Börse Frankfurt: Dax legt mehr als drei Prozent zu

Börse Frankfurt
Dax legt mehr als drei Prozent zu

Nach dem hitzigen Donnerstag, der ganz im Zeichen der EZB-Geldflut stand, kühlen sich die Gemüter ab. Anleger kehrten heute zurück aufs Parkett und scheinen Draghis Bazooka doch zu feiern. Die Verluste sind Geschichte.

Frankfurt/DüsseldorfMit einiger Verspätung haben die Anleger Mario Draghi doch noch gefeiert. Sie kehrten zum Wochenausklang massenhaft auf das Parkett zurück. Dem Anschein nach hielten sie den gestrigen Ausverkauf für überzogen: Nachdem Mario Draghi und der EZB-Rat mit gleich mehreren Maßnahmen grünes Licht für eine beispiellose Geldschwemme gegeben hatten, preschte der Dax bis ganz knapp vor die 10.000-Punkte-Marke, ehe er völlig einbrach und ganze 500 Punkte verlor.

Genau diese Punkte holten sich der deutsche Leitindex am Freitag früh zurück. Und mehr als das. Das wichtigste Börsenbarometer der Bundesrepublik schloss 3,5 Prozent im Plus und mit 9831 Punkten. Damit steht der Dax ungefähr da, wo er bereits die Vorwoche beendet hatte. Vergangen Freitag schloss er den Handel auf 9824 Punkten.

Konjunkturdaten aus der ersten Reihe standen am Freitag an. So konnten sich die europäischen Börsen ganz der Abarbeitung des gestrigen Handels widmen, der wahrlich turbulent war.

Für die gestrige überraschende Kehrtwende samt Absturz waren zwei Gründe maßgeblich: Zum einen hatte EZB-Präsident Mario Draghi auf der Pressekonferenz nach der Verkündigung der Maßnahmen, die das Kursfeuerwerk kurz vorher entfacht hatten, betont, dass es nun keine Gründe mehr gebe, die Zinsen noch weiter zu senken. Damit sorgte er für große Ernüchterung auf den Märkten und der Rausch klang abrupt ab. Was übrig blieb, war die große Frage nach dem weiteren Weg. Denn die geldpolitischen Mittel der Euro-Währungshüter im Kampf für eine Zwei-Prozent-Inflation und eine brummende Konjunktur wirken ausgeschöpft. Das weitere Handelsgeschehen hängt maßgeblich davon ab, ob die Anleger Mario Draghi weiterhin vertrauen.

Zum anderen hatten in den USA starke Arbeitsmarktdaten die Börsianer überrascht. Damit wird eine mögliche Zinserhöhung der amerikanischen Notenbank Federal Reserve auf der nächsten Sitzung des zuständigen Offenmarktauschusses weiter wahrscheinlicher, was vor noch einem Monat angesichts heftiger Finanzmarktturbulenzen nahezu als ausgeschlossen galt, hörte man sich auf dem Parkett um. So schnell wendet sich das Blatt; und damit aber auch die Sorge, dass der nächste Schritt in der im Dezember eingeschlagenen US-Zinswende die Konjunktur gefährden könnte.

Dass die meisten Akteure nun auf die nächste Erhöhung der Leitzinsen in den Vereinigten Staaten spekulieren, offenbarte ein Blick auf den Devisenmarkt. Dort legte der Euro am Donnerstag die historisch stärkste Trendwende innerhalb eines Tages hin und gewann gegenüber dem Dollar ganze anderthalb Prozent – und das obwohl kurz vorher Mario Draghi nicht nur eine massive Ausweitung der monatlichen Anleihekäufe und eine Erhöhung des Strafzinses, dem negativen Einlagenzins für Geschäftsbanken, verkündete hatte, sondern auch die faktische Abschaffung des Leitzinses ausrief und eine gigantische neue Vierjahreskreditlinie für Geldinstitute bereitstellte. Auch hier schien sich der Markt am Freitag wieder abzukühlen. Zuletzt notierte der Euro 0,6 Prozent leichter bei 1,1107 Dollar.

Durch die Bank weg beruhigten sich die Handelsplätze in Europa zum Wochenende hin und machten die herben Vortagsverluste bis zum Vormittag nahezu vollständig wett. Der Leitindex der Währungsunion, der Euro-Stoxx-50, rückte 3,4 Prozent vor auf 3.071 Punkte. Auch die zweite Frankfurter Reihe meldete sich zurück. Der MDax notierte 3,4 Prozent höher bei 19.815 Zählern, der TecDax stieg um 3,3 Prozent auf 1619 Stellen.

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