. Konjunkturängste, Schuldenkrisen in den USA und Europa und seit Mittwoch auch noch eine Eskalation der Gewalt im Nahen Osten halten viele Anleger weiter vom Aktienmarkt fern. "Der Markt ist sehr schwierig zu greifen. Niemand will sich wirklich positionieren. Alle warten nur noch ab", fasste ein Börsianer zusammen. Am Mittwoch hatte Israel den Militärchef der im Gazastreifen regierenden Hamas gezielt getötet und angekündigt, die Angriffe auszuweiten.

Zu den wenigen Dax-Gewinnern zählte Merck. Der Pharma- und Spezialchemiekonzern legte nach Ansicht von DZ-Bank-Analyst Peter Spengler exzellente Zahlen vor, die über den Erwartungen lagen. Die Darmstädter hatten ihre Umsatzprognose für das Gesamtjahr angehoben. Merck profitiert von Sparerfolgen und der kräftigen Nachfrage nach Flüssigkristallen. Die Aktien verteuerten sich um 1,62 Prozent auf 99,61 Euro.

Schlusslicht der ersten deutschen Börsenliga waren Lufthansa mit einem Minus von fünf Prozent auf 11,92 Euro. Börsianer sprachen von Gewinnmitnahmen. Die Titel der Fluggesellschaft hatten in den vergangenen beiden Wochen unter anderem dank starker Geschäftszahlen und der Diskussion um einen engeren Zusammenschluss mit Turkish Airlines um gut 16 Prozent zugelegt - deutlich mehr als jeder andere Dax-Wert in diesem Zeitraum.

Im Nebenwerte-Index MDax stachen Fuchs Petrolub mit einem Kursminus von 5,9 Prozent heraus. "Einige Anleger verabschieden sich aus dem Papier, nachdem Fuchs es nicht in den MSCI-Index geschafft hat", erklärte ein Händler. Anleger hätten darauf gehofft, dass Fuchs in einen der MSCI Global Standard-Indizes aufsteigt. Auf europäischer Ebene gehörten Hennes & Mauritz (H&M) zu den größten Verlierern. Die Papiere des schwedischen Bekleidungseinzelhändlers brachen angesichts eines überraschenden Umsatzrückgangs um bis zu vier Prozent ein. Mit 211 Kronen waren die Titel so billig wie zuletzt Anfang Juni.

Unter Verkaufsdruck gerieten auch Zurich Financial. Wertberichtigungen und die Aufstockung der Schadenreserven in Deutschland verhagelten dem Schweizer Versicherer die Bilanz. Der Netto-Gewinn brach um fast zwei Drittel ein. Die Aktie fiel daraufhin um bis zu 4,2 Prozent auf ein Drei-Monats-Tief von 222,30 Franken. Im Sog von Zurich gab der Index der europäischen Versicherungsbranche um 1,5 Prozent nach.

 
Serkan Dizbay
Serkan Dizbay
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter
Agentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Warum sollte die Jahresendrally kommen? Aktien sind dieses Jahr gut gelaufen. Ein Aktienfonds-Kapitän oder ein entsprechender Verantwortlicher in der Kapitalanlageabteilung wäre er schön dumm, wenn er seine Jahresperformance sich jetzt nicht einloggen würde. Und dann gibt es auch keinen Grund warum er in diesen Jahr beim aktuellen Wasserstand noch ins Risiko geht.

    Würde mich nicht wundern, wenn der DAX in den nächsten Wochen sich vom Bär auf 6400 runterhauen lässt. (Und wenn ein Insti dann noch drin ist, dann viel Spass beim Chef...Jeder hat einen Chef...). Beim S&P500 kann ich mir gut vorstellen das in spätenstens übernächste Woche 1220 draufsteht.

  • 1Bart

    1. warum interessiert Sie das aus der yellow-press
    2. bei all den miesen(posaunten) Nachrichten
    warum macht der Dax nicht den Hamburger.
    3. warum haben Sie nicht bei 6000 gekauft ?

  • Ich wundere mich jetzt verdammt nochmal über den DAX. Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde über eine Jahresendrally gesprochen, die Kurse sollte steigen allein schon wegen der hohen Liquidität (wo sollen denn Anleger sonst hin mit dem Geld als in Aktien) und DAX Ziel aber locker 7800 Punkte.
    Seit Monaten werden die Konjunkturindikatoren immer schlechter und nanu, das fällt den Anlegern jetzt auf? Und
    der Weltuntergang, der ja am 21. Dezember stattfinden soll, ist ja noch nicht einmal eingepreist. Da kann der DAX ja nur noch unter 1000 Punkte fallen.

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