Börse Frankfurt
Dax beendet zähen Handel mit leichtem Minus

Der „Draghi-Effekt“ war schnell verpufft, die Anleger sehen sich von der EZB auf Juni vertröstet. Zusätzlich lasteten Ukraine-Krise und schwache Konjunkturdaten auf dem Dax. Anleger gingen sicher und realisierten Gewinne.
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Nach zwei freundlichen Handelstagen ist den Anlegern am Freitag die Puste ausgegangen. Ernüchterung über die EZB-Geldpolitik und schlechte Konjunkturdaten sorgten für Zurückhaltung auf dem Parkett. Zusätzlich verhinderte die sich zuspitzende Lage in der Ukraine bei so manchem Börsianer ein Wochenend-Engagement. Der Dax beendete den Handel 0,3 Prozent leichter auf 9581 Punkten.

Der Hinweis von EZB-Präsident Mario Draghi auf mögliche geldpolitische Lockerungen des Rates im Juni hatte den Deutschen Aktienindex am Vortag zwar bis über 9600 Punkte geschoben. Dass der Italiener jedoch nur bei Andeutungen blieb, anstatt konkrete Maßnahmen zu nennen, grämte die Anleger.

„Mario Draghi hofft anscheinend immer noch, seine süßen Töne allein würden genug für die Euro-Zone tun, aber langsam hat er diese Idee bis zu ihrer Grenze ausgereizt,“ sagt Luke Bartholomew Investment Manager beim Vermögensverwalter Aberdeen. „Jeden Monat denken wir, Draghi könne nicht weiterhin untätig bleiben, und jeden Monat werden wir vertröstet.“

Für Stewart Richardson, Partner beim Hedgefonds RMG Wealth Management, verfolgt die EZB mit einer möglichen weiteren Lockerung ihrer Geldpolitik jedoch ein anderes Ziel: „Sie tut dies vor allem, um den Kurs des Euro zu drücken.“ Dieser setzte seine Talfahrt fort und verbilligte sich am Freitag auf 1,3768 Dollar. Damit verlor er seit den Draghi-Aussagen rund zwei US-Cent an Wert.

In der zweiten Reihe traten die Werte größtenteils auf der Stelle. Der MDax verbesserte sich minimal auf 16.302 Punkte. Der TecDax rückte gegen den Trend 0,5 Prozent vor auf 1235 Zähler. Der Euro-Zonen-Leitindex, der Euro-Stoxx-50, gab 0,6 Prozent nach auf 3184 Stellen. Auch an der Wall Street dümpelten die Indizes vor sich her. Zum Handelsschluss in Frankfurt lief der Dow-Jones-Index mit 16.544 Punkten auf Vortagsniveau.

Mangels frischer Impulse sei vor dem Wochenende die Luft erst einmal raus, sagten Händler. Die Quartalssaison habe ihren Höhepunkt überschritten, nun stehe erneut das Thema Ukraine im Fokus. Die Separatisten in der Ost-Ukraine hatten Russlands Präsidenten Wladimir Putin eine Abfuhr erteilt. Sie lehnten die von Putin angeregte Verschiebung des für Sonntag geplanten Referendums über die Unabhängigkeit der Industrie-Region ab.

„Das stimuliert nicht gerade den Risikoappetit der Börsianer“, sagte LBBW-Investmentanalyst Werner Bader. Ein ähnliches Referendum auf der Halbinsel Krim hatte den Konflikt um die Ukraine massiv verschärft. Die überwiegend russisch-stämmigen Menschen stimmten für eine Eingliederung des ukrainischen Gebiets in die Russische Föderation. Auch im Osten des Landes leben viele Russischstämmige. „Viele Händler werden abwarten, wie sich die Lage entwickelt und vorerst an der Seitenlinie stehen“, sagte Analyst Markus Huber von Peregrine & Black.

Konjunkturdaten sind heute rar. Enttäuschend war der Aussenhandel in Deutschland. Nach Produktion und Industrieaufträgen fielen auch die Exporte im März zurück. Sie schrumpften wegen der schwachen Nachfrage aus der Euro-Zone und aus Übersee um 1,8 Prozent zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das war nicht nur der zweite Rückgang in Folge, sondern zugleich der stärkste seit Mai 2013. Ökonomen hatten hingegen mit einem Plus von 1,0 Prozent gerechnet.

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  • Hi farmer!
    Wir waren und sind uns einig, dass langfristig der Aktienmarkt die beste Anlageform ist. Nur wer am Produktivkapital einer Marktwirtschaft beteiligt ist, kann finanziell erfolgreich sein. Dies gilt auch für kleinere Vermögen bzw. Sparraten - ich denke aber weiter, dass für letztgenannte Anlagen ein passives Investment besser geeignet ist (Kosten, Steuern, Risiken). Es spricht ja nichts dagegen, Einzeltitel als Beimischung zu haben. Wer mehr Rendite mag, Volatilität aushält und diszipliniert seine Strategie umsetzt, kann auch anders ran gehen. Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg beim Stockpicking und ein schönes WE.

  • "dass die 10.000-Marke nicht vor Juni in erreichbare Nähe rückt und auch nicht mindestent berührt wird."

    Das ist doch totaler Quatsch. Auch wenn Draghi die Zinsen senken würde, sind die Unternehmensgewinne nicht so üppig ausgefallen, dass man sich jetzt zu Anfang des lauen Saison in den DAX flüchten müsste. Wie gesagt, Draghi macht das nur, wenn sich die Euro-Bullen als unbelehrbar erweisen und die äußeren Umstände echte Deflationsrisiken nahelegen. Gegen die Fed kommt er schon gleich gar nicht an, sondern muss das Tapering über sich ergehen lassen ;)

    Sich auf das, was *manche* in Draghis Äußerungen hinein interpretieren(!) zu verlassen, ist nicht die geschickteste Spekulation. Da steckt bei einigen sehr viel Wunschdenken und wenig Realismus dahinter. Auch hat sich Draghi nicht "weit aus dem Fenster gelehnt" sondern glaubhaft und deutlich zum Ausdruck bringen wollen, dass er - *falls nötig* - zum Handeln entschlossen ist um die Märkte zu beruhigen und den Euro zu drücken. Das hat funktioniert.

    Er weiß genau, dass er Deflation im Grunde genommen nicht fürchten muss und dass sich die Lage bereits aufhellt. Versprochen hat Draghi wenn man sein Statement aufmerksam liest gar nichts *g*

  • Das Tempofix-Syndrom und diverse Cash-Apologeten, die sich allmählich wieder im Chor zu "Buy-in-may"-Liedern einstimmen sind ein recht geeignetes Indiz dafür, dass die 10.000-Marke nicht vor Juni in erreichbare Nähe rückt und auch nicht mindestent berührt wird.

    Es ist durchaus denkbar, dass der Dax dann auch solide sehr weit unterhalb der 10.000-er Marke bleibt, denn er hat sich lange genug Zeit genommen, da zu bleiben.
    Aufwärtstrends sehen anders aus.

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