Börse Frankfurt

Dax-Ausverkauf geht weiter

Die Verschnaufpause bei der Talfahrt der europäischen Börsen hat sich als sehr kurzlebig erwiesen. Die Zinsentscheidungen in Japan und den USA sowie die Brexit-Angst ziehen die Deutsche Bank auf ein Rekordtief.
Update: 16.06.2016 - 17:47 Uhr

Brexit hat den Dax im Würgegriff

Düsseldorf/FrankfurtDie zaghafte Erholung am deutschen Aktienmarkt ist am Donnerstag von den Notenbanken Japans und der USA zunichte gemacht worden. Ihr Stillhalten in Sachen Geldpolitik und geäußerte Sorgen über die Weltwirtschaft sorgten für erneut markante Verluste an den Börsen. Hinzu kamen wieder zunehmende Ängste vor einem Ausstieg Großbritanniens aus der EU.

Der Dax beendete den über weite Strecken sehr trüben Handel letztlich aber mit einem vergleichsweise geringen Abschlag. Er sank um 0,59 Prozent auf 9550,47 Punkte, nachdem er am späteren Nachmittag noch um 1,8 Prozent gefallen war. Unterstützung kam vor allem durch den Eurokurs. Die Gemeinschaftswährung sackte Richtung 1,11 US-Dollar ab und kostete zuletzt 1,1141 Dollar. Ein schwächelnder Euro stützt exportorientierte Unternehmen, da diese ihre Waren außerhalb der Eurozone leichter absetzen können.

Der MDax sank am Donnerstag um 1,05 Prozent auf 19 468 Punkte. Der Technologiewerte-Index TecDax büßte 1,46 Prozent auf 1559 Punkte ein. Der Eurozonen-Leitindex Euro Stoxx 50 fiel um 0,3 Prozent auf 2822 Punkte.

Aktien, die sich wirklich lohnen könnten

S&P 500

WKN
ISIN
Börse
ISP

-4,53 -0,16%
+2.761,58
Chart von S&P 500
S&P-500
1 von 8

„Vorsichtig bleiben“ ist die bestimmende Börsendevise der vergangenen Monate. Die Liste möglicher Stolpersteine ist lang genug: Von der sich anbahnenden Leitzinserhöhung in den USA über das Stottern im chinesischen Wirtschaftsgetriebe bis zum Ölpreisverfall und dem möglichen EU-Austritt Großbritanniens. Doch aus Bedachtsamkeit sollte kein Zögern werden. Denn es gebe doch noch genug gute Ideen für ein zwar mutiges, aber gelungenes Investment, ist Dubravko Lakos überzeugt. In seinem neuesten Bericht schreibt der Anlagestratege und Chef der Global-Research-Sektion von JP Morgan, warum er auf welche US-Titel setzt. Als Referenz dient ihm der Aktienindex S&P 500, den er bei einem Kursziel von 2.000 Punkten sieht. Was keine wirkliche Veränderung zum Ist-Zustand darstellt. Vom Gesamtmarkt aber wandert sein Blick ins Detail.

VALERO ENERGY CORP. REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US91913Y1001
Börse
L&S

-1,50 -1,89%
+78,33€
Chart von VALERO ENERGY CORP. REGISTERED SHARES DL -,01
Valero Energy Group
2 von 8

Sein Szenario, nach dem eine Zinserhöhung auf der nächsten Fed-Sitzung Mitte Juni immer wahrscheinlicher wird: Value-Investment. Je strammer die Zügel der Geldpolitik, desto mehr sollten wertige Sektoren übergewichtet werden. Also rein in Branchen wie Energie und Finanzen, raus hingegen bei Konsumgütern. Sein erster Tipp: Die Valero Enery Group. Die mittelgroße Erdöl-Raffinerie könnte wie die gesamte Branche von der Konsolidierung der Industrie profitieren. Langfristig deuten sich steigende Erlöse an.

MARATHON PETROLEUM CORP. REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US56585A1025
Börse
L&S

+4,21 +7,83%
+58,00€
Chart von MARATHON PETROLEUM CORP. REGISTERED SHARES DL -,01
Marathon Petroleum
3 von 8

Auch der Erdöl- und Erdgasspezialist darf auf die Liste des Lakos. Der kleine Raffineur aus Ohio sollte wie die gesamte Branche vom abnehmenden Gefährdungspotenzial Chinas und der Emerging Markets im generellen profitieren. Noch klingt das ganze eher nach Zukunftsmusik, fallen die Konjunkturimpulse aus China weiterhin gemischt aus. Der Anlageprofi verweist auf weiterhin niedrige Finanzierungskonditionen in diesem aufwendungsstarken Sektor hin.

QUANTA SERVICES INC. REGISTERED SHARES DL -,00001

WKN
ISIN
US74762E1029
Börse
L&S

+1,17 +3,83%
+31,20€
Chart von QUANTA SERVICES INC. REGISTERED SHARES DL -,00001
Quanta Services
4 von 8

Wenn es um Raffinerien geht, ist die Zuliefererbranche nicht weit. Lakos nennt hier etwa Quanta Services. Die Texaner sind spezialisiert auf die Konstruktion und Instandhaltung von Systemen für die Versorgungsindustrie. Sie liefern die Infrastruktur für Breitbandkabel und Gas-Pipeline.

FLUOR CORP. (NEW) REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US3434121022
Börse
L&S

+0,31 +0,65%
+48,80€
Chart von FLUOR CORP. (NEW) REGISTERED SHARES DL -,01
Fluor
5 von 8

In der gleichen Branche angesiedelt ist auch Fluor. Der Technikspezialist aus California ist mit 7 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung ein Börsenleichtgewicht mit dem Fokus auf Öl- und Gas-Infrastrukturzulieferung.

NAVIENT CORP. REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US63938C1080
Börse
L&S

+0,10 +0,85%
+10,80€
Chart von NAVIENT CORP. REGISTERED SHARES DL -,01
Navient
6 von 8

Als zweite Branche mit Potenzial nennt Dubravko Lakos die Finanzindustrie. Hier verdient sich Navient einen Platz, die spezialisiert sind auf Studentenkredite. Das im Steuerparadies Delaware gemeldete Unternehmen ist aus der ehemaligen Sallie Mae Bank hervorgegangen und schlägt sich 2016 etwas besser als der Gesamtmarkt.

LINCOLN NATIONAL CORP. REGISTERED SHARES O.N.

WKN
ISIN
US5341871094
Börse
L&S

+1,49 +2,19%
+67,50€
Chart von LINCOLN NATIONAL CORP. REGISTERED SHARES O.N.
Lincoln National
7 von 8

In dem Bereich verortet Lakos auch die Lincoln National, die zu gleichen Teilen in Versicherungen und Vermögensverwaltung machen. Der Grund warum der Profi nun die Finanzbranche im Blick hat: Seiner Meinung nach hat sich das Momentum für Konsumgüter langsam aber sicher erledigt, immer mehr Investoren leiten in dem Bereich eine Untergewichtung ein.

Der Markt bleibe auch in den kommenden Tagen ein Seismograph der Brexit-Ängste, sagte Börsenfachmann Daniel Saurenz von Feingold Research. „Nehmen diese ab und bleibt er final aus, wird die Volatilität einbrechen und der Dax sich deutlich erholen.“

Unter den Einzelwerten reagierten die Vorzugsaktien von Volkswagen mit Verlusten auf die Bekanntgabe der neuen „Strategie 2025“. Zum Schluss wurden sie mit einem Minus von 2,12 Prozent gehandelt. VW will eine neue Sparte für Mobilitätsdienste gründen. DZ-Bank-Analyst Michael Punzet bemängelte fehlende Details zu den geplanten Maßnahmen und auch zur Abgas-Affäre und schätzt die VW-Papiere weiter skeptisch ein.

Am unteren Ende des Leitindex fanden sich hingegen die Anteilsscheine der Deutschen Bank, die zu Schluss um 1,84 Prozent auf 13,04 Euro absackten. Nachmittags waren sie auf ein Rekordtief bei 12,69 Euro gesunken. Seit Ende Mai steht der gesamte europäische Bankensektor wegen rasant fallender Anleiherenditen und Brexit-Befürchtungen stark unter Druck.

Die wichtigsten Finanzplätze der Welt
Platz 10: Toronto
1 von 10

Zweimal im Jahr bestimmt der Global Financial Centres Index, welches die wichtigsten Finanzplätze der Welt sind. Erstellt wird der Index mit Hilfe eines Online-Fragebogens von der Z/Yen Gruppe, einem Londoner Think Tank. Unter den Top 10 dominieren vor allem Finanzplätze aus Nordamerika. Toronto hat sich gegenüber dem vorhergehenden Ranking um zwei Plätze auf Rang 10 verschlechtert.

Platz 9: Boston
2 von 10

Kriterien für die Auswahl der besten Finanzplätze sind das wirtschaftliche Umfeld, die Entwicklung des Finanzsektors in der jeweiligen Stadt, die Infrastruktur, der Faktor Humankapital und generelle Faktoren sowie die Reputation des Standorts in der Branche. Bei Boston haben sich einige dieser Faktoren offenbar verbessert, die Ostküstenstadt landet mit 709 Zählern auf Platz 9.

Platz 8: San Francisco
3 von 10

Noch besser platziert ist ein Westküsten-Finanzplatz. San Francisco rangiert mit 711 Punkten auf Platz 8.

Platz 7: Washington
4 von 10

New York als Bankenplatz kennt wohl jeder. Aber auch in Washington findet sich nicht nur das Capitol, auch das Umfeld für Banken ist gut.

Platz 6: Zürich
5 von 10

Die Schweizer Stadt ist der erste europäische Finanzplatz, der es unter die Top Ten geschafft hat. Um einen Platz haben sich die Schweizer auf Rang 6 verbessert und liegen damit weit vor Frankfurt. Deutschlands wichtigster Finanzplatz hat vier Plätze verloren und liegt nur auf Platz 18. Auf Rang 27 folgt dann München.

Platz 5: Tokio
6 von 10

Japans Finanzzentrum in Tokio konnte den fünften Platz behaupten. Andere asiatische Geld-Metropolen liegen allerdings weiter vorne.

Platz 4: Hongkong
7 von 10

Über 70 der weltweit 100 größten Banken sind in Hongkong tätig, der Finanzplatz ist damit deutlich relevanter als der wichtigste chinesische Finanzplatz in Schanghai (Platz 16).

Nach dem offiziellen Übernahmeangebot der chinesischen Midea gewannen die Papiere des Roboter- und Anlagenbauers Kuka zuletzt 1,74 Prozent und waren damit Top-Wert im MDax.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf von minus 0,11 Prozent am Vortag auf ein neues Rekordtief von minus 0,14 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,11 Prozent auf 143,25 Punkte. Der Bund-Future rückte um 0,08 Prozent auf 165,47 Punkte vor. Der Kurs des Euro fiel. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1174 (Mittwoch: 1,1230) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8949 (0,8905) Euro.

  • rtr
  • dpa
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