Börse Frankfurt
Dax kommt 10.000er Marke gefährlich nahe

So schnell kann es gehen. Aus der Ernüchterung um die Notenbanksitzungen zur Wochenmitte entwickelte sich eine richtige Katerstimmung. Der Dax baute am Freitag immer weiter ab und verlor am Ende nahezu drei Prozent.

FrankfurtDer Dax ist zum Wochenausklang regelrecht eingebrochen. Die Enttäuschung, ob der ernüchternden Notenbanksitzungen aus der Wochenmitte, wirkte nach und drückte die Stimmung immer weiter. Europas Anleger unternahmen erst gar nicht den Versuch, sich den schwachen Vorgaben zu widersetzen. Vor allem die Nullrunde des Bank Of Japan drückte aufs Gemüt. Der Dax lief lange Zeit bei gleichbleibenden Verlusten, rauschte ab dem Nachmittag kontinuierlich weiter ab. Am Ende schloss der Leitindex 2,7 Prozent tiefer bei 10.038 Punkten. Zum einen lag der nachmittägliche Absturz an schwachen US-Daten, zum anderen möglicherweise aber auch an offiziellen Aussagen, die eine frühzeitige Zinserhöhung wieder ins Spiel brachten.

So zeigte sich der als geldpolitische Falke bekannte Chef der Fed-Filiale von Dallas, Robert Kaplan, weiteren Zinsschritten schon im Sommer nicht abgeneigt. „Nach meiner Kenntnis dürfte der Markt unterschätzen, wie schnell die Fed handeln kann“, so Kaplan. Dabei sei das gestern bekanntgegebene schwache Wirtschaftswachstum der USA im ersten Quartal kein unmittelbarer Hinderungsgrund, die im Dezember eingeschlagene Zinswende nicht weiter zu forcieren. An den Märkten wird derzeit erst für September mit einer Zinserhöhung gerechnet. Viele Volkswirte halten jedoch auch einen Schritt im Juni oder Juli für möglich.

Damit blieben letztlich doch die Notenbanken das bestimmende Thema am Freitag. Die vielen Konjunkturdaten, die heute anstanden, konnten den Fokus nicht verschieben. Und das obwohl gerade wichtige Daten aus Europa überzeugen konnten. So verdoppelte sich das Wachstumstempo der Euro-Zone im ersten Quartal auf 0,6 Prozent. „Das ist überraschend viel und deutlich über dem Trend. Zudem hat sich das Wachstum - anders als in den USA und Großbritannien - zu Jahresbeginn beschleunigt“, schätze Holger Sandte von der Nordea ein.  

Vor allem die mit Schwierigkeiten kämpfenden Schwergewichte Spanien und Frankreich zeigten sich in guter Verfassung. Die iberische Wirtschaft wuchs im ersten Quartal des Jahres um 0,8 Prozent und übertraf damit leicht die Prognosen der Ökonomen. Im Vergleich zum Vorjahr ergibt sich damit ein kräftiges Plus von 3,4 Prozent – der Spitzenwert in der Währungsgemeinschaft. Auch die Grande Nation wuchs mit 0,5 Prozent mehr als erwartet, dank gestiegener Konsumausgaben der Haushalte. Auch die Arbeitslosenquote im gesamten Euro-Raum fiel mit 10,2 Prozent 16,4 Millionen Menschen und auf den tiefsten Stand seit 2011.

Den Kursen indes half das nicht. Dafür blieb das Marktumfeld zu widrig. Auch vom Devisenmarkt kam Druck. Dort verteuerte sich der Euro um 0,8 Prozent auf 1,1444 Dollar, was der traditionell exportorientierten deutschen Wirtschaft zu schaffen macht. Durch die Bank weg gab es breite Abschläge zu verzeichnen. Der Euro-Stoxx-50 verlor 3,1 Prozent auf 3028 Punkte. Die zweite Frankfurter Reihe hingegen baute die Verluste nicht so weit aus: Der MDax gab 1,5 Prozent nach auf 20.100 Punkten, der TexDax verlor 1,5 Prozent bei dann 1624 Stellen.

Beim Thema Wachstum verarbeiteten die Märkte heute aber nicht europäischen Input. Wie Frankreich wuchs auch die US-Ökonomie um 0,5 Prozent, wie das verantwortliche Handelsministerium am gestrigen Donnerstag mitgeteilt hatte. Doch hier sorgte der Wert für Enttäuschung, Ökonomen sahen das BIP bei einem Plus von mindestens 0,7 Prozent. Der starke Dollar machte vor allem den Exporteuren das Leben schwer, sie Ausfuhren sanken um 2,6 Prozent. Die Verbraucher erwiesen sich weiter als Stütze der Konjunktur.

Damit dürfte sich die Währungshüter der Fed in ihrem vorsichtigen Kurs bestätigt sehen. Die Märkte rechnen erst im Sommer mit einer nächsten Erhöhung der Leitzinsen. Seit der im Dezember eingeläuteten Zinswende hatten sich die Geldpolitiker wegen internationaler Finanzmarktturbulenzen gegen weitere Schritte ausgesprochen.

Im Frühjahr dürfte die Konjunktur aber wieder deutlicher anziehen, viele Barometer deuten darauf hin. Vor allem der Arbeitsmarkt, der sich der Vollbeschäftigung nähert, liefert Indizien für eine gute Verfassung der weltgrößten Volkswirtschaft. Heutige Eingaben wie die monatlichen Konsumausgaben blieben aber hinter den Erwartungen zurück.

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