Börse Frankfurt
Dax legt Atempause bei der Rekordjagd ein

Aktienanleger haben am Mittwoch die Jagd auf ein neues Dax-Allzeithoch verschoben. Für ein Störfeuer sorgte US-Präsident Donald Trump. Am Anleihemarkt griffen Investoren wieder verstärkt zu griechischen Papieren.
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FrankfurtDie überraschende Entlassung des FBI-Chefs durch den US-Präsidenten Donald Trump hat Anleger am Mittwoch in Unruhe versetzt. „Das ist zwar eher eine politische als eine Markt-Geschichte“, sagte James Hughes, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses GKFX. „Aber es erzeugt Unsicherheit, die als Wolke über allen Aktionen des Präsidenten schwebt.“

Dax und Euro Stoxx 50 bewegten sich allerdings kaum und hielten sich mit 12.757 und 3642 Punkten in Reichweite ihrer jüngsten Hochs. Börsianer verwiesen auf ermutigende Firmenbilanzen und positive Konjunkturaussichten. Außerdem sei die Erleichterung über den Sieg des Europa-Befürworters Emmanuel Macron bei der französischen Präsidentenwahl immer noch spürbar. „Viele internationale Investoren haben zuletzt einen Bogen um Europa gemacht und sollten nun an die Aktienmärkte zurückkehren“, sagte Finanzmarkt-Experte Michael Broes vom Vermögensverwalter Degroof Petercam.

Der umstrittene FBI-Chef James Comey muss dem US-Präsidialamt zufolge wegen seines Vorgehens in der E-Mail-Affäre um Hillary Clinton seinen Hut nehmen. Die Opposition wirft Trump vor, mit der Personalie sollten die aktuellen Ermittlungen des FBI wegen möglicher Einflussnahme Russlands auf die US-Präsidentschaftswahl vom November behindert werden.

Die Investoren hätten sich zuletzt darauf eingestellt, dass Trump sich nun seinen Wirtschaftsplänen widme, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. „Sollte der Fokus wieder auf politische Streitigkeiten wandern, würde dies die Wall Street belasten.“ In der Hoffnung auf einen US-Wirtschaftsboom haben die Börsen in den vergangenen Monaten weltweit zugelegt.

Am Anleihemarkt griffen Investoren wieder verstärkt zu griechischen Papieren. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Titel am Mittwoch auf ein Zweieinhalb-Jahres-Tief von 5,616 Prozent. „Es herrscht Erleichterung, dass Griechenland seine Hilfszahlungen erhält, um über den Sommer zu kommen“, sagte Anlagestratege Martin van Vliet von der ING Bank. Anfang Mai hatte die Athener Regierung nach zähen Verhandlungen den Reformstreit mit ihren Geldgebern beigelegt. Der kriselnde Mittelmeer-Anrainer muss im Juli fällige Kredite im Volumen von 7,5 Milliarden Euro zurückzuzahlen. Der Euro stagnierte am Mittwoch bei 1,0878 Dollar.

Zu den Favoriten am deutschen Aktienmarkt zählte Leoni. Ein verdoppelter Quartalsgewinn hievte die Titel des Kabel-Spezialisten zum Handelsschluss auf ein Eineinhalb-Jahres-Hoch von 55,20 Euro. Die Zahlen seien besser ausgefallen als erwartet, urteilte DZ Bank-Analyst Michael Punzet.

Lange Gesichter dagegen bei Brenntag. Der weltgrößte Chemikalienhändler hatte zwar mehr verdient und umgesetzt. Doch sprachen Börsianer von einem durchwachsenen Bericht und kritisierten vor allem die Entwicklung der Geschäfte in Nordamerika. Die Aktie fiel um 3,7 Prozent.

Auch der Internet-Modehändler Zalando musste hohe Kurseinbußen verkraften. Den Aktien, die 2,5 Prozent schwächer notierten, nahm eine etwas verhaltenere Studie von Goldman Sachs den Wind aus den Segeln. Tags zuvor hatten sie mit 41,79 Euro noch eine neue Bestmarke erreicht.

Anhaltend stark präsentierten sich im TecDax zunächst die Anteile von Evotec, die letztendlich 8,5 Prozent zulegten. Das Biotechnologie-Unternehmen war mit einem kräftigen Umsatz- und Gewinnsprung ins neue Jahr gestartet. An der Börse zählen die Evotec-Anteile schon seit geraumer Zeit zu den Lieblingen der Anleger. Seit Jahresanfang beläuft sich der Kursgewinn auf rund 58 Prozent. Noch besser sieht es auf Zwölfmonatssicht aus mit einem Zuwachs von 214 Prozent.

Die lange erwartete Fusionswelle in der Gewerbeimmobilienbranche kommt offenbar in Gang. Der Berliner Immobilieninvestor TLG steht Finanzkreisen zufolge unmittelbar vor dem Einstieg beim Konkurrenten WCM. Beide Papiere sind im SDax notiert. WCM-Aktionäre durften sich schon am heutigen Handelstag freuen: Das Papier stieg um mehr als sieben Prozent und erreichte zwischenzeitlich ein neues Allzeithoch mit 3,50 Euro. Der Kurs des TLG-Papiers fiel hingegen um 1,7 Prozent auf 18,99 Euro.

Dank eines robusten Kreditwachstums steigerte die ING Bank ihren Vorsteuergewinn um 39 Prozent und damit stärker als gedacht. Dies trieb die Titel gegen den Branchentrend 3,4 Prozent ins Plus.

Bei der Deutschen Bank sorgte ein Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg für Aufregung, dem zufolge Großaktionär Katar seinen Anteil aufstocken will. Insidern zufolge hat das Emirat allerdings bislang bei der Aufsichtsbehörde BaFin keinen Antrag gestellt, die Beteiligung an Deutschlands größtem Geldhaus auf mehr als zehn Prozent zu erhöhen. Die Aktie legte um 0,9 Prozent zu.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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