Börse Frankfurt
Dax fällt zeitweise unter 9400-Punkte-Marke

Da kann auch kein gestiegener Ölpreis helfen: Ein angeschlagener Dax verliert in einem ohnehin schwierigen Handel jeden Halt und schmiert bis zu 2,4 Prozent ab. Schwache US-Daten geben den Ausschlag.
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FrankfurtUnd dann ist es doch wieder passiert: In einem ungemütlichen Handel ist der Dax am Mittwoch abgeschmiert. Durch die Bank weg weiteten Europas Handelsplätze ihre gestrigen Verluste aus, die aufgekommene Entschleunigung vom Vormittag entpuppte sich als nur kurzlebiges Aufbäumen. Am späten Nachmittag enttäuschten schwache US-Konjunkturdaten und sorgten für deutlichere Abschläge. Zeitweise ging es um bis zu 2,4 Prozent nach unten. Zum Handelsschluss kletterte der Deutsche Aktienindex wieder über die 9400-Punkte-Marke auf 9434 Zähler. Damit notierte er 1,5 Prozent im Minus. Seit Jahresbeginn musste der Dax 12 Prozent an Wert einbüßen.

Einen rabenschwarzen Tag hat erneut die Aktie der Deutschen Bank erwischt. Mit weitem Abstand und mit 6,0 Prozent Verlust fand sich das Papier auf dem letzten Platz. Die Talfahrt des größten Instituts der Bundesrepublik geht damit ungebremst weiter. Allein seit Jahresbeginn hat die Aktie des Instituts 35 Prozent verloren. Das ist der deutlich schlechteste Wert im Dax. Nachdem der neue Chef John Cryan vor zwei Wochen einen Rekordverlust ausweisen musste, verloren die Papiere nahezu 15 Prozent. Für kurze Zeit rutschte das Papier heute unter den schlechtesten Schlusswert seiner Geschichte. Der lag zuvor am 23. Januar 2009 bei 14,68 Euro. Im Sog der Deutschen Bank ging es auch für die Commerzbank nach unten, sie fiel zeitweise auf den Stand von vor zweieinhalb Jahren. Am Ende des Handelstages steht ein Minus von 2,9 Prozent zu Buche.

Zweifel an der globalen Konjunktur bleiben auch im noch jungen Februar der große Hemmschuh für die Aktienmärkte. Diese Sorgen manifestieren sich vor allem im Ölpreis, der in diesem Jahr mehrere Langzeittiefstände unterbot. Dieser konnte sich heute zwar leicht erholen – nachdem er diese Woche bis zu sieben Prozent gefallen war, ging es für die Märzkontrakte der beiden tonangebenden Sorten WTI und Brent um bis zu zwei Prozent rauf –, doch das allein kann den Konjunkturpessimismus nicht vertreiben.

Zumal Profis das Ganze nur als Momentaufnahme einschätzen. „Es gibt keinen Hinweis darauf, dass sich die Lage am Öl-Markt bessert“, erklärte etwa Shuji Shirota von HSBC in Tokio. Und der Experte hat Recht: Belastbare Signale für eine mittelfristige Stabilisierung des Barrel-Preises sind derzeit keine in Sicht. Die Hoffnungen auf positive Eingaben von der Konjunkturfront im generellen sind wiederholt enttäuscht worden, zuletzt waren es schwachen Industriedaten aus China, die eine Entspannung verhindert hatten.

Und auch die heutigen Eingaben konnten am breiten Kauf-Missmut nichts ändern. Am Vormittag kam die Nachricht. dass sich der Aufschwung im deutschen Dienstleistungssektor zu Beginn des Jahres leicht abgeschwächt hat. Der Einkaufsmanager-Index fiel im Januar von 56,0 auf 55,0 Zähler, wie das Markit-Institut zu seiner Umfrage unter 500 Service-Firmen mitteilte. Das ist der niedrigste Wert seit drei Monaten. „Auch wenn das Tempo etwas nachgelassen hat, bleibe das Wachstum weiterhin grundsätzlich stark, kommentierte Markit-Ökonom Oliver Kolodseike die Ergebnisse. Zudem äußerten sich die befragten Manager so zuversichtlich über ihre Geschäftsaussichten wie seit März 2011 nicht mehr. Den Dax-Kurs interessierte das in Frankfurt aber relativ wenig.

Auch US-Daten konnten keine positive Wirkung entfalten. Ganz im Gegenteil: Mit einer Wall Street, die sich rasch von einem Auftaktplus verabschiedete und am späten Nachmittag mitteleuropäischer Zeit Abschläge zwischen einem und anderthalb Prozent aufwies, nahm der Abwärtstrend in Europa erst an Fahrt auf. Daran konnte auch ein solider Bericht des privaten Arbeitsvermittlers ADP nichts ändern. Demnach schuf die US-Ökonomie ohne öffentlichen Sektor im Januar 205.000 neue Stellen.

Experten hatten in ihrem Minimalszenario mit 195.000 neuen Jobs gerechnet. Der Bericht gibt einen Vorgeschmack auf die staatlichen Zahlen vom US-Arbeitsmarkt, die am Freitag kommen. Amerikanische Jobzahlen waren in den vergangenen Monaten einer der meistbeachteten Indikatoren, macht die Dollar-Notenbank Federal Reserve ihre Geldpolitik doch maßgeblich von der Beschäftigungslage in den Staaten abhängig.

Was heute aber sehr viel stärker aufgenommen wurde, waren die Eingaben aus dem Service-Sektor. Die Stimmung im Dienstleistungssektor der USA trübte sich im Januar überraschend deutlich ein. Der Einkaufsmanagerindex des ISM (Institute for Supply Management) fiel überraschend deutlich auf den niedrigste Stand seit Februar. Der Index sei zwar im Expansionsbereich geblieben, und das Wachstumsszenario für die US-Wirtschaft bleibe intakt, schrieb Analyst Ralf Umlauf von der Landesbank Helaba. Gleichwohl scheine die erwartete Wachstumsbeschleunigung geringer auszufallen.

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Ausverkauf bei der Deutschen Bank

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  • wir sind und bleiben Optismisten, nur damit kann man Tote nicht wecken. Ein Dax von um die7000 ist eher realistisch im Hinblick auf geschrumpfte Geldmenge (M') durch den Verfall der Rohstoffe. Auch hr Dragi kann da nichts machen. Nur eine neue Wirtschaftsordnung kann helfen, dazu braucht mann Wissen und Vision, wie Hr Schacht hatte. Ja so böse sieht es aus.

  • Geht doch noch tiefer, böse Zungen sagen 8500 im Vorbeiflug und die Deutsche
    unter 10 Euro. Die 10 Euro für das Öl wollte ich noch erwähnen. Da kann man schon mal seinen Polo volltanken, Herr Baron.

  • An der Börse kann es täglich fallen oder steigen.
    An der Börse kann es täglich steigen oder fallen.

    Wichtig ist nur, alles zu kommentieren, gelle farmer

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