Börse Frankfurt
Dax bietet versöhnlichen Wochenausklang

Der deutsche Leitindex kann auch in dieser Handelswoche zulegen. Gefragt waren am heutigen Freitag vor den Stresstest-Ergebnissen die noch in den vergangenen Tagen vielgeschundenen Bankentitel.

FrankfurtDeutsche Aktien haben ihren starken Wochentrend am Freitag aufrechterhalten. Zwar rückte der Dax nur leicht vor, konnte so aber die Aufwärtsbewegung der vergangenen Tage fortsetzen. Der Leitindex schloss in Frankfurt bei 10.337 Punkte und kam damit auf ein Plus von 0,6 Prozent. Ab Nachmittag trübte sich die Stimmung etwas ein, blieb das US-Wachstum im zweiten Quartal doch überdeutlich hinter den Erwartungen zurück. Infolge stieg der Euro um bis zu 0,8 Prozent auf 1,116 Dollar und belastete ebenfalls das Börsengeschehen.

Auf Wochensicht bleibt beim wichtigsten Marktbarometer der Bundesrepublik ein Aufschlag von 1,8 Prozent. Die Händler rechneten angesichts des Urlaubs vieler Börsianer zu Recht mit einem ruhigeren Handel. Nichtsdestotrotz stand zum Wochenausklang noch einmal eine ganze Reihe neuer Zahlen an – vor allem Banken rückten heute in den Lichtkegel. Und das gleich aus mehreren Gründen. Zum einen kamen aus der Branche mehrere Quartalsberichte – wie etwa die der UBS oder Barclays –, zum anderen steigt die Spannung vor der Veröffentlichung der Ergebnisse des Bankenstresstests.

Die europäische Bankenaufsicht (EBA) veröffentlicht die Resultate erst um 22.00 Uhr, um den Druck von den Märkten zu nehmen. Im Freitagshandel trotzten die Finanztitel der Anspannung und legten zu. Der europäische Bankenindex gewann starke drei Prozent hinzu. Das ganze Ausmaß der Auswirkungen wird erst am Montag ersichtlich, wenn der Börsenhandel einsetzt.

Die EU-Bankenaufsicht EBA sieht noch einigen Reparaturbedarf bei Europas Kreditinstituten. „Ich denke, wir müssen damit fortfahren, das Bankensystem von faulen Krediten zu reinigen“, sagte Direktor Adam Farkas dem „Handelsblatt“. Immerhin sei das Bankensystem aber auf schon breiter Front rekapitalisiert worden, Schwachstellen in den Bilanzen seien aufgedeckt worden.

Im Brennpunkt steht die Deutsche Bank, die mit ihrer Kernkapitalquote von 10,8 Prozent vielen Konkurrenten hinterherhinkt. Heute legten die Aktien zunächst 2,6 Prozent zu, nachdem sie gestern deutlicher eingebüßt hatten und beendeten den Handel mit einem Plus von 0,9 Prozent. Die Papiere des Konkurrenten Commerzbank verteuerten sich um 3,4 Prozent und waren damit die gefragtesten Papiere im Dax. Im Fokus stehen auch diverse italienische Geldhäuser.

Seit einigen Wochen belastet der große Kapitalbedarf der italienischen Häuser das Börsengeschehen – die Gefahr eine Bankenkrise steht im Raum. Die faulen Kredite in den Bilanzen belaufen sich auf eine Summe von bis zu 360 Milliarden Euro und setzen – nachdem es nun neue Regularien für Bankenrettungen gibt – die italienische Regierung um Premier Matteo Renzi politisch stark unter Druck.

Für eines der kriselndsten Häuser, der Monte dei Paschi di Siena, war es ein sehr ereignisreicher Tag. Erst gaben die Toskaner bekannt, dass die Schweizer Großbank UBS einen Rettungsvorschlag unterbreitet habe, der vom bisherigen Konsortium-Plan abweiche. Nach eingehender Prüfung hieß es aus Insiderkreisen, man werde ablehnen. Die italienische Bank hatte bisher versucht, ein Bankenkonsortium für eine geplante fünf Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung zusammenzustellen, dafür aber nicht genügend Institute gefunden.

Im Laufe des Tages sickerte dann durch, dass die Kapitalerhöhung nur in einer geringen Größe realisierbar sei. Die Bank hatte vorher angekündigt, man wolle von der Europäischen Zentralbank grünes Licht für ihre Kapitalerhöhung haben, noch bevor heute Abend die Ergebnisse des europaweiten Banken-Stresstests vorliegen. Die Titel legten in Mailand bis zu sechs Prozent zu.

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