Börse Frankfurt
Dax im Kreuzfeuer

Ein schwerer Tag für den Dax: Schwache Daten aus Asien und erschreckende Meldungen aus dem Euro-Raum ließen die Kurse einknicken. Viele Anleger sichern bereits ihre Gewinne ab. Der Dax schließt unter 9700 Punkten.
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FrankfurtIn Frankfurt wächst von Tag zu Tag der Verkaufsdruck. Heute schloss der Dax rund 1,5 Prozent tiefer auf 9659 Punkten. Mit Ausnahme des gestrigen Handelstages beherrschen seit Wochenanfang nervöse Gewinnmitnahmen den Leitindex. Insgesamt belaufen sich die Verluste in der laufenden Woche auf über drei Prozent.

In der zweiten Reihe sah es heute nicht besser aus. Der MDax ging mit einem Verlust von 0,9 Prozent auf 16.280 Punkten aus dem Handel. Der TecDax beendete den Tag sogar 2,1 Prozent niedriger auf 1267 Zählern.

Die Gründe für die miese Stimmung an den Märkten sind vielfältig. „Der Markt ist charttechnisch angekratzt, außerdem vermiesen die jüngsten Konjunkturdaten aus Asien die Stimmung“, sagte ein Frankfurter Händler. Auch die zunehmende Eskalation der Gewalt im Nahen Osten führe dazu, dass die Anleger Risiken meiden, kommentierten die Analysten der Helaba. Andere Händler machten auch schwache Daten zur Industrieproduktion im Mai aus Frankreich und Italien für den Kurssturz verantwortlich.

Aufgeschreckt werden die Anleger zudem von besorgniserregenden Meldungen aus dem Euro-Raum. Ihr Ursprung: Portugal. Am Vormittag wurden Aktien und Anleihen der Espirito Santo Financial Group (ESFG) wegen „wesentlicher Schwierigkeiten“ der Muttergesellschaft Espirito Santo International (ESI) vom Handel ausgesetzt. Gegen Letztere ermitteln die Behörden wegen „erheblicher Unregelmäßigkeiten“. ESFG ist Hauptaktionär der Banco Espirito Santo (BES), der größten börsennotierten Bank Portugals. Das Institut wird ab November von der Europäische Zentralbank (EZB) beaufsichtigt und soll daher auch dem Stresstest unterzogen werden.

Die Probleme der Espirito Santo International weckten bei einigen Anlegern alte Geister wach. „Die Angst vor einem neuen Ausbruch der Schuldenkrise in Europa geht um“, sagte ein Börsianer. Händler gehen allerdings nicht davon aus, dass die Turbulenzen im portugiesischen Bankensektor zu einer Finanz- und Schuldenkrise auswachsen, wie sie die Märkte vor einigen Jahren im Griff hatte. „Aber die Erinnerung daran macht die Leute nervös“, sagte ein Experte.

Deutsche Bank-Titel hatten heute dementsprechend einen schweren Stand. Die Commerzbank rutschte in einem komplett negativen Markt rund zwei Prozent ins Minus. Die Deutsche Bank schloss ebenfalls zwei Prozent tiefer. Der europäische Branchenindex Stoxx 600 Banks fiel 1,7 Prozent ins Negative.

Die Commerzbank wurde heute zusätzlich von einem Reuters-Bericht belastet, dem zufolge die amerikanischen Sanktionen die Commerzbank härter treffen, als zunächst angenommen. Die Bank hat zwar Rücklagen von insgesamt 934 Millionen Euro aufgebaut, die die Geldbuße von 450 bis 600 Millionen Euro deckt, allerdings hat die Commerzbank für die Strafen im Vorfeld lediglich ein Drittel der Summe eingeplant.

Viele Anleger zeigen inmitten der nervös gewordenen Marktlage wieder ein größeres Interesse an Gold. Die Risikoaversion nehme zu, stellte Analyst Christian Schmidt von der Helaba in Frankfurt fest. Investoren flüchten daher in das als sicher geltende Gold. Am Abend stieg der Preis für eine Feinunze Gold um 1,2 Prozent auf 1341 Dollar.

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