Börse Frankfurt
Dax fällt unter 11.000 Punkte

Der Kampfjet-Abschuss verunsichert Europas Anleger. Der Dax ist am Dienstag auf Talfahrt gegangen und schloss deutlich im Minus. Auf den überraschend guten Ifo-Index ist eine positive Reaktion ausgeblieben.

FrankfurtDie Furcht vor wachsenden Spannungen zwischen der Türkei und Russland hat den europäischen Börsen am Dienstag zugesetzt. Der Dax ist nach seiner jüngsten Rally am Dienstag wieder unter die Marke von 11.000 Punkten gerutscht. Der Dax schloss am Dienstag 1,4 Prozent im Minus bei 10.933 Punkten. Der MDax verlor am Dienstag 1,5 Prozent auf 20.942 Punkte und der TecDax sank um 1,8 Prozent auf 1.795 Punkte. Für den EuroStoxx 50 ging es um 1,2 Prozent abwärts.

Auslöser für die Verkäufe war die Aussage des russischen Präsidenten Wladimir Putin, der Abschuss eines russischen Kampfjets durch türkisches Militär werde "ernsthafte Konsequenzen" für die gegenseitigen Beziehungen haben. Der Vorfall sei ein "Messerstich in den Rücken". Die Anleger an den Börsen in Istanbul und Moskau ergriffen die Flucht: Die Länderindizes brachen um je mehr als vier Prozent ein. Auch Rubel und Lira gaben nach.

Der unerwartet gute Ifo-Index konnte an den deutschen Märkten kaum etwas ausrichten. Die Stimmung in deutschen Unternehmen hellte sich im November deutlich auf. Das Ifo-Geschäftsklima signalisierte, dass sich die deutsche Wirtschaft von der zunehmenden weltweiten Unsicherheit nicht sonderlich beeindrucken ließ. „Nicht einmal die Anschläge von Paris haben sich in den Daten negativ bemerkbar gemacht“, kommentierte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Unter den deutschen Einzelwerten blieben die Anteilsscheine von Volkswagen wegen des Abgasskandals im Fokus. Sie legten den nunmehr achten Handelstag in Folge zu und gewannen an der Dax-Spitze mehr als 5 Prozent. Die Anleger ignorierten weitere negative Meldungen über manipulierte Software in den USA und schauten stattdessen auf Europa. Dort sind mit Blick auf bevorstehende Rückrufe von Dieselfahrzeugen keine großen Umrüstungen nötig. Zudem hob Analyst Patrick Hummel von der Schweizer Großbank UBS sein Kursziel für die VW-Vorzüge an und bekräftigte seine Kaufempfehlung.

Die Anteilsscheine der Lufthansa büßten im Dax fast 4 Prozent ein. Zur Adventszeit steht schon der nächste Streik auf dem Programm. Keine zwei Wochen nach dem bislang härtesten Arbeitskampf in der Geschichte des Unternehmens hat die Gewerkschaft Ufo die Flugbegleiter zur erneuten Arbeitsniederlegung aufgerufen.

Ein zurückhaltender Ausblick von Hugo Boss und ein negativer Analystenkommentar des Bankhauses Nomura haben die Luxusgüter-Hersteller am Dienstag europaweit auf Talfahrt geschickt. Burberry, Salvatore Ferragamo, Kering, LVMH, Moncler, Richemont und Swatch verloren bis zu 5 Prozent. Hugo Boss fielen zeitweise um 5,9 Prozent auf ein Drei-Jahres-Tief von 80,35 Euro.

Der deutsche Modekonzern rechnet mit anhaltend schleppenden Geschäften in den USA und China. Daher setzte er ein Fragezeichen hinter das Ziel, die Gewinnmarge bis 2020 auf 25 Prozent zu steigern. Nomura-Analyst Christopher Walker warnte unterdessen, dass die Erwartungen der Anleger an die Ergebnisentwicklung der Branche 2016 wohl überzogen seien. Er rechnet nur mit einem Wachstum von fünf Prozent. Vor allem das US-Geschäft leide unter der Aufwertung des Dollar. Walker senkte daraufhin die Kursziele für ein knappes Dutzend Unternehmen und stufte einige zusätzlich herunter.


dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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