Börse Frankfurt
Dax fällt wieder ins Sommerloch

Europas Aktienbörsen sind am Montag wenig vielversprechend in die neue Woche gestartet. Nach anfänglichen Kursgewinnen beendeten die wichtigsten Indizes den Handel im Minus. Der weiter hohe Euro dämpfte die Kauflaune.
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Der Dax fiel bis zum Handelsschluss um 0,3 Prozent auf 12.257 Punkte, der Euro Stoxx 50 verlor 0,1 Prozent auf 3503 Zähler. „Das ist kein richtiger Trend, die Geschäfte sind mau, die Kursbewegungen fast Zufall“, fasste ein Händler zusammen. „Wir sind jetzt mitten im Sommerloch.“ Zwar laufe diese Woche die Bilanzsaison noch weiter, aber dennoch seien viele Anleger nicht da. „Der August ist einfach der klassische Ferienmonat schlechthin.“ Der weiter hohe Euro dämpfe zudem in Europa die Kauflaune.

Der Euro notierte mit rund 1,18 Dollar etwa einen US-Cent unter seinem Zweieinhalb-Jahres-Hoch aus der Vorwoche. Doch fürchten viele Börsianer, dass die Dollar-Erholung nur ein Strohfeuer ist. „Die Wirtschaft der Euro-Zone ist stark, während der US-Dollar aufgrund des politischen Dramas in Washington immer unattraktiver wird“, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. US-Präsident Donald Trump hat bislang keines seiner zentralen Wahlkampf-Versprechen eingelöst. Zudem zweifeln einige Analysten am Tempo der geplanten Zinserhöhungen durch die US-Notenbank Fed.

Analyst Dirk Gojny von der Essener National-Bank bezweifelte wegen der geringen Lohnsteigerungen und der unverändert geringen US-Inflation, dass die US-Notenbank Fed die geldpolitischen Zügel rasch anziehen und den Abbau der billionenschweren Wertpapierbestände bald angehen wird. „Immerhin ist die Leitzinsanhebung im Dezember aus Sicht der Kapitalmärkte wieder wahrscheinlicher geworden.“

Der hohe Wechselkurs erschwert europäischen Unternehmen auf dem Weltmarkt den Wettbewerb, da er ihre Waren teurer macht. Dies belastet vor allem den Dax mit seinen vielen Export-Unternehmen. Doch auch enttäuschende deutsche Konjunkturdaten bremsten ihn am Montag. So hatten die deutschen Unternehmen im Juni ihre Produktion überraschend gedrosselt, während Analysten mit einem kleinen Plus gerechnet hatten.

Im Dax standen FMC mit einem Abschlag von 1,5 Prozent im Fokus. Der Dialysekonzern kauft in den USA einen auf die Heim-Dialyse spezialisierten Konzern, der allerdings aktuell noch in den roten Zahlen steckt. Während Analysten die Übernahme für strategisch sinnvoll erachten, kommt sie einigen Börsianern als sehr teuer vor.

Im TecDax stiegen Xing zwischenzeitlich um 5,7 Prozent auf ein Rekordhoch von 265,35 Euro. Die Online-Jobbörse gewann im ersten Halbjahr so viele neue Nutzer wie noch nie. Compugroup stürzten dagegen um fast neun Prozent ab. Medienberichten zufolge steht die elektronische Gesundheitskarte vor dem Aus.

Ansonsten prägten Analystenempfehlungen das Auf und Ab der Kurse: Im MDax kletterten Wacker Chemie um über vier Prozent, nachdem die Analysten der UBS ihre Verkaufsempfehlung kassiert und die Aktien auf „neutral“ hochgestuft hatten. Im TecDax katapultierte eine Kaufempfehlung der Deutschen Bank Evotec um zeitweise zehn Prozent in die Höhe. Die Analysten hatten die Papiere der Biotechfirma auf „buy“ von „hold“ hochgestuft.

Außerhalb der Indizes stiegen Vapiano zeitweise um acht Prozent. Mehrere Analysten hatten die Aktien der Restaurantkette, die seit dem Börsengang Ende Juni nicht so recht vom Fleck kamen, zum Kauf empfohlen.

Unterdessen trieben Spekulationen auf einen Angebotsengpass den Preis für Stahl an der Börse Shanghai auf 3928 Yuan (585 Dollar) je Tonne. Das ist der höchste Schlusskurs seit viereinhalb Jahren. In seinem Windschatten verteuerte sich Eisenerz auf 564 Yuan (84 Dollar). Die chinesische Regierung hat Stahlhütten in mehreren Regionen angewiesen, die Produktion im Winter zu halbieren. Damit soll die Smog-Belastung während der Heiz-Periode reduziert werden.

Vor diesem Hintergrund deckten sich Investoren mit Bergbauwerten ein. Anglo American, Antofagasta, BHP Billiton, Fresnillo, Glencore und Rio Tinto gewannen in London bis zu 2,6 Prozent. Stahl-Produzenten waren ebenfalls gefragt: ArcelorMittal, Thyssenkrupp, Salzgitter und Voestalpine rückten bis zu 2,9 Prozent vor.

In Amsterdam drückte ein zurückhaltender Ausblick die Papiere von PostNL 7,2 Prozent ins Minus auf ein Zwölf-Monats-Tief von 3,77 Euro. Wegen Auflagen der Wettbewerbsbehörden stellte der niederländische Brief- und Paketzusteller für das Gesamtjahr einen operativen Gewinn am unteren Ende der von 220 bis 260 Millionen Euro reichenden Spanne in Aussicht.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Der Dax ist der Investoren Mörder, eingesperrt gerhört er. Ha Ha Ha

  • Das schwache Tier wird sich nicht erholen, jeden Tag ein neue Skandal und der viele Feinstaub. Die arme Lunge des Dax, er keucht bei mickrigen 12300 umher.

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