Börse Frankfurt
Dax beendet Hexensabbat im Minus

Der Dax kam heute nicht in die Gänge und schaukelte zwischen Minus und Plus. Die Kursturbulenzen blieben trotz Hexensabbat aus. Die Schuldenkrise verhindert bisher eine mögliche Jahresschlussrally.
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DüsseldorfZum letzten Mal in diesem Jahr hieß es an der Börse Hexensabbat. Größere Ausschläge blieben jedoch am großen Verfallstag aus. Viele Investoren hätten dieses Kursniveau erwartet, sagte Aktienstratege Roger Peeters vom Bankhaus Close Brothers Seydler. Damit entfällt für diese Gruppe die Notwendigkeit, die Kurse mit größeren Käufen oder Verkäufen zum Verfall in eine günstige Richtung zu bewegen. Am Mittag liefen Futures und Optionen auf Indizes aus. Zum Xetra-Schluss waren Optionen auf einzelne Aktien an der Reihe.

„Die Anleger sind einfach nur froh, dass das Jahr vorbei ist und haben gleichzeitig Angst davor, was noch kommt“, sagte ein Händler. Auch nach Einschätzung des Aktienmarkt-Experten David Thebault von Global Equities verhindert die Schuldenkrise mit allen ihren Folgen eine Jahresendrally. „Über der Euro-Zone schwebt das Damoklesschwert einer Herabstufung durch die Ratingagenturen. Das macht es schwer, Vertrauen in die Märkte zu fassen“, betonte er.

Die positive Eröffnung hatte auf den Dax keinerlei Wirkung. Er beendete einem impulslosen Zickzack-Handel mit einem Minus von 0,5 Prozent bei 5.706 Punkten. Auf Wochensicht hat der Dax damit fünf Prozent eingebüßt. Erst kurz vor Handelsschluss ging es für den Dax abwärts, den Tag über war er nahezu unverändert. Die Dax-Kurve ist zwar ziemlich gezackt, allerdings stellt man sich nach den Kursschwankungen der letzten Monate unter "Turbulenz" etwas anderes vor.

Der Settlement-Kurs für Dax -Optionen ist am Freitag mit 5727,94 Punkten festgesetzt worden (13:00 Uhr), nach 5844,30 Zählern im Vormonat. Für MDax und TecDax lagen die Settlements am sogenannten Hexensabbat bei 8543,21 (November: 8652,63) beziehungsweise 664,45 (674,69) Stellen.

Dass der Dax nicht zu großen Kursgewinnen ansetzte, war laut Börsianern aber auch der anhaltenden Furcht vor einer Eskalation der Schuldenkrise geschuldet. „Über der Euro-Zone schwebt das Damoklesschwert einer Herabstufung durch die Ratingagenturen. Das macht es schwer, Vertrauen in die Märkte zu fassen“, sagte David Thebault von Global Equities.

Ratingagenturen haben ihr Pulver verschossen

Die ständigen Meldungen von Herabstufungen zeigen bei Anlegern immer weniger Wirkung. Bei Androhungen bleiben viele mittlerweile kalt. Die Ratingagentur S&P hatte in der vergangenen Woche praktisch allen Ländern in der Euro-Zone und damit auch Deutschland mit einer Herabstufung gedroht. Am Dienstag wiederholte die Ratingagentur ihre Warnung: Auf der Liste für ein potenzielles Downgrade stünden inzwischen 25 staatliche Schuldner und 42 Banken aus Europa. „Inzwischen stellt sich allerdings ernsthaft die Frage, ob eine Herunterstufung überhaupt noch Auswirkungen auf die Kurse hätte - bei den Bankwerten ist diese ja sehr begrenzt“, sagte ein Händler.

Gute Vorgaben aus Übersee

Unerwartet positive Konjunkturdaten und überraschend starke Quartalszahlen des Logistikkonzerns FedEx hatten den US-Aktienmärkten am Donnerstag Gewinne beschert. Die Wall Street beendete damit eine dreitägige Verlustserie, die vor allem von Sorgen über die Auswirkungen der Euro-Schuldenkrise auf die Weltwirtschaft geprägt waren. Zur positiven Stimmung trugen Arbeitsmarkt- und Industriedaten bei.

Der japanische Nikkei-Index hat am Freitag leichte Gewinne verzeichnet. Das Börsenbarometer legte zum Ende des Vormittagshandels 0,3 Prozent auf 8401 Punkte zu. Der breiter gefasste Topix-Index notierte kaum verändert bei 724 Punkten. Händlern zufolge verdrängten neue Zeichen der Stärke in der US-Wirtschaft etwas die Sorgen über die Euro-Schuldenkrise.

Kommt die Bankenkrise?

EZB-Ratsmitglied Yves Mersch warnte vor den Folgen einer neuen Bankenkrise und Kreditklemme in Europa. "Wir haben Angst vor einer Kreditklemme, die unsere Volkswirtschaften - inklusive der besten - wieder in eine Rezession stürzen könnte. Das werden wir nicht zulassen", sagte der luxemburgische Notenbankchef am Donnerstagabend im ZDF. Die Banken seien derzeit mit der "doppelten Last von Rekapitalisierung und Regulierung" konfrontiert. Hinzu komme die Finanztransaktionssteuer. Alle diese Belastungen könnten sich negativ auf die Kreditvergabe der Finanzinstitute auswirken.

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  • Korrekt: Die big boys dürften nicht mehr am Markt sein.
    EFSF hält es Scheitern für möglich? Nicht mit 100% ausschließbar, deswegen muß im Emissionsprospekt darauf hingewiesen werden, um das potentielle Rechtsrisiko so gering wie möglich zu halten (Prospekthaftung). Dies bedeutet m.E. noch garnichts. Das GB froh ist, wenn bloß keiner auf die miserable Lage des Königreichs aufmerksam wird, ist ein weiteres Indiz für die Relevanz dieser Meldung!

  • Die Institutionellen haben ihre Bücher bereits geschlossen,die können nur noch etwas Kosmetik betreiben, meist zwischen den Jahren. Die Ausländer, besonders USA sind schon längst aus dem Markt ausgestiegen, Restbestände in den letzten Tagen liquidierend, weshalb der EUR auch so stark nachgab.
    Und was uns im Neuen Jahr erwartet, steht in den Sternen. Es dürfte nicht lustig werden, denn die Warnungen von allen möglichen Institutionen und dowgrades hämmern täglich auf die Eurozone ein, das Katastrophenszenario weiter anheizend.

    Naja, man muß schon hinschauen, was da so im Schwange ist:

    – Der Euro-Rettungsfonds EFSF hält offenbar einen Zerfall der Eurozone für möglich. Ein entsprechender Risikohinweis sei in dem Entwurf für einen Emissionsprospekt für EFSF-Finanzprodukte enthalten, berichtet die britische Zeitung "Financial Times" am Freitag. Konkret heißt es in dem Risikohinweis, dass einer der EFSF-Garantiestaaten aus dem gemeinsamen Währungsgebiet ausscheiden oder der Euro seinen Status als gesetzliches Zahlungsmittel vollständig verlieren könnte. Ob der Risikohinweis allerdings tatsächlich im Emissionsprospekt erscheinen wird, ist unklar. Laut Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires soll der Hinweis aus dem endgültigen Prospekt wieder entfernt werden.
    (obwohl man bei den Gerüchten aus GB vorsichtig sein muß, sie waren schon immer die größte Gerüchteküche an der Börse)

  • @yogi: Apokalyptisch? War eher ein pseudo-kryptisches Wortspiel mit den Werken zweier von mir hoch geachteter Ökonomen, von Mises und von Hayek, als Replik auf den post von vespa.
    Solarworld: Hätte nicht nur gewettet, sondern hatte sie mit Spielgeld zu 3,01 gekauft und kürzlich zu 3,30 rausgeworfen. Einen Monat hat es gedauert, für meinen Geschmack zulang. Könnte sein, dass die erst jetzt anfängt zu laufen, aber Limit ist Limit.
    Schönes WE und einen fröhlichen 4. Advent!

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