Börse Frankfurt
Dax-Anleger sind Fed-Abhängige

Ohne die Gelder der Zentralbanken geht beim Dax gar nichts mehr. Selbst gute US-Daten können die Stimmung nicht heben. Im Gegenteil: Sie schüren die Angst vor einer vorzeitigen Beendigung der Fed-Unterstützung.
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FrankfurtGute Konjunkturdaten helfen den Börsen – sollte man meinen. Dass dem nicht immer so ist, bewies der heutige Handelstag. Der Dax konnte von der Erholung der US-Wirtschaft kein Kapital rausschlagen. Schlimmer noch. Die starken Wirtschaftsdaten belasteten den Dax sogar. Am Ende gab der Leitindex satte 1,7 Prozent auf 8.337 Punkte nach. In der zweiten Reihe sah es nicht viel besser aus. Der MDax schloss 1,3 Prozent tiefer auf 14.112 Zähler und der TecDax musste ein Minus von 1,3 Prozent auf 966 Zähler hinnehmen.

Die US-Wirtschaft erholt sich und die Aktienmärkte geben nach – wie kann das sein? Auf den ersten Blick mag es paradox wirken. Doch in Wirklichkeit folgt das Börsengeschehen derzeit einer Logik, die durch das massive Engagement der Notenbanken auf aller Welt entstanden ist.

Diese besagt, dass ohne das Geld der Zentralbanken kaum noch etwas bei Dow Jones, Dax & Co. geht. Jede Andeutung einer Beendigung des Geldregens sorgt bei den spekulativen Anlegern für panische Gewinnmitnahmen. Diese Anleger haben die Worte Ben Bernankes vom vergangenen Mittwoch noch in bester Erinnerung. Der Fed-Chef erklärte vor dem US-Kongress den weiteren geldpolitischen Kurs der Notenbank. Unter anderem verwies er darauf, die lockere Geldpolitik zu straffen, sollten sich Anzeichen einer Erholung der US-Wirtschaft mehren.

"Kurzfristig betrachtet sind die Zahlen aus den USA ein zweischneidiges Schwert", sagte Arnaud Poutier, Frankreich-Chef des Brokerhauses IG Markets. Denn sie könnten die US-Notenbank Fed dazu bringen, weniger Geld in die Märkte zu pumpen.

Einige Experten warnen derweil schon vor einer Beendigung der Politik des billigen Geldes. Angesichts einer möglichen Drosselung oder gar eines Endes der Wertpapier-Käufe der US-Notenbank Fed nehme der eine oder andere Anleger sicher Gewinne mit, sagte Philippe Gijsels, Chef-Analyst von BNP Paribas Fortis Global Markets.

Andere Börsianer sehen in der heutigen Kurskorrektur hingegen nur eine Momentaufnahme. Das gestiegen US-Verbrauchervertrauen werde die langfristige Rally nicht beenden. Die Zentralbanken gäben dem Markt zu verstehen "nehmt das Risiko nicht raus, wir sind da, um zu unterstützen", sagte Analyst Andrew Slimmon von Morgan Stanley Smith Barney. "Im Moment sind gute Nachrichten gut für den Markt und schlechte sind es auch."

Nach Einschätzung von David Thebault, Chef-Händler von Global Equities, ist trotz der aktuellen Verluste der Aufwärtstrend der Aktienbörsen immer noch intakt. "Aus charttechnischer Sicht befinden wir uns auf einer positiven Welle - zumindest bis Ende nächster Woche", betonte er. Dann gäben die monatlichen US-Beschäftigtenzahlen die Richtung vor. Die Fed will so lange Anleihen und Immobilienpapiere kaufen, bis die US-Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent gefallen ist. Analysten sagen für Mai einen unveränderten Wert von 7,5 Prozent voraus. Derzeit kauft die Fed zur Ankurbelung der Konjunktur Wertpapiere im Volumen von monatlich bis zu 85 Milliarden Dollar an.

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  • Ja, aber das ist ein lösbares Problem.

  • @Hantasilf

    "Die Kunst besteht darin, das Einsammeln der Liquidität möglichst behutsam durchzuführen, so dass sich die Märkte und Wirtschaftstsleistung aneinander angleichen."

    Genau da liegt das Problem.

  • Ich glaube, dass die Sache mit der Liquidität oft nicht richtig verstanden wird. Die Fed hat - wie jede Zentralbank - die Möglichkeit die Liquidität wieder einzusammeln.

    Das Einsammeln passiert eigentlich auch ganz von allein, denn die Kredite, welche die Fed vergibt, müssen irgendwann wieder an sie zurückgezahlt werden. Dann ist das Geld, dass die Fed geschaffen wieder aus dem Kreislauf.

    Die Kunst besteht darin, das Einsammeln der Liquidität möglichst behutsam durchzuführen, so dass sich die Märkte und Wirtschaftstsleistung aneinander angleichen. Zwischenzeitlich muss man lediglich aufpassen, dass die Inflation nicht zu hoch wird. Solange man diese Prinzipien beherzigt, kann man aus der Geldmengenpolitik für die Volkswirtschaft Vorteile ziehen.



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