Börse Frankfurt
Dax-Anleger im Kaufrausch

Am deutschen Aktienmarkt herrscht heute Euphorie. Die EZB-Enttäuschung wurde schnell weggesteckt - neuer Mut wurde gefasst. Starke Unternehmensdaten waren offenbar ein gutes Argument für die Anleger.
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FrankfurtDeutsche Anleger haben die Enttäuschung vom Donnerstag durch die Europäische Zentralbank schnell vergessen. Anstatt abzuwarten, verfielen die deutschen Investoren in einen Kaufrausch und griffen bei Aktien zu. Der Dax schloss daraufhin 3,93 Prozent höher bei 6.865 Punkten. Ganz vorne waren die Bankenwerte mit von der Party. Der europäische Branchenindex legte sogar 5,1 Prozent zu. Grund für den Anstieg war die neu aufgekeimte Hoffnung auf Hilfen der EZB.

Die Volatilitätsindizes VDax und VStoxx, die die Nervosität der Anleger messen, fielen in der Spitze um jeweils knapp elf Prozent auf 21,16 beziehungsweise 23,52 Punkten. Damit notierten sie so niedrig wie zuletzt vor zwei Wochen.

"Die EZB hat nicht - wie von einigen erwartet - die 'Bazooka' herausgeholt", sagte ein Börsianer. "Aber manchmal ist bereits die Androhung einer Aktion bereits sehr effektiv." Ein anderer betonte: "Draghi war sehr clever. Innerhalb der Grenzen der europäischen Verträge hat er es geschafft, ein Veto der Bundesbank zu umgehen und die EZB - über den EFSF und den ESM - für Staaten als Kreditgeber der letzten Instanz zu positionieren."

EZB-Chef Mario Draghi hatte Anleihekäufe seiner Notenbank an die Bedingung geknüpft, das zunächst die Rettungsschirme aktiviert werden und die hilfsbedürftigen Staaten die damit verbundenen Auflagen erfüllen. Das Volumen möglicher EZB-Käufe werde eine angemessene Größe haben, um den Zielen gerecht zu werden, betonte Draghi. "Die Leute verstehen die Message: 'Lege Dich nicht mit der EZB an'", sagte ein Händler.

Von Reuters befragte Experten gehen davon aus, dass die EZB im September mit Käufen italienischer und spanischer Bonds beginnen wird. Sie rechnen zudem mit einer Senkung des Leitzinses auf 0,5 Prozent von derzeit 0,75 Prozent.

Andere Börsianer sprachen von einer technischen Gegenbewegung und bezeichneten die Verluste des Vortages als überzogen. Es gab auch Spekulationen über Umschichtungen in Portfolien - raus aus Bonds und rein in Aktien. Die Nervosität blieb aber hoch. "Es ist zu viel Angst im Markt, und alle warten nur aufs Verkaufen", sagte ein anderer Händler. Es sei kein Investor aktiv, der mit Überzeugung auf eine langfristige Markterholung setze.

Zum Wochenschluss richteten die Anleger ihre Aufmerksamkeit auch auf den Arbeitsmarkt in den USA. Die große Kursbewegung blieb aus, verbesserte aber zusätzlich die Stimmung. Die Arbeitslosenquote in den USA ist erneut gestiegen. Sie habe im Juli bei 8,3 Prozent gelegen und damit 0,1 Prozentpunkte gegenüber dem Vormonat zuleget, teilte das US-Arbeitsministerium am Freitag in Washington mit. Die Beschäftigtenzahl habe zwar um 163 000 zugenommen, deutlich mehr als in den vergangenen Monaten. Gleichzeitig haben sich aber mehr Menschen für den Arbeitsmarkt zurückgemeldet, wodurch die Quote anstieg.

Die US-Wirtschaft war im zweiten Quartal nur noch um 1,5 Prozent gewachsen. Um neue Jobs zu schaffen, ist ein Wachstum von mehr als 2,5 Prozent notwendig.

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Quartalszahlen im Fokus der Investoren

Kommentare zu " Börse Frankfurt: Dax-Anleger im Kaufrausch"

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  • delta;

    Ich kaufe meine Fonds auch ohne Ausgabeaufschlag. Ansonsten wären ja die gemanagten Produkte absolut uninteressant, wenn man bei jedem Kauf und jeder Umschichtung 5 % hinlegen muss.

    Bei welcher Fondsplattform bist du?

    Ich wünsche dir noch einen schönen Samstag.

  • HB Online: Deutsche Anleger haben die Enttäuschung vom Donnerstag durch die Europäische Zentralbank schnell vergessen. Anstatt abzuwarten, verfielen die deutschen Investoren in einen Kaufrausch und griffen bei Aktien zu. Der Dax schloss daraufhin 3,93 Prozent höher bei 6.865 Punkten. Ganz vorne waren die Bankenwerte mit von der Party. Der europäische Branchenindex legte sogar 5,1 Prozent zu. Grund für den Anstieg war die neu aufgekeimte Hoffnung auf Hilfen der EZB.

    Privater.Steuerzahler: Dürfen nur deutsche Investoren/Anleger in Frankfurt kaufen ? Oder auch spanische Kapitalbesitzer ?

    Steuerzahler:
    "Ganz vorne waren die Bankenwerte mit von der Party."
    Ist das die Stabilisierung des Euro ?

  • Privatanleger: Und da steigt dieser DAX von 5 900 auf 6 800 Punkte.

    Europaeer: ... und der MDAX erreicht (fast) ein neues Allzeithoch.

    PRIVATANLEGER: Hat das vielleicht mit der zu vielen Liquidität im Markt zu tun, mit den aktuellen Flucht-Euros aus dem Euro-Mezzogiorno, gerade ist Spanien dran.

    Bemerkung zu Privatanleger: Kostolany und Qualitätsaktien, das kann ich nur bestätigen. Da sind die Pfeile, über die sich 'Frueher_war_alles_b' mockiert noch viel zu hektisch.

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