Börse Frankfurt
Dax geht die Puste aus

Seit dem Brexit-Votum vor gut zwei Monaten hat der Leitindex zehn Prozent gewonnen. Nicht ungewöhnlich, dass ihm nun die Kräfte schwinden. Spekulationen um die US-Zinsen belasten zusätzlich. Der Dax verliert 0,6 Prozent.

FrankfurtEuropas Börsen sind weiter auf dem Rückzug. Der Dax schließt 0,6 Prozent tiefer bei 10.544 Punkten. Ein Angriff auf das vor einer Woche markierte Jahreshoch ist damit vom Tisch. Die Kräfte für ein weiteres Aufbäumen fehlen. Und nicht nur das. Nachdem die Börsianer die US-Notenbank Federal Reserve für ihr Stillhalten in Sachen Zinswende immer wieder gefeiert haben, drehte zuletzt die Stimmung. Ein Gros der Anleger geht weiterhin davon aus, dass die Fed die Füße stillhält und die Zinsen vorerst nicht anheben wird. Das trieb den Euro in dieser Woche in die Höhe, was wiederum den europäischen Aktien zusetzt, belastet es doch die Wettbewerbsfähigkeit der Exporte.

Auf Wochensicht kommt der deutsche Leitindex damit auf einen Abschlag von 1,7 Prozent. Der Trend zeigt trotz Abwertung des Euros weiter nach unten. Ein Euro kostete heute mit 1,132 Dollar 0,2 Prozent weniger. Runter ging der Dax trotzdem. Den Brexit-Absturz am Ende des Juni haben die Börsen überraschend gut weggesteckt. In den zwei Monaten danach konnte der Dax knappe zehn Prozent zulegen. Dementsprechend schwinden die Kräfte, Analysten sprechen von einer Phase der Konsolidierung. Doch nicht nur deswegen zieht es die Kurse nach unten. Vor allem liegt es an der Geldpolitik, die im dritten Quartal des Jahres nach einem Zwischenspiel der Politik die Hauptrolle auf dem Parkett für sich beansprucht.

Der Druck auf die Währungshüter des Dollars wird stärker. Denn die jüngeren Daten in den USA zeigen, dass die Konjunktur dort brummt. Der Arbeitsmarkt nähert sich der Vollbeschäftigung, Allen Widrigkeiten zum Trotz erklomm die Wall Street im August mehrere Allzeithöchststände. Und so spricht einiges dafür, dass eine Anhebung des Leitzinses in der nächsten Sitzung des zuständigen Offenmarktausschusses kontrovers diskutiert wird. Jüngste Signale aus der lauter werdenden Fraktion der Falken: Der Gouverneur der Fed-Filiale San Francisco, John Williams mahnte an, der nächste Zinsschritt solle „lieber früher als später“ geschehen.

Nur: So eindeutig scheint die Sache doch nicht zu sein. Niedrige US-Zinsen treiben die Aktienkurse an den Börsen. Dieselben Zinsen sorgen aber für einen teuren Euro, der die Kurse drückt. In all den Monaten der sich anbahnenden Zinswende überwogen die positiven die negativen Effekte – die Fed befeuerte die Börsen. Auch heute konnte ein schwacher Euro das Abrutschen nicht verhindern. Anleger wollen das billige Geld nicht missen.

Die Tage zuvor aber: Ein anderes Bild. Die Anlegerschaft spaltet sich in zwei Lager Pessimisten. Die einen sehen steigende Zinsen, die anderen den starken Euro. Am Ende hoffen sie alle auf eine klare Ansage der Fed im September. Vor allem ist es diese Unsicherheit, die auf die Stimmung drückt. Die Börsianer dürften sich heute ganz den Spekulationen um die Geldpolitik in den Staaten widmen, denn der Kalender bleibt leer. Weder wichtige Konjunkturdaten noch Unternehmenszahlen stehen auf der Tagesordnung.

Nicht nur beim Dax, auch beim europäischen Leitindex, dem Euro-Stoxx-50, übertrafen die Abschläge das Niveau normaler Gewinnmitnahmen. Mit 2970 Punkten notierte er 0,8 Prozent tiefer. Die zweite Frankfurter Reihe büßte ähnlich hoch ein. Die Nebenwerte des MDax verloren 0,5 Prozent auf 21.581 Punkte, der TecDax gab 0,4 Prozent nach auf 1711 Zähler. Mit der schwachen Wall Street am Nachmittag gaben die Kurse weiter nach.

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