Börse Frankfurt
Dax holt Verluste wieder auf

Der deutsche Leitindex erlebte zwei völlig unterschiedliche Tageshälften. Am Vormittag hatte er auf Grund der EU-Staatskrisen noch starke Verluste erleiden müssen, die er dann aber fast vollständig aufholen konnte.
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FrankfurtEuropa steht Portugal in seiner schlimmsten Krise bei: Die Euro-Finanzminister wollten am Montag ein Hilfspaket von 78 Milliarden Euro für das ärmste europäische Land billigen. Portugal ist nach Griechenland und Irland das dritte Euroland, das milliardenschwere Hilfen erhält. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte vor Beginn der Beratungen, es solle auch über Griechenland gesprochen werden, es stünden aber keine Entscheidungen an. Athen bekommt seine Schuldenkrise nicht in den Griff; es wird über zusätzliche Hilfen von 30 bis 60 Milliarden Euro gesprochen.

Im Euroraum wird auch über eine Umschuldung Griechenlands diskutiert. Nach den zahlreichen Dementis der vergangenen Woche räumte der niederländische Finanzminister Jan Kees de Jager das am Montag auf einem Ressortcheftreffen in Brüssel als erster öffentlich ein. Aber zusätzliche Sparanstrengungen, Reformen und Privatisierungen sollen einen Schuldenschnitt Athens doch noch überflüssig machen.

Die Begegnung wurde zudem überschattet von der Festnahme von IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn in New York wegen des Verdachts der versuchten Vergewaltigung am vergangenen Wochenende. Der Franzose wollte an der Ministerbegegnung teilnehmen. Schäuble sagte, die "schrecklichen Meldungen aus New York" machten alle betroffen. Über die Hilfen für Portugal könne aber auch ohne Strauss-Kahn entschieden werden: "Was nun tatsächliche oder angebliche Vorgänge in New York mit der Währungskrise in Europa zu tun haben, erschließt sich mir nicht ganz. Der IWF ist so gut organisiert, dass er die zeitweilige Abwesenheit des Leiters verkraften kann."

Auch von der europäischen Inflationsfront gab es schlechte Nachrichten. Die Verbraucherpreise kletterten vor allem wegen teurer Energie um 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistikamt Eurostat am Montag nach endgültigen Berechnungen mitteilte. Einen stärkeren Anstieg hatte es zuletzt im Oktober 2008 mit 3,2 Prozent gegeben. Im März hatte die Inflationsrate bei 2,7 Prozent gelegen. Die dürfte der EZB zunehmend Sorgen bereiten. Sie hatte Anfang Mai auf eine weitere Anhebung des Leitzinses verzichtet, offenbar auch mit Rücksicht auf die Problemstaaten am Rande der Eurozone. Analysten erwarten, dass die Zentralbank im Juli das Geld erneut verteuern wird, um die Inflation zu dämpfen.

Finanztitel schwach - Deutsche Börse im Aufwind

Diese Nachrichten belasteten insbesondere die Finanztitel im Dax, der sich bis zum Abend allerdings wieder auf 7.387 Punkte herankämpfen konnte, nachdem er im Tagesverlauf kurzzeitig bei 7.285 Punkten gestanden hatte. Er ging mit einem moderaten Minus von 0,2 Prozent aus dem Handel.

Die Aktien der Commerzbank rutschten zeitweilig um 5,6 Prozent auf ein Zwei-Jahres-Tief von 3,76 Euro. Händlern zufolge trug dazu auch die bevorstehende Kapitalerhöhung bei. "Wir werden eine sehr extreme Verwässerung sehen", sagte ein weiterer Händler. Die Titel der Deutschen Bank verloren ebenfalls 0,6 Prozent auf 46 Euro. Auch die Energiekonzerne E.ON und RWE standen auf der Verliererliste - es mehren sich die politischen Stimmen, dass es zu einem frühen Atomausstieg ohne Revisionsmöglichkeit kommen könnte.

Im Fokus standen die Aktien der Deutschen Börse. Der Frankfurter Börsenbetreiber hat plötzlich freie Bahn für die geplante Fusion mit NYSE Euronext, worauf die Titel am Nachmittag in der Spitze um 4,88 Prozent auf bis zu 57 Euro in die Höhe schossen. Kurz zuvor hatten die beiden US-Wettbewerber Nasdaq OMX und ICE nach Gesprächen mit den US-Kartellbehörden ihr Gegengebot für die NYSE zurückgezogen. Die Papiere der Deutschen Börse gingen mit einem Plus von 3,5 Prozent aus dem Handel.

Rückschlag für die US-Industrie

Die deutsche Industrie hingegen nähert sich einem Beschäftigungsrekord. Im März zählten die Betriebe des verarbeitenden Gewerbes rund 5,03 Millionen Mitarbeiter - 119.000 oder 2,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, teilte das Statistische Bundesamt am Montag mit. Im Februar war erstmals seit knapp anderthalb Jahren die Marke von fünf Millionen überschritten worden. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet im Jahresschnitt mit fast 100.000 neuen Jobs. Der unmittelbar vor Ausbruch der Finanzkrise im September 2008 erreichte Höchststand von knapp 5,3 Millionen rückt damit greifbare Nähe.

Die Industrie in einer der Schlüsselregionen der USA hat im Mai überraschend deutlich an Schwung verloren. Der Index für das verarbeitende Gewerbe im US-Bundesstaat New York sank auf 11,88 Punkte von 21,70 Zählern im April, wie die New Yorker Federal Reserve am Montag mitteilte. Es war der niedrigste Stand seit Dezember 2010. Analysten hatten mit einem Rückgang auf 19,85 Punkte gerechnet. Der Teilindex für die Beschäftigung stieg auf den höchsten Stand seit Mai 2004. Rund 70 Prozent der Firmen spürten steigende Kosten. Die Daten gelten als Frühindikator für die gesamte Industrie in den USA.

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  • ein schwacher Dollar verteuert Rohstoffe,teure Rohstoffe implizieren grosse Nachfrage,Nachfrage bedeutet Wachstum,steigende Aktienkurse etc in den USA und da der Dax den USA nur hinterläuft macht der DAX eben dass was Dow/S&P etc machen.
    vice versa:Ein schwacher Euro bedeutet hingegen fallende aktienkurse in den USA,also auch in D.
    Dass mit einem schwachen Euro die Rohstoffpreise zurückgehen,Exporte vorteilhafter werden,die Firmen dadurch mehr gewinne machen sollten....EGAL,denn der DAX läuft nur den USA hinterher

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