Börse Frankfurt: Dax erholt sich leicht von schwarzem Jahresbeginn

Börse Frankfurt
Dax erholt sich leicht von schwarzem Jahresbeginn

Nach einem turbulenten Jahresanfang endete die Woche an der Frankfurter Börse etwas versöhnlicher. Doch schon in der kommenden Woche könnte es wieder runtergehen.
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FrankfurtDie Anleger am deutschen Aktienmarkt brauchen auch in der neuen Woche starke Nerven. Die Kurse könnten sich Experten zufolge zwar noch etwas erholen, das Risiko eines erneuten Rückschlags bleibt aber. Die Stabilisierung der Ölpreise und die Aussicht auf weitere Geldspritzen durch die Europäische Zentralbank (EZB) hätten den Ausverkauf an den Aktienmärkten zwar scheinbar gestoppt, schrieb Analystin Claudia Windt von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) in einer Studie. Ob die Erholung eine Trendwende markiere, sei aber dahingestellt. Vielmehr dürften Schwankungen an der Tagesordnung bleiben.

Am Freitag blieb der deutsche Aktienmarkt nach seinem verpatzten Start ins Jahr auf Erholungskurs. Der Dax schloss mit einem Plus von 1,99 Prozent bei 9764,88 Punkten. Auf Wochensicht bedeutet das einen Anstieg um 2,30 Prozent. Das Minus im noch jungen Jahr 2016 sank damit auf rund 9 Prozent.

Die Experten der Landesbank Baden-Württemberg bleiben aber skeptisch. Wenngleich die Aktienmärkte zu stark abverkauft erschienen, sei die seit dem Beginn der jüngsten Abwärtsbewegung Ende November verstrichene Zeit zu kurz für die Ausbildung eines tragfähigen Bodens. Größere Kurskorrekturen wie die derzeitige dauerten in der Regel zweieinhalb bis drei Monate.

Auf Unternehmensseite könnte in der neuen Woche die Berichtssaison für frische Impulse sorgen. Am Dienstag öffnet Siemens seine Bücher. Der Elektrokonzern dürfte nach Einschätzung von Analysten trotz des Rückenwinds vom schwachen Euro eher schleppend in sein neues Geschäftsjahr gestartet sein.

Am Freitag stand bei den Unternehmen SAP im Rampenlicht. Das Softwarehaus hob seine Ziele für 2017 an, konnte die Märkte damit aber nicht überzeugen. Die Aktie des Softwarekonzerns schloss mit 0,3 Prozent knapp im Plus, nur Thyssen Krupp war mit einem Minus von 0,3 Prozent schlechter. Das nach dem deutlichen Wachstum im vergangenen Jahr angehobene Umsatzziel für 2017 „liegt im Rahmen der Markterwartungen“, begründete dies ein Händler. Ein Börsianer verwies zudem darauf, dass sich die SAP-Aktie zuletzt besser als der Markt geschlagen habe. So gewannen die Titel in den vergangenen sechs Monaten rund sechs Prozent, während der Dax um fast 18 Prozent nachgab. DZ-Analyst Harald Schnitzer bekräftigte seine „Halten“-Empfehlung und sieht den fairen Wert bei 74,00 Euro. Zum Mittag notiert das Papier gut zwei Euro niedriger.

Das Wohnungsunternehmen Vonovia, einziger Immobilienwert im Dax, rückte 5,9 Prozent vor. Die Deutsche Bank, die nach vorläufigen Zahlen 2015 mit rund 6,7 Milliarden Euro den größten Jahresverlust ihrer Unternehmensgeschichte verkraften muss, legte nach Verlusten am Donnerstag um 2,7 Prozent zu: Der Kurs der Aktie schloss bei 17,60.

Der MDax der mittelgroßen Werte profitierte mit einem Gewinn von 3,39 Prozent auf 19.243,02 Punkte von der wieder aufgehellten Börsenstimmung. Für den Technologiewerte-Index TecDax ging es um 2,96 Prozent auf 1.657,49 Punkte nach oben.

Ihre Aufmerksamkeit richteten Anleger daneben auf die Stimmungsbarometer der Einkaufsmanager aus Deutschland und der Euro-Zone. In den USA stehen die Frühindikatoren auf dem Terminplan. Von diesen Zahlen erhoffen sich Investoren Hinweise darauf, wie schnell die Notenbank Fed, die kommende Woche über die Geldpolitik berät, die Zinsen anheben wird. Auf Unternehmensseite hat Siemens-Rivale General Electric (GE) Geschäftszahlen vorgelegt. Der Industrieriese übertraf im vierten Quartal 2015 die Erwartungen der Analysten: Der Gewinn pro Aktie liegt bei 0,52 Dollar, erwartet worden waren 0,49 Dollar. Vorbörslich gab die GE-Aktie an der Wall Street dennoch leicht um 0,4 Prozent nach.

Die europäischen Aktienmärkte haben den zweiten Tag in Folge zugelegt. Auch hier stützte die wachsende Zuversicht der Investoren in die Notenbanken die Kurse . „Es gibt Hoffnung auf mehr Stimuli im März und die Möglichkeit von noch mehr Stimuli in Japan und China, und wenn wir konkrete positive Wirtschaftsnachrichten erhalten, könnte sich die Erholung bis in die kommende Woche fortsetzen“, sagte John Plassard von Mirabaud Securities LLP in Genf. „Ich hatte meinen Kunden gesagt, sie sollen sich anschnallen und auf bessere Nachrichten warten, und die sind nun endlich gekommen.“

In Tokio legte der Nikkei-Index am Freitag um 5,9 Prozent auf 16.959 Punkte zu. Der Shanghai Composite legte 0,9 Prozent auf 2906 Zähler zu. Angetrieben wurden die Kurse von der Erleichterung über den wieder anziehenden Ölpreis. Dessen rasanter Verfall hatte in den vergangenen Wochen viele Aktienanleger verunsichert.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • @Lothardie Misere
    Ja, und dass in Italy 200 MRD an Krediten faul sind und in Moldawien Tausende das Parlament stürmengegen pro-EU Regierung – West-Medien ignorieren das Ereignis- wär ja auch mal paar Zeilen wert....Auch dass Russland gegen die Türkei Raketen in Stellung bringt: kein Ton.
    Dafür muss man dann alternative Medien studieren.

  • Hier noch ein Artikel, aus dem englischen telegraph zur Situation des Finanzsektors:
    Warum ein Wirtschaftsblatt wie das HB sich diesen Themen verweigert, man kann darüber nur spekulieren.

    World faces wave of epic debt defaults, fears central bank veteran
    Exclusive: Situation worse than it was in 2007, says chairman of the OECD's review committee
    http://www.telegraph.co.uk/finance/financetopics/davos/12108569/World-faces-wave-of-epic-debt-defaults-fears-central-bank-veteran.html

  • Es ist einfach nur Wahnsinn! Gestern lernten wir, dass trotz des Ölpreises (letztes Jahr von über 60 $ auf ca. 30 $) eine schwache Inflation übrigblieb. Bleibt der Ölpreis so... dann läuft der Effekt aus und die Inflation steigt automatisch! Nochmal kann der Ölpreis gar nicht so sinken (dann dürfte er ja nur noch 1 $ kosten....)
    Jetzt haben die Verbraucher mehr Geld in der Tasche (tanken und heizen ist billiger), die EZB-Volkswirte verkaufen uns das als schädlich für den Konsum (niedrige Inflation)! Und sie werden von der Wirtschaftspresse nicht mal in der Luft zerissen!

    Darauf hin kündigt der EZB-Chef wieder Maßnahmen an... und als Ergebnis sieht man die Börsen in Fernost steigen! Klarer kann man eigentlich nicht zeigen, wo die Profiteure des Ganzen und wer es ist! Wo bleibt der fachliche Aufschrei?????

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