Börse Frankfurt
Dax beendet fünftägiges Trauerspiel

Eigentlich sprachen heute alle Fakten gegen einen starken Dax. Denn weder hat die EZB den Leitzins gesenkt noch deutete sie weitere Bankenhilfen an. Dennoch machte der Leitindex heute eine gute Figur.
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FrankfurtAm Ende eines nervenaufreibenden Handelstages schloss der Dax nach fünf Minustagen deutlich im Plus. Das deutsche Branchenbarometer notierte 2,1 Prozent fester auf 6.094 Punkte. Die zweite Garde der Indizes präsentierte sich im heutigen Tagesverlauf durchweg stabiler und schloss ebenfalls in sattem grün. Der MDax lag 3,1 Prozent im Plus auf 10.036 Punkte und der TecDax stieg um 2,9 Prozent auf 737 Zähler

Für Aufregung sorgte heute die Europäische Zentralbank, die am Nachmittag ihre Leitzinsentscheidung bekannt gab. Angesichts der wiederaufflammenden Euro-Schulden- und Bankenkrise versprachen sich heute viele Anleger von der Notenbank wichtige Schritte in Richtung möglicher Zinssenkungen und weitere Andeutungen für eine neue potenzielle Bankenhilfe in Form eines dritten Euro-Tenders. Doch in der Pressekonferenz zur Zinsentscheidung nahm Zentralbankchef Mario Draghi solchen Spekulationen jegliche Substanz. Draghi verlängerte lediglich die Möglichkeit der Banken sich unbegrenzt Liquidität von der EZB zu leihen. Die Vollzuteilung bei den Hauptrefinanzierungsgeschäften mit den Banken soll bis Mitte Januar 2013 bestehen.

"Die Geldpolitik hat kein Recht, für Versäumnisse anderer in die Bresche zu springen. Es gibt keinen Kuhhandel zwischen der EZB und den Regierungen in der Euro-Zone", begründete Draghi die defensive Haltung der EZB in Frankfurt. Viele Investoren zeigten sich enttäuscht von der Zurückhaltung der Zentralbank und verkauften ihre Aktien, worauf sich die Dax-Gewinne mehr als halbierten.

Dass die EZB keine neue langfristigen Refinanzierungsgeschäfte plant, habe die Stimmung der Anleger etwas eingetrübt, hieß es. Marktstratege Lars Kremkow von Activetrades hatte im Vorfeld einen dritten Langfristender für wahrscheinlicher gehalten als eine Zinssenkung. Mit diesem Mittel hatte die EZB den Banken bereits im Dezember und Februar unter die Arme gegriffen.

Erst mit der Eröffnung der Wall Street kam der deutsche Leitindex wieder auf Kurs. Der Dow Jones zeigte sich nach Frankfurter Börsenschluss 1,7 Prozent im Plus auf 12.338 Punkte, der S&P-500 legte um 1,8 Prozent zu auf 1.308 Zähler und der Nasdaq-100 notierte 2,1 Prozent fester auf 2.539 Punkte.

Der Euro tauchte nach der EZB-Pressekonferenz wie der Dax kurzzeitig ab, konnte sich schnell aber wieder erholen und bekam mit der Eröffnung der Wall Street ebenfalls neuen Schub. Am Abend kostete der Euro im Vergleich zum Dollar 1,2520 Dollar.

Doch wie schwer die Enttäuschung über die defensive Haltung der Europäischen Zentralbank wog, konnte man gut am Ibex 35 erkennen. Der spanische Leitindex, der vor der Leitzinsentscheidung über drei Prozent im Plus lag, rutschte am Nachmittag ab und konnte sich nur noch knapp ein Prozent im positiven Bereich halten.

Trotz des guten heutige Handelstages bleibt die Grundstimmung allerdings skeptisch. Seit dem 29. Mai musste der Dax fast sieben Prozent abgeben. Der Leitindex taumele wie ein angeschlagener Boxer durch den Ring, erklärte Helaba-Analyst Christian Schmidt. "Die Frage ist, ob der Index nochmals die zweite Luft bekommt, oder aber erneut zu Boden geht."

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Euro-Wirtschaft stagniert

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  • @ grexit / sieg der linksextremen parteien

    Es würde m.E. klare Verhältnisse schaffen:

    - für die Griechen, weil nur ein Bruch mit dem alten System den Grundstein einer Erneuerung legt

    - für die EU, weil die Gesamtkosten dann absehbar wären


    Für den Dax bedeutet beides erstmal Niedergang, dann Erholung.

  • Ich frage mich, von welchem Typ dieser angebliche Privatanleger ist, drückt sich scheinbar
    versiert aus und stellt dämliche Fragen mit gleichzeitiger Offenbarung seiner Anlage.

    Wer glaubt dem das eigentlich ?

  • Aktiendepots sind Sondervermögen. Solange also ein Rechtsstaat existiert, bleiben die Aktien (Fonds etc.) dein Eigentum, auch wenn die Bank kaputt geht. Auch wenn die Fondsfirma pleite geht.

    Anders ist es bei Zertifikaten. Diese sind Schuldverschreibungen, die mit dem Emittenten untergehen.

    Betrug wäre eine andere Sache. Wenn deine Depotbank nur als Webseite existiert und es gar kein Depot gibt... Das ist wohl auszuschließen bei Cortal Consors.

    Die optimale Verteilung auf Assets: ich denke, das hängt davon ab, mit welchen Szenarien man rechnet. Manche Leute halten einen für paranoid, wenn man mittelfristig mit einer Währungsreform rechnet. Andere horten schon EPAs und Dosenfutter im Keller.

    Was üblicherweise empfohlen wird, sind 5 - 10 % Gold (für den Worst Case). Ich selbst würde noch mal 5 % CHF dazulegen. Beides bringt aber keine Zinsen, wobei bei den CHF ein möglicher Spekulationsgewinn im Raum steht.

    Ich persönlich mag Aktien, habe ca. 30 % Aktien von robusten Firmen (Coca-Cola, Nestle und den anderen üblichen Verdächtigen; ein bisschen diversifiziert über seriöse Länder). Cash (früher hieß es Staatsanleihen), heute vielleicht eher Tagesgeld bei einer genossenschaftlichen Bank. 25 % Immo (eigene, keine Immofonds). Das geht aber nur ab einem Mindestvermögen.

    Meines Erachtens geht es ohne Aktien nicht. Aktien kommen langfristig wieder hoch, auch wenn sie heftig abstürzen können. Wenn Aktien nicht wieder hochkommen, dann sieht es generell für die Zukunft nicht gut aus. Keiner kann Aktien perfekt timen, nicht einmal der Hamburger. Deswegen halten seriöse Anleger immer einen Mindestbestand an konservativen Werten. All-In ist nie richtig, wenn man nicht auf dem Sterbebett liegt.

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