Börse Frankfurt Dax bietet versöhnlichen Wochenausklang

Der deutsche Leitindex kann auch in dieser Handelswoche zulegen. Gefragt waren am heutigen Freitag vor den Stresstest-Ergebnissen die noch in den vergangenen Tagen vielgeschundenen Bankentitel.
Update: 29.07.2016 - 17:42 Uhr

Dax packt 10.000-Punkte-Marke - Überraschender Aufwind für Bank-Aktien

FrankfurtDeutsche Aktien haben ihren starken Wochentrend am Freitag aufrechterhalten. Zwar rückte der Dax nur leicht vor, konnte so aber die Aufwärtsbewegung der vergangenen Tage fortsetzen. Der Leitindex schloss in Frankfurt bei 10.337 Punkte und kam damit auf ein Plus von 0,6 Prozent. Ab Nachmittag trübte sich die Stimmung etwas ein, blieb das US-Wachstum im zweiten Quartal doch überdeutlich hinter den Erwartungen zurück. Infolge stieg der Euro um bis zu 0,8 Prozent auf 1,116 Dollar und belastete ebenfalls das Börsengeschehen.

Auf Wochensicht bleibt beim wichtigsten Marktbarometer der Bundesrepublik ein Aufschlag von 1,8 Prozent. Die Händler rechneten angesichts des Urlaubs vieler Börsianer zu Recht mit einem ruhigeren Handel. Nichtsdestotrotz stand zum Wochenausklang noch einmal eine ganze Reihe neuer Zahlen an – vor allem Banken rückten heute in den Lichtkegel. Und das gleich aus mehreren Gründen. Zum einen kamen aus der Branche mehrere Quartalsberichte – wie etwa die der UBS oder Barclays –, zum anderen steigt die Spannung vor der Veröffentlichung der Ergebnisse des Bankenstresstests.

Die europäische Bankenaufsicht (EBA) veröffentlicht die Resultate erst um 22.00 Uhr, um den Druck von den Märkten zu nehmen. Im Freitagshandel trotzten die Finanztitel der Anspannung und legten zu. Der europäische Bankenindex gewann starke drei Prozent hinzu. Das ganze Ausmaß der Auswirkungen wird erst am Montag ersichtlich, wenn der Börsenhandel einsetzt.

Die EU-Bankenaufsicht EBA sieht noch einigen Reparaturbedarf bei Europas Kreditinstituten. „Ich denke, wir müssen damit fortfahren, das Bankensystem von faulen Krediten zu reinigen“, sagte Direktor Adam Farkas dem „Handelsblatt“. Immerhin sei das Bankensystem aber auf schon breiter Front rekapitalisiert worden, Schwachstellen in den Bilanzen seien aufgedeckt worden.

Im Brennpunkt steht die Deutsche Bank, die mit ihrer Kernkapitalquote von 10,8 Prozent vielen Konkurrenten hinterherhinkt. Heute legten die Aktien zunächst 2,6 Prozent zu, nachdem sie gestern deutlicher eingebüßt hatten und beendeten den Handel mit einem Plus von 0,9 Prozent. Die Papiere des Konkurrenten Commerzbank verteuerten sich um 3,4 Prozent und waren damit die gefragtesten Papiere im Dax. Im Fokus stehen auch diverse italienische Geldhäuser.

Ein Haufen Verlierer

HSBC HOLDINGS PLC REGISTERED SHARES DL -,50

WKN
ISIN
GB0005405286
Börse
L&S

+0,04 +0,47%
+8,56€
Chart von HSBC HOLDINGS PLC REGISTERED SHARES DL -,50
Flop 14: HSBC
1 von 14

Was der Brexit für die britischen Bank bedeuten wird, ist noch nicht mit aller Klarheit vorherzusehen. Eins aber dürfte sicher sein: Ungeschoren kommen Geldhäuser wie zum Beispiel die HSBC nicht davon. Der EU-Austritt wird immense Kosten verursachen, die auch die Banken treffen werden. Kein Wunder also, dass Aktionäre die HSBC aus ihren Portfolios rauswerfen.

Kursentwicklung: - 7,1 Prozent*

*01. Januar 2016 bis 26. Juli 2016; Quelle: Reuters

BNP PARIBAS S.A. ACTIONS PORT. EO 2

WKN
ISIN
FR0000131104
Börse
L&S

-0,01 -0,02%
+64,54€
Chart von BNP PARIBAS S.A. ACTIONS PORT. EO 2
Flop 13: BNP Paribas
2 von 14

Die politischen Unruhen in der Türkei belasten das Portfolio der BNP Paribas. Patrick Mange, Fondsmanager bei BNP Paribas Investment Partners, sieht türkische Anlagen kritisch. Er will sie in seinem Portfolio „untergewichten“, bis es Klarheit über die Entwicklung in der Türkei gibt. Die französische Bank zieht es stattdessen nach Osteuropa. Insidern zufolge interessiere sich das Geldhaus für das Polengeschäft der österreichischen Raiffeisen Bank. Allerdings ist das Interesse nicht singulär. Auch die Banco Santander hat auf die Sparte ein Auge geworfen. Mitbewerber sind außerdem die beiden staatlich kontrollierten Institute PKO BP  und Alior Bank sowie die polnische ING-Tochter. Bankenkreisen zufolge peilt RBI für Raiffeisen Polbank einen Preis von 800 Millionen Euro bis zu einer Milliarde Euro an. Das problematische Portfolio mit Franken-Hypotheken sei hierin nicht enthalten.

Kursentwicklung: - 17,7 Prozent

BANCO SANTANDER S.A. ACCIONES NOM. EO 0,50

WKN
ISIN
ES0113900J37
Börse
L&S

-0,00 -0,07%
+5,58€
Chart von BANCO SANTANDER S.A. ACCIONES NOM. EO 0,50
Flop 12: Banco Santander
3 von 14

Europas Bankenlandschaft hat 2016 deutlichen Schaden genommen. Im Stoxx Banks 600, der die größten europäischen Geldhäuser enthält, trifft man im laufenden Jahr nur auf Verlierer. Keine einzige Bank hat es geschafft, ihren Wert zu steigern. Davon betroffen ist unter anderem die Banco Santander. Die größte Bank Spaniens bekommt nicht nur die niedrigen Zinsen in Europa zu spüren. Für Gegenwind sorgen auch Probleme in den USA. Zuletzt ist die US-Sparte der Banco Santander erneut beim US-Bankenstresstest durchgefallen. Es war das dritte Jahr in Folge, dass die spanische Bank an den Anforderungen scheiterte.

Kursentwicklung: - 17,8 Prozent

LLOYDS BANKING GROUP PLC REGISTERED SHARES LS -,10

WKN
ISIN
GB0008706128
Börse
L&S

-0,05 -6,09%
+0,75€
Chart von LLOYDS BANKING GROUP PLC REGISTERED SHARES LS -,10
Flop 11: Lloyds
4 von 14

Durch das Votum der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union sind zahlreiche britische Banken in eine brenzlige Lage geraten. Auch die britische Lloyds ist davon betroffen. Die Ratingagentur hat daher bereits den Ausblick für die Bank von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt. Die Unsicherheit über die möglichen Brexit-Auswirkungen setzen den Lloyds-Aktien deutlich zu.

Kursentwicklung: - 24,8 Prozent

CREDIT AGRICOLE S.A. ACTIONS PORT. EO 3

WKN
ISIN
FR0000045072
Börse
L&S

+0,09 +0,70%
+13,64€
Chart von CREDIT AGRICOLE S.A. ACTIONS PORT. EO 3
Flop 10: Crédit Agricole
5 von 14

Nach der Entscheidung der Briten für einen EU-Austritt, ändert sich auch einiges für die französische Großbank Crédit Agricole. Es wird erwartet, dass sie einen Teil ihrer Geschäfte von England nach Frankreich zurückholt. Unklar bleibt, mit welchen Kosten die Bank deswegen rechnen muss. Die Ratingagentur Moody's bewertet trotz der Unwägbarkeiten die Aussicht des französischen Bankensystems als stabil. Analysten der Investmentbank Natixis haben dennoch das Kursziel der Crédit Agricole von 12,00 auf 10,70 Euro gesenkt.

Kursentwicklung: - 28,2 Prozent

SOCIETE GENERALE S.A. ACTIONS PORT. EO 1,25

WKN
ISIN
FR0000130809
Börse
L&S

+0,20 +0,43%
+46,41€
Chart von SOCIETE GENERALE S.A. ACTIONS PORT. EO 1,25
Flop 9: Société Générale
6 von 14

Wie die BNP Paribas treffen auch die Société Générale die Unruhen in der Türkei. Die französische Großbank deutete an, ihre Investments in der Türkei zurückziehen zu wollen. Noch härter allerdings trifft die Société Générale der Brexit. Am Tag der Veröffentlichung des Abstimmungsergebnisses über einen EU-Austritt der Briten rutschten die Papiere deutlich ins Minus. Von den Verlusten haben sich die Aktien bis heute nicht erholen können.

Kursentwicklung: - 29,7 Prozent

BARCLAYS PLC REGISTERED SHARES LS 0,25

WKN
ISIN
GB0031348658
Börse
L&S

+0,12 +5,63%
+2,26€
Chart von BARCLAYS PLC REGISTERED SHARES LS 0,25
Flop 8: Barclays
7 von 14

Auch bei Barclays dürften sich mehr und mehr die Auswirkungen des Brexits bemerkbar machen. Allerdings drücken auch Rechtsstreitigkeiten auf die Bilanzen der Investmentbank. Vor allem im Libor-Skandal hat Barclays ordentlich mitgemischt. Zuletzt wurden drei Händler der Bank schuldig gesprochen, den Referenzzinssatz manipuliert zu haben.

Kursentwicklung: - 32,4 Prozent

Seit einigen Wochen belastet der große Kapitalbedarf der italienischen Häuser das Börsengeschehen – die Gefahr eine Bankenkrise steht im Raum. Die faulen Kredite in den Bilanzen belaufen sich auf eine Summe von bis zu 360 Milliarden Euro und setzen – nachdem es nun neue Regularien für Bankenrettungen gibt – die italienische Regierung um Premier Matteo Renzi politisch stark unter Druck.

Für eines der kriselndsten Häuser, der Monte dei Paschi di Siena, war es ein sehr ereignisreicher Tag. Erst gaben die Toskaner bekannt, dass die Schweizer Großbank UBS einen Rettungsvorschlag unterbreitet habe, der vom bisherigen Konsortium-Plan abweiche. Nach eingehender Prüfung hieß es aus Insiderkreisen, man werde ablehnen. Die italienische Bank hatte bisher versucht, ein Bankenkonsortium für eine geplante fünf Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung zusammenzustellen, dafür aber nicht genügend Institute gefunden.

Im Laufe des Tages sickerte dann durch, dass die Kapitalerhöhung nur in einer geringen Größe realisierbar sei. Die Bank hatte vorher angekündigt, man wolle von der Europäischen Zentralbank grünes Licht für ihre Kapitalerhöhung haben, noch bevor heute Abend die Ergebnisse des europaweiten Banken-Stresstests vorliegen. Die Titel legten in Mailand bis zu sechs Prozent zu.

HeidelbergCement mal nicht die graue Maus
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