Börse Frankfurt
Dax-Anleger im Konjunkturstress

Der Bankentest der EZB sorgte beim Dax nicht für Stress, dafür aber die Wirtschaft. Der Ifo-Index hat sich erneut und überraschend stark verschlechtert. Damit war jegliche Kauflaune der Investoren wieder verflogen.

FrankfurtZum Wochenstart kannten die Börsianer zunächst nur ein Thema: Die Ergebnisse des Bankenstresstests der EZB. Alle deutschen Banken – außer einer – hatten überzeugend bestanden. Das sorgte zwar für Kauflaune, aber nur kurz.

Denn schon am Vormittag kam der Ifo-Geschäftsklimaindex, der überraschend stark und den sechsten Monat in Folge fiel. Damit waren die Anleger schnell zurück beim Alltagsgeschäft und den Sorgen um die schwächelnde Wirtschaft. Der Dax drehte tief ins Minus. Schließlich ging der Leitindex 0,95 Prozent tiefer bei 8.902 Punkten aus dem Handel.

„Der Konjunkturmotor in Deutschland läuft nach wie vor nicht rund“, sagte Marktanalyst Niall Delventhal von DailyFX. Eine Verkaufswelle, die den Dax bis zum Jahrestief von 8.354 Punkte drücken könnte, sei möglich. „Denn die schlechten Zukunftsaussichten der deutschen Unternehmer lassen auch nur eher maue Gewinne für das vierte und letzte Quartal erwarten.“

Wie schwierig die konjunkturelle Lage europaweit ist, zeigte auch der Zwischenbericht des Logistik-Konzerns TNT Express, der einen Verlust auswies. Der Vorstand machte die konjunkturelle Lage in Westeuropa - von Großbritannien über Frankreich bis nach Deutschland und Italien - für die Entwicklung verantwortlich. Die Aktien des Deutsche Post-Rivalen brachen um 6,8 Prozent Euro ein.

Größter Dax-Verlierer waren BASF-Aktien mit einem Abschlag von 3,2 Prozent. Wie die Logistikbranche hängt auch die Chemiebranche von der Konjunktur ab, und BASF hatte mit seinem Ausblick am Freitag die Anleger enttäuscht. Analysten äußerten sich entsprechend kritisch.

Deutsche Banken überzeugen beim Stresstest

Von den 24 deutschen Banken, die am Stresstest teilgenommen haben, ist am Ende nur eine durchgefallen – die Münchener Hypothekenbank landete im Krisenszenario bei einer harten Eigenkapitalquote von 2,9 Prozent. Die Münchener haben aber ihre Kapitalbasis bereits zum 30. September um 415 Millionen Euro gestärkt. Da dieses Geld im Stresstest noch nicht berücksichtigt wurde und man heute über eine ausreichende harte Kernkapitalquote verfügt, ist das Stresstest-Ergebnis kein Drama für die Münchener. Zusätzlicher Kapitalisierungsbedarf besteht derzeit nicht. „Kapitalausstattung und erfreulicher Geschäftsverlauf stimmen uns sehr zuversichtlich für die Zukunft“, betonte Vorstandssprecher Louis Hagen.

Gut war auch das Ergebnis der beiden größten deutschen Geldinstitute: Die Commerzbank erreichte im Szenario eine Kernkapitalquote von 8,0 Prozent. Die Deutsche Bank landet im simulierten Krisenszenario bei 8,8 Prozent – und damit genau im Durchschnitt aller deutschen Banken im Stresstest. Das beflügelte auch die Aktienkurse der Banken: Die Aktien der Commerzbank und der Deutschen Bank legten in der Spitze um 9,5 und 3,6 Prozent zu, gaben ihre Gewinne bis zum Handelsschluss aber weitestgehend wieder ab – die Deutsche Bank-Aktie schloss sogar 1,5 Prozent schwächer.

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