Dax-Bericht: Börsenbarometer legt einen Verschnauftag ein

Börse Frankfurt
Dax legt einen Verschnauftag ein

Angesichts enttäuschender Bilanzen großer Konzerne wie Deutsche Bank und Daimler halten sich die Anleger zurück. Der deutsche Leitindex verliert leicht. Dagegen bereitete die Infineon-Aktie den Anlegern Kauflaune.
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FrankfurtDax und Euro Stoxx 50 beendeten den heutigen Handelstag gegenüber dem Vortagsschluss nur wenig verändert. Der deutsche Leitindex verliert 0,3 Prozent bei 11.627, der europäische Leitindex schließt praktisch unverändert bei 3259 Punkte. „Nach der Rally seit der Wahl von US-Präsident Donald Trumps im November haben die Märkte immer noch nicht ordentlich konsolidiert. Das wäre eigentlich mal überfällig“, sagte ein Händler. Der Amtsantritt von Trump hatte weltweit an den Börsen Euphorie ausgelöst. Die Anleger setzten dabei vor allem auf massive Steuersenkungen und Infrastrukturmaßnahmen. Bei diesen beiden Punkten warte der Markt aber weiter auf Details.

Einige Börsianer macht allerdings auch der teils harsche Ton des neuen US-Staatsoberhaupts zu schaffen. Sie fürchten auch Handelskriege, die letztlich den Unternehmen schaden würden.

Die rote Laterne im Dax hielten mit einem Abschlag von zeitweise 7,1 Prozent die Aktien der Deutschen Bank. Das Papier ging mit einem Minus von 5,2 Prozent aus dem Handel. Den Deutschlands größtes Geldhaus kommt nicht aus den roten Zahlen. Der Verlust fiel mit 1,4 Milliarden Euro wesentlich höher als gedacht aus. „Die Zahlen waren sehr schlecht. Die Euphorie vorher war wohl auch zu hoch, die Aktien haben schon zu viele Vorschusslorbeeren bekommen“, sagte ein Händler mit Blick auf die Kursentwicklung seit September. Nach dem Sturz auf ein Rekordtief von unter zehn Euro haben die Titel seither kontinuierlich zugelegt und zeitweise sogar fast wieder die 20-Euro-Marke erreicht.

Besonders belastet wurde der Dax auch von der Enttäuschung über Daimler, deren Aktien um ein mehrfaches schwerer als die der Deutschen Bank gewichtet sind. Daimler brachen um 2,4 Prozent auf 68,10 Euro ein. Einige Börsianer kritisierten, dass die Dividende nicht erhöht worden sei. Anderen fehlte insgesamt ein positiverer Ausblick: Momentan sei es schwer abzusehen, wo beim Gewinn noch Wachstumsdynamik herkommen solle, sagte Analyst Arndt Ellinghorst von Evercore ISI. Bei dem Autobauer sind die Zeiten stürmischen Wachstums vorerst beendet.

Dagegen machte Infineon den Anlegern mit seinen Zahlen Kauflaune. Die Titel des Chipherstellers stiegen um 2,2 Prozent. Glänzende Geschäfte mit der Autoindustrie hatten den Bayern einen überraschend guten Start ins neue Geschäftsjahr beschert. Analysten rechneten damit, dass das auch künftig so weitergehen wird.

Eine Kaufempfehlung der US-Bank Goldman Sachs hat Anleger am Donnerstag zum Einstieg bei Salzgitter ermuntert. Die Aktien des Stahlkonzerns stiegen um bis zu sieben Prozent und waren mit 38,46 Euro so teuer wie zuletzt vor vier Jahren. Die Experten stuften die Papiere auf „Buy“ von „Sell“ hoch und erhöhten das Kursziel auf 45 von 26,50 Euro.

Der gute Lauf der Stahlwerte aus dem vergangenen Jahr werde sich 2017 fortsetzen, schrieb Goldman-Analyst Eugene King in einer Studie. Grund dafür sei unter anderem die Aussicht auf eine anziehende Nachfrage. Gleichzeitig reduzierten sich durch die Produktionskürzungen in China und Europa die weltweiten Überkapazitäten. Darüber hinaus stütze ein stärkerer und besserer Schutz vor Billig-Importen in den USA und Teilen Europas die Preise.

Vor diesem Hintergrund stufte King auch die Aktien von Arcelor-Mittal auf „Buy“ hoch und nahm sie in die Empfehlungsliste „Conviction Buy List“ auf. Das Kursziel stieg auf 9,30 von sechs Euro. Arcelor legten daraufhin an der Amsterdamer Börse 2,5 Prozent auf 7,52 Euro. Thyssen-Krupp stufte der Goldman-Analyst dagegen auf „Sell“ von „Neutral“ herunter und kürzte das Kursziel auf 20 von 22 Euro. Die Erwartungen an die geplante Zusammenarbeit mit Tata Steel seien überzogen. Thyssen-Titel verloren 1,2 Prozent auf 23,34 Euro.

In London löste Reckitt Benckiser mit seinen Fusionsplänen zeitweise einen Run auf seine Aktien aus: In der Spitze kletterten die Titel um mehr als fünf Prozent. Der Konsumgüterkonzern ist nach eigenen Angaben mit dem Babynahrungshersteller Mead Johnson Nutrition in fortgeschrittenen Fusionsverhandlungen. Mit dem Deal würde Reckit Benckiser - das Unternehmen stellt bislang Produkte wie Sagrotan oder Durex-Kondome her - nicht nur seine Präsenz in Asien stärken, sondern auch in ein völlig neues Geschäftsfeld vorstoßen.

Auch der der stärkere Euro belastet. Der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung stieg wieder über die Marke von 1,08 US-Dollar.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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