Börse Frankfurt
Dax kratzt wieder am Rekordhoch

Erst ohne Impulse, kurz vor Handelsschluss der Senkrechtstart: Der Dax startet ruhig in den Freitag, schließt aber nur knapp unter der neuen Rekordmarke. Und doch ist es der TecDax, der dem Leitindex die Show stiehlt.
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FrankfurtLange dümpelte der Dax am Freitag vor sich hin. Auf dem Parkett gab es kaum Bewegung, der Leitindex notierte fast den gesamten Handelstag nahe der Vortagesmarke. Am späten Freitagnachmittag allerdings hievten Anleger den Dax erkennbar in die Gewinnzone – das wichtigste deutsche Börsenbarometer ging letztlich mit einem Plus von 0,47 Prozent bei 12.770 Punkten aus dem Handel. Das am Dienstag erklommene Rekordhoch von 12.783 Punkten war da schon fast wieder Geschichte.

Commerzbank-Analyst Andreas Hürkamp beurteilte die Aussichten für die europäischen Börsen optimistisch. „Denn angesichts der niedrigen Renditen am Geld- und Anleihenmarkt fehlen die Anlagealternativen.“ Der MDax der mittelgroßen deutschen Werte legte 0,16 Prozent auf 24.947 Stellen zu, der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gewann 0,3 Prozent auf 3634 Punkte.

Daneben hielten ermutigende Konjunkturdaten Investoren bei Laune. Die deutsche Wirtschaft wuchs im ersten Quartal um 0,6 Prozent – so stark wie seit einem Jahr nicht mehr. „Die Unternehmen kommen in Investitionslaune“, urteilte Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. „Die Hoffnung wächst, dass es zu einem sich selbst verstärkenden Aufschwung kommt.“

Wasser in den Wein gossen allerdings die US-Konjunkturdaten. Die dortigen Verbraucher gaben im April 0,4 Prozent mehr aus als im Vormonat. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem Plus von 0,6 Prozent gerechnet. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft. Gleichzeitig lag die Inflation bei wie erwartet bei 0,2 Prozent. Dies dämpfte Spekulationen auf rasche Zinserhöhungen der Notenbank Fed und drückte den Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, 0,5 Prozent ins Minus auf 99,174 Punkte. Der Euro verteuerte sich im Gegenzug um mehr als einen halben US-Cent auf 1,0931 Dollar.

Den kräfitgsten Sprung verzeichnete der TecDax: Technologiewerte waren gefragt wie seit langer Zeit nicht mehr und hievten den Index um drei Prozent rauf auf 2210 Punkte – erstmals seit den Zeiten des neuen Marktes über die Marke von 2200. Treiber der starken Entwicklung zum Wochenausklang sind Übernahmepläne: Der Telekom- und Internetkonzern United Internet will das Mobilfunkunternehmen Drillisch schlucken. Die Aktien der beiden Unternehmen legten jeweils im zweistelligen Prozentbereich zu. „Der Deal macht absolut Sinn“, urteilte ein Händler. „Damit entsteht ein neuer großer Spieler am Markt.“

Einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge nimmt der US-Mobilfunker Sprint einen neuen Anlauf für einen Zusammenschluss mit T-Mobile US. Deren Muttergesellschaft Deutsche Telekom, die prinzipiell offen für einen solchen Deal ist, wollte sich zu diesem Thema nicht äußern. Die T-Aktie stieg dennoch um 4,9 Prozent auf 17,53 Euro. Das ist der höchste Schlusskurs seit zwei Jahren – und die unangefochtene Dax-Spitze am Freitag. Spring gewannen in den USA 1,6 Prozent, T-Mobile bröckelten dagegen um 0,3 Prozent ab.

Derweil setzte sich die Berichtssaison im Leitindex fort. ThyssenKrupp hat Anleger mit seinen Zahlen und einer höheren Ergebnisprognose nicht überzeugen können. Die Aktien rutschten am Freitag um bis zu 5,5 Prozent auf ein Fünfeinhalb-Monats-Tief von 21,05 Euro ab. „Der Markt ist enttäuscht, er hat mehr erwartet“, sagte ein Händler. Im Tagesverlauf konnte ein Teil der Verluste wettgemacht werden, bei Handelsschluss bleibt aber ein Abstrich von vier Prozent. Der Versicherer Allianz und die Deutsche Wohnen legten stabile Zahlen vor.

Leonidas Exuzidis
Leonidas Exuzidis
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ja, halten sie den alten Dax gut fest, sonst fällt er vor Schwäche um.

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