Börse Frankfurt Dax-Anleger schöpfen Hoffnung

Der nahende Volksentscheid der Briten zum Verbleib in der EU jagt Anlegern anscheinend keinen Schrecken mehr ein. Der Dax notiert im Plus. Bei den Unternehmen steht Volkswagen im Rampenlicht.
Update: 22.06.2016 - 17:45 Uhr

Anleger setzen auf EU-Verbleib der Briten - Dax steigt weiter an

Anleger setzen auf EU-Verbleib der Briten - Dax steigt weiter an

FrankfurtDie laut Buchmacher hohe Wahrscheinlichkeit für einen Verbleib Großbritanniens in der EU hat am Mittwoch die Anleger an die europäischen Aktienmärkte gelockt. Der Dax stieg um 0,6 Prozent auf 10.071 Punkte, halbierte nach einer neuen Umfrage aber das Plus. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Opinium sieht einen Tag vor der Abstimmung ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Für den Verbleib in der Europäischen Union (EU) stimmen demnach 44 Prozent der Befragten, für einen Austritt 45 Prozent.

Profi-Anleger bleiben cool. "Die Investoren erwarten, dass die Wähler in Großbritannien morgen mit 'remain' - also für ein 'Bremain', einen EU-Verbleib - stimmen werden", sagte ein Börsianer. Sollte die Mehrheit knapp ausfallen oder die Briten gar mit "leave" stimmen, dürfte es turbulent werden. Die Nervosität bleibt Analysten zufolge daher vorerst hoch. Entsprechend dünn waren die Umsätze.

Die Brexit-Angst an dem Märkten schwindet. Quelle: dpa
Blick auf das Parkett

Die Brexit-Angst an dem Märkten schwindet.

(Foto: dpa)

Das Pfund Sterling behauptete zur Wochenmitte seinen Erholungskurs und notierte bei 1,4710 Dollar. Damit lag es rund sechs US-Cent über dem Stand von vor einer Woche. Die Wahllokale in Großbritannien sind am Donnerstag von 08.00 Uhr bis 23.00 Uhr MESZ geöffnet, so dass die asiatischen Märkte als erste auf etwaige Ergebnisse reagieren können.

Die Schweizer Großbank UBS warnte ihre Kunden vor möglichen Einschränkungen im Handel. Sollte es im Umfeld der Abstimmung zu extremen Schwankungen oder Liquiditätsengpässen kommen, könnte das Institut Schwierigkeiten haben, einige Aufträge auf seiner elektronischen Handelsplattform auszuführen. Auch andere Institute - darunter die niederländische ING und die französische Societe Generale - hatten ähnliche Schreiben an ihre Kunden verschickt.

Wer für den EU-Austritt kämpft und wer dagegen
Kontra Austritt: David Cameron
1 von 20

- 49, britischer Premierminister
- „Selbstzerstörung“, „Isolationismus“, „Risiko“ – die politische Führung in Großbritannien mahnt eindringlich vor einem Austritt aus der EU. Premierminister Cameron wird nicht müde, die Tragweite dieser Abstimmung zu betonen. „Dies ist auch eine Entscheidung über unseren Platz in der Welt“, so der Chef der konservativen Partei. „Darüber, wie wir die Sicherheit unseres Landes gewährleisten, wie Großbritannien Dinge in Europa und weltweit erreichen kann, statt einfach eine von anderen diktierte Welt zu akzeptieren.“

Pro Austritt: Boris Johnson
2 von 20

- 51, Bürgermeister von London von Mai 2008 bis Mai 2016 (Conservatives)
- Die Europäische Union strebe einen Superstaat an, sagte Johnson jüngst in einem Interview mit „The Sunday Telegraph“ – ähnliche Tendenzen habe es in der Vergangenheit bereits gegeben. „Napoleon, Hitler, diverse Leute haben es versucht, und es endet tragisch. Die EU ist ein Versuch, dies auf verschiedene Weisen zu tun.“

Kontra Austritt: George Osborne
3 von 20

- 45, britischer Finanzminister
- „George Osborne warnt vor Brexit“ – Schlagzeilen dieser Art gab es in den weltweiten Gazetten zuletzt häufiger zu lesen. Der britische Finanzminister gehört zu den vehementesten Befürwortern eines Verbleibs in der EU. Konjunktureinbruch und Abschwung seien wahrscheinlich, sollte Großbritannien mit „leave“ stimmen. „Das britische Volk muss sich diese Frage selbst stellen. Können wir bewusst für eine Rezession stimmen?“, so Osborne. Schließlich würde ein Votum für den Austritt einen „sofortigen und heftigen Schock“ auslösen – das britische BIP würde sich bis zum Jahr 2030 um sechs Prozent verringern.

Pro Austritt: Nigel Farage
4 von 20

- 52, UKIP-Parteichef
- Einer der Hauptakteure im Kampf gegen den Verbleib in der EU: Kaum jemand hat sich so öffentlichkeitswirksam für einen Brexit eingesetzt wie Nigel Farage. Der Chef der EU-skeptischen UKIP befindet sich seit Monaten im Wahlkampfmodus. „Ich kann die Unentschlossenen überzeugen. Ich bin die Stimme, die sie umschwenken kann.“

Kontra Austritt: Barack Obama
5 von 20

- 54, Präsident der Vereinigten Staaten
- Gemeinsam mit David Cameron hat sich Obama für einen Verbleib Großbritanniens in der EU ausgesprochen. „Großbritannien ist immer am besten, wenn es dabei hilft, ein starkes Europa zu führen“, so der US-Präsident. In einem Gastbeitrag für die Zeitung „The Telegraph“ schrieb er zudem: „Die USA und die Welt brauchen weiterhin den verstärkten Einfluss Großbritanniens – auch innerhalb der EU.“

Pro Austritt: Michael Gove
6 von 20

- 48, seit 2015 Justizminister (Conservatives)
- „Ich denke, unser Land wäre außerhalb der Europäischen Union freier, fairer und besser. Der Euro hat eine wirtschaftliche Krise ausgelöst, Regulierung zu massenhafter Arbeitslosigkeit geführt. Die EU-Migrationspolitik hat Menschenhändler ermutigt und verzweifelte Flüchtlinge an unsere Grenzen gebracht.“

Kontra Austritt: Sadiq Khan
7 von 20

- 45, neuer Londoner Bürgermeister
- Kurz nach seinem Amtsantritt erklärte Sadiq Khan, er wolle Premier David Cameron durch aktiven Wahlkampf für einen Verbleib in der EU unterstützen. „Hier in London sehe ich mehr als eine halbe Million Jobs, die direkt von der EU abhängen“, so der neue Bürgermeister der Hauptstadt.

Britische Investmentfonds horten derweil im großen Stil Bargeld, um bei einem Brexit gegen Geldabflüsse gewappnet zu sein. Im Schnitt hielten die Fonds Ende Mai sechs Prozent Cash und damit so viel wie seit November 2011 nicht mehr, wie aus Daten von Thomson Reuters Lipper hervorgeht.

Bei einem Votum für den EU-Austritt sagen denn auch viele Experten ein Börsenbeben und negative Folgen für die Weltwirtschaft voraus. Im Falle eines "Bremain" könnte es umgekehrt eine Erleichterungsrally geben. Sollte das Votum aber knapp ausfallen, könnte diese rasch verpuffen, warnen Experten. Schließlich haben die Aktienkurse zuletzt bereits in Erwartung eines solchen Votums zugelegt.

Aktien, die sich wirklich lohnen könnten

S&P 500

WKN
ISIN
Börse
ISP

+43,34 +1,60%
+2.705,90
Chart von S&P 500
S&P-500
1 von 8

„Vorsichtig bleiben“ ist die bestimmende Börsendevise der vergangenen Monate. Die Liste möglicher Stolpersteine ist lang genug: Von der sich anbahnenden Leitzinserhöhung in den USA über das Stottern im chinesischen Wirtschaftsgetriebe bis zum Ölpreisverfall und dem möglichen EU-Austritt Großbritanniens. Doch aus Bedachtsamkeit sollte kein Zögern werden. Denn es gebe doch noch genug gute Ideen für ein zwar mutiges, aber gelungenes Investment, ist Dubravko Lakos überzeugt. In seinem neuesten Bericht schreibt der Anlagestratege und Chef der Global-Research-Sektion von JP Morgan, warum er auf welche US-Titel setzt. Als Referenz dient ihm der Aktienindex S&P 500, den er bei einem Kursziel von 2.000 Punkten sieht. Was keine wirkliche Veränderung zum Ist-Zustand darstellt. Vom Gesamtmarkt aber wandert sein Blick ins Detail.

VALERO ENERGY CORP. REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US91913Y1001
Börse
FSE

+1,02 +1,38%
+74,74€
Chart von VALERO ENERGY CORP. REGISTERED SHARES DL -,01
Valero Energy Group
2 von 8

Sein Szenario, nach dem eine Zinserhöhung auf der nächsten Fed-Sitzung Mitte Juni immer wahrscheinlicher wird: Value-Investment. Je strammer die Zügel der Geldpolitik, desto mehr sollten wertige Sektoren übergewichtet werden. Also rein in Branchen wie Energie und Finanzen, raus hingegen bei Konsumgütern. Sein erster Tipp: Die Valero Enery Group. Die mittelgroße Erdöl-Raffinerie könnte wie die gesamte Branche von der Konsolidierung der Industrie profitieren. Langfristig deuten sich steigende Erlöse an.

MARATHON PETROLEUM CORP. REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US56585A1025
Börse
FSE

+0,10 +0,19%
+53,50€
Chart von MARATHON PETROLEUM CORP. REGISTERED SHARES DL -,01
Marathon Petroleum
3 von 8

Auch der Erdöl- und Erdgasspezialist darf auf die Liste des Lakos. Der kleine Raffineur aus Ohio sollte wie die gesamte Branche vom abnehmenden Gefährdungspotenzial Chinas und der Emerging Markets im generellen profitieren. Noch klingt das ganze eher nach Zukunftsmusik, fallen die Konjunkturimpulse aus China weiterhin gemischt aus. Der Anlageprofi verweist auf weiterhin niedrige Finanzierungskonditionen in diesem aufwendungsstarken Sektor hin.

QUANTA SERVICES INC. REGISTERED SHARES DL -,00001

WKN
ISIN
US74762E1029
Börse
FSE

+0,01 +0,04%
+28,49€
Chart von QUANTA SERVICES INC. REGISTERED SHARES DL -,00001
Quanta Services
4 von 8

Wenn es um Raffinerien geht, ist die Zuliefererbranche nicht weit. Lakos nennt hier etwa Quanta Services. Die Texaner sind spezialisiert auf die Konstruktion und Instandhaltung von Systemen für die Versorgungsindustrie. Sie liefern die Infrastruktur für Breitbandkabel und Gas-Pipeline.

FLUOR CORP. (NEW) REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US3434121022
Börse
FSE

-0,73 -1,52%
+46,84€
Chart von FLUOR CORP. (NEW) REGISTERED SHARES DL -,01
Fluor
5 von 8

In der gleichen Branche angesiedelt ist auch Fluor. Der Technikspezialist aus California ist mit 7 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung ein Börsenleichtgewicht mit dem Fokus auf Öl- und Gas-Infrastrukturzulieferung.

NAVIENT CORP. REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US63938C1080
Börse
FSE

-0,19 -1,76%
+10,63€
Chart von NAVIENT CORP. REGISTERED SHARES DL -,01
Navient
6 von 8

Als zweite Branche mit Potenzial nennt Dubravko Lakos die Finanzindustrie. Hier verdient sich Navient einen Platz, die spezialisiert sind auf Studentenkredite. Das im Steuerparadies Delaware gemeldete Unternehmen ist aus der ehemaligen Sallie Mae Bank hervorgegangen und schlägt sich 2016 etwas besser als der Gesamtmarkt.

LINCOLN NATIONAL CORP. REGISTERED SHARES O.N.

WKN
ISIN
US5341871094
Börse
FSE

-0,69 -1,09%
+62,29€
Chart von LINCOLN NATIONAL CORP. REGISTERED SHARES O.N.
Lincoln National
7 von 8

In dem Bereich verortet Lakos auch die Lincoln National, die zu gleichen Teilen in Versicherungen und Vermögensverwaltung machen. Der Grund warum der Profi nun die Finanzbranche im Blick hat: Seiner Meinung nach hat sich das Momentum für Konsumgüter langsam aber sicher erledigt, immer mehr Investoren leiten in dem Bereich eine Untergewichtung ein.

Die Abstimmung am Donnerstag überschattete den gesamten Markt. Impulse aus der Unternehmenswelt blieben rar. Im Rampenlicht stand aber der Kniefall des VW -Aufsichtsrats vor den Aktionären. Investoren und Aktionärsvertreter wollen den Vorstand für das Skandaljahr 2015 nicht entlasten und fordern eine unabhängige Sonderprüfung. Die VW-Aktien notierten mit 124 Euro 0,2 Prozent höher. Kurz nach Bekanntwerden des Skandals waren sie bis auf 86,36 Euro von einem Niveau von über 160 Euro abgestürzt.

Einer der wenigen Verlierer im Dax waren ProSiebenSat.1 mit einem Abschlag von fast zwei Prozent. Die Anleger folgten einer Verkaufsempfehlung von JP Morgan.

Für die Wall Street legte der Dow Jones um 0,4 Prozent zu. Auch an der Weltleitbörse blickten die Anleger voller Spannung über den großen Teich auf die britischen Inseln.

  • rtr
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