Börse Frankfurt
Dax knickt weiter ein - unter 5.200 Punkte

Nach einem anfänglichen Erholungskurs hat sich der Dax doch wieder für die Talfahrt entschieden. Erneut überwiegen die Ängste um Rezession und Schuldenkrise und auch Dax-Schwergewicht Bayer trägt seinen Teil bei.
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FrankfurtNach dem herben Kurssturz vom Vortag hat sich der deutsche Aktienmarkt nach einer längeren Phase im Plus am Dienstag weiter abgeschwächt. Der Leitindex Dax zeigte sich schwankungsanfällig und schloss ein Prozent tiefer bei 5.193 Punkten, nachdem er in den vergangenen drei Handelstagen bis zu zehn Prozent an Wert eingebüßt hatte. Die Stimmung bleibe aufgrund schwelenden Ängste vor einer Rezession und einer Ausbreitung der Schuldenkrise fragil, betonte ein Börsianer. Der MDax sank an diesem Dienstag um 0,8 Prozent auf 8.335 Punkte. Der TecDax verlor ebenso 0,7 Prozent auf 692 Punkte zu.

Zusätzlich belastet wurde der Index von einem Kursrutsch der schwergewichtigen Bayer-Aktien. Mit den massiven Verkäufen reagierten Anleger auf den stockenden Zulassungsprozess von Bayers Hoffnungsträger Xarelto in den USA. Xarelto ist ein Schlaganfall-Medikament. „Neben dem Kursrutsch bei Bayer drückt die Diskussion um eine Rekapitalisierung von Banken auf die Stimmung“, sagte ein Händler.

Für etwas Aufwind sorgte eine zeitlang die Schweizer Nationalbank (SNB), die am Dienstag einen angestrebten Mindestkurs des Franken zum Euro festgesetzt hatte. Gold als Barometer für die Risikoaversion der Anleger kam daraufhin etwas von seinem am Morgen erreichten Rekordhoch zurück. Auch ein besser als erwartet ausgefallener ISM-Index für die Dienstleistungsbranche in den USA hatte den Dax am Dienstagnachmittag kurzzeitig leicht ins Plus drehen lassen.

Der ISM-Index stieg im August auf 53,3 Punkte, Analysten hatten nur mit 51 Zählern gerechnet. Der Anstieg sei überraschend und grundsätzlich positiv zu beurteilen, erklärte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg. „Zusammen mit dem ISM-Index des Verarbeitenden Gewerbes liefern die Einkaufsmanagerindizes keinen Hinweis auf einen unmittelbaren Einbruch der Geschäftstätigkeit.“ Dennoch sei fraglich, ob die im Markt grassierenden Rezessionssorgen dauerhaft gedämpft werden.

Bayer mit größtem Kurssturz seit drei Jahren

Der zeitweilige Absturz von Bayer um 13,4 Prozent ist der größte Kurseinbruch für die Aktien des Pharma- und Chemiekonzerns seit Oktober 2008. Mit 35,36 Euro notierten die Titel zudem so niedrig wie seit Juli 2009 nicht mehr. Am Ende lag der Tagesverlust bei 7,5 Prozent. Laut Händlern wurde damit eine Marktkapitalisierung von vier Milliarden Euro weggewischt. Am Markt wurde befürchtet, dass sich nach kritischen Fragen der US-Gesundheitsbehörde FDA zum Bayer-Präparat Xarelto des Marktstart des Mittels verzögern könnte. Ein Händler sagte, er halte den Kurssturz jedoch für etwas übertrieben. Die Aktien des US-Partners Johnson & Johnson verloren lediglich 1,6 Prozent.

Die FDA teilte am Dienstag mit, sie habe an Bayer und seinem US-Partner Johnson & Johnson noch weitere Fragen zum Zulassungsantrag für Xarelto. Das Mittel ist einer der größten Hoffnungsträger des Leverkusener Konzerns. Am Donnerstag tritt bei der US-Behörde ein unabhängiges Expertengremium zusammen, um über den Zulassungsantrag für das Medikament zu beraten. Auf Grundlage der Empfehlung dieses Gremiums entscheidet die FDA dann über die Zulassung. In ihrer Mitteilung wies die FDA daraufhin, dass das Blutungsrisiko bei dem Präparat ein wichtiges Sicherheitsthema sei.

Industrieaufträge im Juli überraschend deutlich gesunken

Die Auftragseingänge in der deutschen Industrie sind im Juli zum Vormonat wegen einer schwachen Auslandsnachfrage überraschend deutlich gesunken. Im Monatsvergleich seien die Neuaufträge bereinigt um 2,8 Prozent abgerutscht, teilte das Wirtschaftsministerium am Dienstag nach vorläufigen Daten in Berlin mit. Im Vormonat waren die Aufträge noch um 1,8 Prozent zum Vormonat gestiegen. Anders als in den Vormonaten sei der Anteil an Großaufträgen am Ordervolumen im Juli nur durchschnittlich gewesen, teilte das Ministerium weiter mit. Der Rückgang sei „allein auf die schwache Auslandsnachfrage zurückzuführen“, die das Ministerium auf minus 7,4 Prozent bezifferte. Zuvor habe der Auftragseingang aus dem Ausland allerdings auch extrem stark zugenommen.

Schweizer Notenbank setzt Euro-Wechselkursziel fest

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat in ihrem Kampf gegen die Frankenstärke einen Wechselkurs zum Euro festgelegt und will diesen mit allen Mitteln durchsetzen. Die SNB toleriere ab sofort keinen Euro-Wechselkurs unter 1,20 Franken mehr, teilte sie mit. „Die Nationalbank wird den Mindestkurs mit aller Konsequenz durchsetzen und ist bereit, unbeschränkt Devisen zu kaufen“.

Griechenland besorgt sich 1,3 Milliarden Euro am Geldmarkt

Das hoch verschuldete Griechenland hat sich am Geldmarkt mit 1,3 Milliarden Euro eingedeckt. Für die Papiere mit einer Laufzeit von sechs Monaten wurden die Investoren mit einer Rendite von 4,8 Prozent gelockt. Bei der vorangegangenen Auktion im August waren es noch 4,85 Prozent, teilte die mit dem Schuldenmanagement des Staates beauftragte Finanzagentur am Dienstag mit. Die Nachfrage übertraf das Angebot um mehr als das Dreifache und war damit fast genauso stark wie zuvor. Knapp ein Drittel der Papiere wurden von Ausländern erworben, sagte der Chef der Finanzagentur, Petros Christodoulou. Das gegen eine Pleite kämpfende Griechenland ist seit mehr als einem Jahr vom Anleihemarkt abgekoppelt, weil Investoren das Risiko scheuen. EU, Internationaler Währungsfonds und die Euro-Staaten hatten deshalb im Mai 2010 ein Rettungspaket über 110 Milliarden Euro geschnürt, um das Land liquide zu halten.

Goldpreis steigt auf neues Rekordhoch

Der Goldpreis ist am Dienstag auf ein neues Rekordhoch gestiegen. In der Spitze kostete eine Feinunze (rund 31 Gramm) des Edelmetalls 1920,25 US-Dollar. Damit wurde der jüngste Rekord, der vor zwei Wochen bei rund 1913,50 Dollar erreicht wurde, deutlich übertroffen. Allein seit dem vergangenen Freitag hat der Goldpreis um 90 Dollar oder fast fünf Prozent zugelegt. Ausschlaggebend sind die Angst vor einem Rückfall der Weltwirtschaft in die Rezession und die anhaltende europäische Schuldenkrise.

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Aktienrückkauf beflügelt Gagfah

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  • Lieber Guenni,
    obwohl es dich nicht interessiert: Es ist die reine Schadenfreude. LOOOOOOOOL

  • mit der Dauerrettung haben die den Euro zu einen Dauerpatienten gemacht . So ist es leicht dagegen Stimmung zu machen . Wer gerettet werden muss ist in Not .
    Oder ?
    Eurobonds zB oder mehr Gemeinschaft mehr Einigkeit wuerde helfen . Was das alles Kosten wird ist das was wir daraus machen . Und wie wir es machen .Und wie wir darueber Denken . Wir die Menschen in Europa .
    Das heisst . Ist Griechenland ein Teil der US of Europa liegt es an uns , an der Regierung in Europa wie und was die mit dem Patienten machen .
    Aber wenn Frau Merkel sagt am Ende eines Prozesses .
    Ein Ende gieb es da nicht .

  • Irgendwie verstehe ich dein Problem nicht...
    Wenn ich's mir recht überlege...will ich das aber auch gar nicht...

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