Börse Frankfurt
Dax beendet historischen Handelstag leicht im Plus

EZB-Präsident Mario Draghi hat geliefert. Mit seinen Ankündigungen hat er den Dax über 10.000 Punkte gehievt. Doch die nächsten Handelstagen werden zeigen müssen, wie nachhaltig die Kursbewegungen des Leitindex sind.
  • 45

FrankfurtLange wurde darüber geschrieben, lange wurden sie herbeigesehnt – heute war es soweit. Der Dax hat erstmals in seiner Geschichte die 10.000-Punkte-Marke geknackt. Das neue Rekordhoch markierte der Leitindex bei 10.014 Punkten. Vor knapp 26 Jahren, am Tag seiner Einführung am 1. Juli 1988, notierte der Dax noch bei 1163 Zählern.

Doch lange konnte der Dax den fünfstelligen Punktestand nicht halten. Kurz vor Handelsschluss nutzten die Aktionäre die nun seit Wochen andauernde Rekordjagd, die in dem fünfstelligen Punktestand seinen Kulminationspunkt gefunden hat, für erste Gewinnmitnahmen. Kurzzeitig sackte der Dax sogar ins Negative ab. Am Ende ging der Leitindex mit einem Plus von 0,2 Prozent auf 9948 Punkten aus dem Handel.

Die zweite Reihe hielt sich beständiger. Der MDax schloss 0,5 Prozent im Plus auf 16.942 Punkte. Der TecDax notierte 0,2 Prozent fester auf 1304 Zähler.

Auslöser des Kursfeuerwerks am Nachmittag war die Europäische Zentralbank beziehungsweise Mario Draghis Worte zum weiteren geldpolitischen Kurs der Notenbank. Wie von den Analysten erwartet, senkte die Zentralbank den Leitzins von 0,25 auf 0,15 Prozent. Zudem müssen Banken künftig einen Strafzins bezahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken. Dafür wird der Einlagezins erstmals unter die Nulllinie auf minus 0,10 Prozent reduziert.

Der Euro sackte nach der Leitzinsentscheidung und während der EZB-Pressekonferenz zunächst deutlich ins Minus ab. Später stabilisierte er sich wieder. Am Abend wurde die europäische Gemeinschaftswährung mit einem Plus von 0,1 Prozent auf 1,3616 Dollar bewertet.

Viel wichtiger war allerdings Draghis Ankündigung zweier neuer milliardenschweren Geldspritze im September und Dezember, um die stockende Kreditvergabe zu beleben. Konkret soll eine Geldspritze im Volumen von 400 Milliarden Euro die stockende Kreditvergabe in den Krisenländern Südeuropas beleben. Weitere 165 Milliarden Euro pumpt die Notenbank in den Finanzmarkt, indem sie – im Fachjargon der Notenbanker gesprochen – die „Sterilisierung“ früherer Staatsanleihekäufe beendet. Damit lässt sie bewusst von den Banken zurückgeholtes Geld in den Wirtschaftskreislauf fließen.

„Wir haben uns für ein Bündel von Maßnahmen entschieden (...), um die Kreditvergabe an die Realwirtschaft zu unterstützen. Zu dem Paket gehören weitere Senkungen der Leitzinsen, gezielte langfristige Refinanzierungsgeschäfte, die Vorbereitung zum Kauf von verbrieften Wertpapieren (ABS) und die Verlängerung von Vollzuteilungen bei Tendergeschäften mit einem festen Zinssatz“, sagte Draghi auf der Pressekonferenz.

Mario Draghis Worte wirkten wie ein Ventil, dass sich geöffnet hat. Anleger, die sich in den vergangenen Tagen noch mit ihren Kaufordern spürbar zurückhielten, kehrten an die Aktienmärkte zurück. „Herr Draghi hat geliefert und hat klargemacht, dass das Ende der Fahnenstange nicht erreicht ist,“ sagte Robert Halver, Stratege bei der Baader Bank, „Aus Sicht der Aktienmärkte ist das zu begrüßen, aber für Stabilitätsanhänger ist das nichts. Wir müssen künftig immer mehr sündigen, damit die Stabilität in der Euro-Zone erhalten werden kann. Reformen werden dadurch verhindert. Längerfristig müssen wir einen hohen Preis dafür zahlen.“

Seite 1:

Dax beendet historischen Handelstag leicht im Plus

Seite 2:

Deutsche Bank gibt Emissionspreis bekannt

Kommentare zu " Börse Frankfurt: Dax beendet historischen Handelstag leicht im Plus"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das Paket löste jedenfalls keine Euphorie aus - und wenn nicht das einen Schlusskurs oberhalb von 10.000 ermöglicht, was dann? Wait and see...

  • Das natürlich - ich jedenfalls brauche noch etwas um alle implikationen zu verstehen...

  • Möglich. Ich gehe aber davon aus, dass das Rechnen eher positionsfrei erfolgt - wer nimmt schon gerne Risiko mit ins WE.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%