Börse Frankfurt
Dax-Anleger setzen auf einen anderen Italiener

Das befürchtete Börsenbeben nach dem gescheiterten Referendum in Italien ist ausgeblieben: Nicht einmal der angekündigte Rücktritt von Matteo Renzi brachte die Märkte aus dem Tritt - im Gegenteil, sie legten sogar zu.
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Frankfurt„Es zeigt sich einmal mehr: Die Investoren ziehen die Gewissheit eines ungewünschten Ausgangs gegenüber der Unsicherheit vor der Wahl vor“, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. Auch an der Wall Street dürfte die Entscheidung der Italiener kaum Spuren hinterlassen.

Der Dax lag zum Handelsschluss mit 10.684 Punkten 1,6 Prozent höher, der Euro Stoxx 50 stieg um 1m2 Prozent. Die Mailänder Börse brach zwar zeitweilig um über zwei Prozent ein, lag zum Handellschluss aber nur noch 0,25 Prozent im Minus. „Viele Investoren hatten auf fallende Kurse gewettet und müssen sich nun wieder mit Aktien eindecken“, sagte ein Börsianer.

Der Euro, der im asiatischen Handel zeitweise auf ein 20-Monats-Tief von 1,0508 Dollar gefallen war, verteuerte sich auf mehr als 1,07 Dollar und war damit so hoch wie zuletzt Mitte November.

„Vielleicht werden wir alle zunehmend immun gegen solche 'Schocks'“, sagte Paul Hatfield, Chef-Anleger des Vermögensverwalters Alcentra. Nach dem Brexit-Referendum Großbritanniens Ende Juni benötigte der Dax noch etwa vier Wochen, um seine anfänglichen Verluste wettzumachen. Bei der überraschenden Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten dauerte es nur wenige Stunden.

Die Börse setze nun auf einen anderen Italiener, sagte Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. „EZB-Chef Mario Draghi hat alle Gründe auf seiner Seite, geldpolitisch weiter auf dem Gas zu bleiben.“ Analysten gehen davon aus, dass die EZB am Donnerstag eine Verlängerung ihrer Wertpapierkäufe von derzeit 80 Milliarden Euro monatlich verkündet. „Draghi ist dafür bekannt, dass er mit geldpolitischen Maßnahmen nicht zögert, wenn Gefahr für die Euro-Zone droht“, erklärten die Analysten der Helaba.

Die Italiener lehnten die von Renzi angeschobene Verfassungsreform mit überraschend deutlicher Mehrheit ab. Der Ministerpräsident kündigte an, für eine Übergangsregierung nicht zur Verfügung zu stehen. Als aussichtsreicher Kandidat für seine Nachfolge gilt Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan. Reguläre Parlamentswahlen stehen erst 2018 an, für die von den Reformgegnern geforderte Neuwahl müssten erst die Wahlgesetze geändert werden.

Die Nervosität an den Finanzmärkten hatte sich im Vorfeld auf den Bankensektor konzentriert. Denn die italienischen Geldhäuser sitzen auf faulen Krediten im Volumen von 360 Milliarden Euro. Um drohende Abschreibungen abzufedern, brauchen sie neues Geld. Doch die Investoren könnten wegen der politischen Instabilität knausrig sein.

Allein die HVB-Mutter Unicredit will bis zu 13 Milliarden Euro bei Investoren einsammeln. Ihre Aktien verloren an der Mailänder Börse rund sieben Prozent. Der italienische Banken-Index fiel um 4,4 Prozent. Die Titel der Banca Monte dei Paschi di Siena (BMPS), die fünf Milliarden Euro benötigt, fielen um 4,3 Prozent. "Wir denken, das Nein-Votum macht es für Monte dei Paschi schwieriger, einen Ankerinvestor zu finden", sagten die Analysten der US-Investmentbank Morgan Stanley. Die Zweifel an einer Sanierung der Bank schickte auch die nachrangigen Anleihen der Bank auf Talfahrt.

Investoren sollten zudem die Bonitätsnote Italiens nicht aus den Augen verlieren, mahnten die Analysten der Rabobank. Sollte die kanadische Rating-Agentur DBRS die Kreditwürdigkeit herabstufen, müssten italienische Geschäftsbanken mehr Sicherheiten hinterlegen, um an frisches Notenbankgeld zu kommen. DBRS bezeichnete den Ausgang des Referendums als Belastungsfaktor für das Rating. Der US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) zufolge hat das Votum dagegen keinen direkten Einfluss auf die Bonität. Vor diesem Hintergrund zogen sich Investoren aus italienischen Staatsanleihen zurück. Dies trieb die Rendite der zehnjährigen Titel auf rund zwei von 1,90 Prozent am Freitagabend.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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