Börse Frankfurt
Dax erholt sich weiter

Erstmals seit zwei Wochen kletterte der deutsche Leitindex zeitweise über die Marke von 9.500 Punkten. Der wieder fallende Ölpreis bremste die Aufwärtsbewegung. Gefragte Dax-Werte waren Lufthansa und Deutsche Börse.

FrankfurtDer Dax hat sich auch am Donnerstag nicht von seinem Erholungskurs abbringen lassen. Nach mehreren starken Handelstagen – mit dem Plus von Freitag ist der deutsche Leitindex seitdem neun Prozent vorgerückt – sah es zunächst so aus, als ob dem wichtigsten deutschen Marktbarometer langsam die Kraft ausginge. Doch dank neuer zuversichtlich stimmender Signale vom Ölmarkt, dass der krasse Preisverfall durch eine Begrenzung der Fördermengen endlich ein Ende finde, ging es für den Dax ab dem frühen Mittag weiter steil nach oben. Zwischenzeitlich kletterte er erstmals seit zwei Wochen wieder über die Marke von 9.500 Punkten. Zum Handelsende behauptete er ein Plus von 0,9 Prozent auf 9.463,64 Punkte. Für den MDax der mittelgroßen Werte ging es letztlich um 0,87 Prozent auf 19 124,19 Zähler aufwärts. Der Technologiewerte-Index TecDax gewann 2,04 Prozent auf 1619,41 Punkte.

Die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee, die sich zunächst um bis zu 3,6 Prozent verteuert hatte, verbilligte sich um ein Prozent auf 34,26 Dollar je Barrel (159 Liter). In den USA füllen sich die Tanklager immer weiter: Dem US-Energieministerium stiegen die Rohöl-Reserven in der vergangenen Woche auf ein Rekordhoch von 504,105 Millionen Barrel. An dieser Entwicklung ändere auch die geplante Deckelung der weltweiten Fördermengen nichts, warnten die Analysten des Research-Hauses BMI.

Weil das Angebot die Nachfrage übersteigt, ist der Ölpreis in den vergangenen eineinhalb Jahren um etwa 70 Prozent eingebrochen. Dies reißt milliardenschwere Löcher in die Haushalte der Förderländer. Außerdem befürchten Börsianer eine Pleitewelle unter den Förderfirmen, vor allem in den USA. Denn dort wird der Rohstoff meist mit Hilfe des technisch aufwendigen und teuren "Fracking"-Verfahren gewonnen. Eine Häufung von Firmen-Zusammenbrüchen würde die Banken in Schieflage bringen, weil diese dann auf milliardenschweren Krediten sitzenbleiben.

Der Euro Stoxx 50 sank um 0,1 Prozent auf 2.895,15 Punkte. Der marktbreite Stoxx Europe 600 stagnierte bei 328,91 Punkten. Aktien von Air France-KLM schossen um 10,7 Prozent nach oben; das Unternehmen hatte seinen ersten operativen Jahresgewinn seit 2010 gemeldet. Rohstoffwerte dagegen zählten zu den schwächsten Branchen im Stoxx 600. Titel von Anglo American verloren 7,7 Prozent, nachdem S&P das Rating des Unternehmens auf Junk gesenkt hatte.

Die US-Börsen erlitten im Mittagshandel ebenfalls Verluste. Die Rücknahme des Ausblicks von Wal-Mart Stores Inc. ließ die Aktie um 4,5 Prozent einbrechen. Daneben stand der Ölsektor unter Druck. Der Dow Jones Index fiel um 0,1 Prozent auf 16.438,25 Punkte, während der S&P 500 um 0,3 Prozent auf 1921,86 Zähler sank.

Rückenwind erhielten die Aktienbörsen am Donnerstag auch von der Aussicht auf eine behutsamere Straffung der US-Geldpolitik. Börsianer werteten die Aussagen in den Sitzungsprotokollen der Fed als Hinweis darauf, dass die Notenbank von ihren bislang signalisierten vier Zinserhöhungen 2016 abrückt. Der Dollar zog dennoch leicht an und der Euro verbilligte sich im Gegenzug um einen knappen halben US-Cent auf 1,1089 Dollar. „Fed und Markt verhalten sich wie Hase und Igel“, sagte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. „Wann immer die Fed ihre Zinserwartungen bewegt, der Markt ist längst schon da.“ Eine Abwertung der Gemeinschaftswährung macht Waren europäischer Firmen auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähiger.

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