Börse Frankfurt
Dax kommt mit blauem Auge davon

Europas Börsen fehlt weiterhin die Stabilität. Der Dax hatte mit großen Verlusten zu kämpfen. Kurz vor Handelsschluss brachten sich die Anleger aber für den nächsten Handelstag in Position und schoben den Dax an.
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DüsseldorfNach einem wechselhaften Start mit Kursgewinnen bis zu 1,6 Prozent, drehte der Dax am Mittag kräftig ins Minus. Lange kroch der Leitindex im Minusbereich vor sich hin und markierte sein Tagestieg bei 5.852 Punkten. Die Anleger warteten auf neue Impulse, die jedoch blieben weites gehend aus. Vor Handelsschluss richteten die Anleger dann ihre Depots auf den morgigen Handelstag aus und kauften wieder Aktien ein. Am Ende kam der Dax mit einem Minus von 0,3 Prozent auf 5.913 Punkte mit einem blauen Auge davon. In der zweiten Reihe hielt der MDax mit einem Minus von 0,4 Prozent auf 8.861 Punkte seine Verluste auch relativ klein und der TecDax schaffte mit 0,4 Prozent auf 688 Zähler sogar den Sprung ins Plus.

Die US-Börsen starteten schwach, reduzierten aber im fortlaufenden Handelsverlauf ihre Verluste. Nach Frankfurter Börsenschluss lag der Dow Jones Index der Standardwerte 0,5 Prozent auf 12.031 Punkte im Minus, der breiter gefasste S&P-500 sank ebenfalls 0,5 Prozent auf 1.251 Zähler und der Nasdaq-100 notierte 0,6 Prozent schwächer auf 2.354 Punkte.

Grund für den volatilen Handel heute und in den letzten Tagen sind weit verbreitete Unsicherheiten an den Märkten in Bezug auf Italien und Griechenland. Solange in den südeuropäischen Staaten keine halbwegs stabile politische sowie finanzielle Lage zustande kommt, wird es für die Anleger schwer bleiben das Marktgeschehen einzustufen. Folglich geht mit jeder neuen Meldung aus den Krisenstaaten ein volatiler Handel an den Börsen Europas einher. Zuerst kaufen die Anleger nach guten Meldungen kräftig ein, kurze Zeit später nehmen sie ihre Gewinne mit, weil entweder keine oder schlechte Nachrichten folgen. "Wir brauchen glaubwürdige politische und wirtschaftliche Lösungen, bevor die Börsen wieder wirklich steigen können," erwähnte ein Händler treffend.

Dämpfend für die Stimmung an den Märkten wirkte sich am Mittwoch auch eine Äußerung von EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso aus. Er sieht die EU mit einer „wahrhaft systemischen Krise konfrontiert“.

Von Seiten der Krisenländer kamen heute die ersten Meldungen aus Italien. Dort wurde am frühen Nachmittag die neue Regierung ernannt. Das Besondere an ihr: Es fehlen wirkliche Politiker. Mario Monti, der neben dem Amt der Ministerpräsidenten auch den Vorsitz der Wirtschaftsministeriums übernehmen wird, hat eine Gremium von Technokraten um sich gebildet, die den angeschlagenen Staat wieder auf Vordermann bringen soll. Am frühen Abend wurde die Regierung vereidigt.

Am Abend steht dann wieder Griechenland im Fokus. Dort wird sich die neue Regierung um Ministerpräsident Lucas Papademos erstmals einer Vertrauensabstimmung stellen. Das Ergebnis dieser Abstimmung könnte kursbewegend für den morgigen Handelstag werden.

Für die Anleger standen heute vor allem die europäischen Staatsanleihen, insbesondere die von Italien im Fokus. Zwar sanken die Renditen der Italienanleihen seit dem Rücktritt Berlusconis von 7,5 auf 7,14 Prozent, doch sie bewegen sich damit immer noch auf einem beängstigend hohem Niveau. Außerdem wurde bekannt, dass die Zinsausschüttung auf italienische Staatsbonds infolge eines Anleiheaufkaufprogramm der Europäischen Zentralbank gesunken seien. Wohl auch deswegen konnten die Börsianer der neuen Regierung Italiens noch kaum etwas positives abgewinnen. Ob das Technokratengremium die Lage Italiens verbessern kann, wird sich erst in den nächsten Tagen zeigen. Bis dahin bleiben viele Anleger skeptisch.

Dass das Misstrauen der Anleger weiter hoch ist, zeigte sich besonders an den Bondmärkten in Finnland, Niederlande und Österreich. Dort divergieren die Renditen für Staatsanleihen im Vergleich zu den Bundesanleihen immer stärker. „Die Spreadausweitungen, die inzwischen auch die solidesten EWU-Mitgliedsstaaten - Niederlande, Finnland, Österreich - gegenüber Bundesanleihen zur Kenntnis nehmen müssen, sind insgesamt als Misstrauensvotum gegenüber der Währungsunion zu werten“, schrieb Helaba-Analyst Ralf Umlauf in einem Kommentar. Französische Staatspapiere liefen ebenfalls schlecht. Mit einer Zinsausschüttung von 3,86 Prozent lag die Rendite höher, als nach der vermutlichen Falschmeldung einer Abstufung Frankreichs durch die Ratingagentur Standard&Poor's.

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Q-Cells-Aktien spielen heute wieder verrückt

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  • Ich bin vielleicht kein Profi, aber ich mache nach 17:30 regelmäßig Profit, insbesondere in der crazy hour der Amis. Und da Profis Mrd verzocken, finde ich mein Resultat ansprechend. Ciao@all

  • Wer solche Freunde wie Juncker hat, braucht keine Feinde.

  • @Manu

    Daher gedrittelter Einstieg...

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