Börse Frankfurt
Dax-Anleger lassen Italien-Wahl hinter sich

Der Dax brauchte etwas Zeit, um das italienische Wahlergebnis zu verdauen. Nun aber scheint es wieder aufwärts zu gehen. Allerdings sind noch viele Fragen ungeklärt – für die Börsen ist das aber nicht mehr relevant.
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FrankfurtEs besteht ein Unterschied zwischen einem Schock und der Angst. Ängste sitzen meist tief. Sie bilden sich über Jahre hinweg heraus und können nur schwer bekämpft werden.

Wird man geschockt, so trifft einen ein unerwartetes, meist negatives Ereignis, wie aus heiterem Himmel. Man ist unvorbereitet, Urängste und Fluchtinstinkte werden wachgerufen, so, wie wenn jemand schreiend aus der Heck springt und zu erschrecken versucht.

An den Börsen war Ex-Bunga-Bunga-Präsident Silvio Berlusconi dieser Heckenschreier. Die Wahlergebnisse schockten die Börsen. In Europa wollte kaum einer glauben, was die Zahlen einem zeigten. Berlusconi und seine Partei gehören zu den Wahlgewinnern. Der Schock, den die Wahl an den Finanzmärkten auslöste, war heftig aber genau so kurzfristig, wie er gekommen war.

Denn nur zwei Tage nach dem Wahldesaster zeigt sich der Dax wieder in Topform, angestrengt die Verluste der vergangenen Tage wieder aufzuholen. Heute machte er schon ein riesen Schritt in die richtige Richtung. Zwar dauerte es bis zum Nachmittag, bis der Leitindex den Weg nach oben fand, dann aber zog er umso schneller ins Plus. Am Ende schloss der Dax über ein Prozent im Plus auf 7.676 Punkte.

Die zweite deutsche Börsenliga stand dem in nichts nach. Der MDax beendete den Handel 1,1 Prozent höher auf 13.141 Punkte und der TecDax kam bei einem Kurs von 908 Zählern auf ein Plus von 0,5 Prozent.

Der Euro konnte sich heute ebenfalls von seinem Kursrutsch erholen. Die europäische Gemeinschaftswährung verteuerte sich um 0,3 Prozent auf 1,3096 Dollar.

Nichtsdestotrotz herrscht an den Börsen keine überschwängliche Zuversicht. Viele Investoren bleiben in ihren Ausblicken vorsichtig. "Die Märkte werden unter Druck bleiben, solange die Politiker sich nicht auf eine gemeinsame Linie einigen, wie Italien künftig regiert werden soll", sagte ein Händler

Die gestiegenen Renditen für italienische Staatsanleihen passen in das negative Bild des Händlers. Bei der ersten Versteigerung eines zehnjährigen Staatsbonds nach der Parlamentswahl kletterte die Rendite auf 4,83 Prozent und damit auf den höchsten Wert seit Oktober 2012.

"Das italienische Problem bleibt ja erst einmal", erklärte ein Börsianer. Die unklaren Mehrheitsverhältnisse im italienischen Parlament und die Warnung der US-Ratingagentur Moody's vor einer möglichen Herabstufung der Kreditwürdigkeit des Landes dürften den Appetit der Anleger auf italienische Bonds und Aktien zügeln.

Bei den Einzelwerten überzeugten am Mittwoch die Aktien des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS. Im Vergleich zum Vortag notierten die Papiere ganze 6,5 Prozent fester. Für 2013 zeigte sich Vorstandschef Tom Enders vor allem dank der steigenden Nachfrage nach Airbus-Fliegern optimistisch. "In Zukunft wird für uns als Management-Team anhaltendes Ergebniswachstum weiterhin oberste Priorität haben", erklärte Enders am Mittwoch. "Bis wir unsere Rentabilitätsziele erreichen, liegt noch ein gutes Stück Weg vor uns." Enders will nun auch die Aktionäre am guten geschäftlichen Umfeld teilhaben lassen. Die Dividende soll um 15 Cent steigen auf 60 Cent je Aktie.

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  • Was wollen Sie damit sagen? Der Dow Jones hat gerade ein neues Fünfjahreshoch genommen,ist nur noch wenige Punkte vom ATH auf US-Dollarbasis entfernt-nicht auf Eurobasis,das war am 05.06.01 wohlgemerk!Ohne lockere Geldpolitik wäre dieser Anstieg aber seit März 09 undenkbar.Die Blase wächst und wächst,wann sie diesmal platzt,vielleicht bei 15000 oder erst bei 20 000...? Wir werden sehen.... .

  • Das Bedürfnis, recht behalten zu wollen, verstellt oft den Blick auf die Realität. Gier frisst Hirn. Angst frisst Hirn. Und der Wunsch, es allen anderen zu zeigen, auch.

  • Solange die Zinsen niedrig sind,die Notenbanken die Märkte fluten,die Geldmengen u.a. die der Q3 wachsen,den USA ihre Verschuldung egal ist,die FED,Bank of Japan,Bank of England, die EZB sowie die Chinesen ihre Länder mit geldpolitischen Maßnahmen unterstützen, steigen auf lange Sicht auch die Kurse.
    Erst eine Abkehr von der "Politik des billigen Geldes" oder externe Schocks (Ablösung Ben Bernanke´s durch einen "Falken",Ablösung Draghi´s durch Weidmann,Pleite eines Eurolandes oder einer großen Bank usw. könnten dem Run auf Aktien ein Ende bereiten.
    Fazit:Die Anleger sind,auch aus Angst vor Inflation und entgangener Rendite, gezwungen stark in´s Risiko zu gehen,Kursrücksetzer werden deshalb immer wieder zum Einstieg genutzt.
    Das beste Beispiel ist Amerika.Heute trafen sich die Republikaner mit den Demokraten.Ausgabenkürzungen werden wahrscheinlich erstmal wieder nach hinten geschoben,die Fed druckt also weiter Geld,Bernanke bekräftigt dies gestern noch und schon gewinnt der Dow Jones wieder dreistellig.

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