Börse Frankfurt

Dax legt Rückwärtsgang ein

Der Kurssturz der Bayer-Aktie drückt die Stimmung der Anleger ebenso wie die Sorge um eine Leitzinserhöhung in den USA. Merck setzt sich an die Dax-Spitze. Der Euro notierte so niedrig wie seit sieben Wochen nicht.
Update: 19.05.2016 - 18:22 Uhr

Die Zinssorgen sind zurück

FrankfurtAngesichts wachsender Spekulationen auf eine baldige Zinserhöhung in den USA haben Europas Aktienanleger am Donnerstag wieder den Rückwärtsgang eingelegt. Der Dax fiel um 1,5 Prozent auf 9.796 Punkte, der EuroStoxx50 verlor 1,3 Prozent auf 2919 Zähler. Dabei drückte auch der Kurssturz beim Dax-Schwergewicht Bayer die Stimmung. Anleger fürchten, die geplante Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto könnte die Leverkusener teuer zu stehen kommen.

An der Wall Street notierten der Dow-Jones- und der S&P500-Index zum europäischen Handelsschluss je etwa ein Prozent schwächer. Dazu trug auch der enttäuschende Konjunkturindex der Fed von Philadelphia bei, der im Mai überraschend auf minus 1,8 Punkte fiel.
Die US-Notenbanker halten laut dem am Mittwochabend veröffentlichten Protokoll der April-Sitzung der Fed eine Zinserhöhung am 15. Juni für angebracht - sollte die Konjunktur weiter anziehen. „Die Zahlen heute waren aber nicht so überzeugend. Viele fürchten, dass die Weltwirtschaft eine weitere Zinserhöhung zum jetzigen Zeitpunkt nicht verkraften wird“, sagte ein Händler. Für Verunsicherung sorgt auch der Termin der nächsten Fed-Sitzung am 15. Juni - etwa eine Woche vor der Abstimmung der Briten über einen EU-Verbleib am 23. Juni. Das sorge zusätzlich für hohe Volatilität.

Wo Strategen den deutschen Leitindex Ende 2016 sehen
Jahresendprognosen
1 von 14

Wo geht die Reise hin? Die Analysten von 13 Bankhäusern haben den Jahresendstand des Deutschen Aktienindex (Dax) für 2016 prognostiziert. Die meisten Institute sehen die derzeitige Schwäche – am Dienstag stand der Dax zwischenzeitlich bei 9860 Punkten, im Dezember 2015 dagegen noch bei 10.743 – nur als vorübergehend an. Fast alle Banken prognostizieren einen Jahresendstand von mindestens 10.000 Punkten – abgesehen von einer US-Großbank. Auf das Gesamtjahr gerechnet tippt ein Großteil der befragten Geldhäuser auf einen Rückgang. Die Werte im Durchschnitt:

Indexstand Ende 2016: 10.569
Implizite Kursbewegung: 7,2 Prozent (im Vergleich zu Dienstag)
Entwicklung im Gesamtjahr: minus 1,6 Prozent
Prognose vom April: 10.569

Baader Bank
2 von 14

Indexstand Ende 2016: 10.000
Implizite Kursbewegung: 1,4 Prozent
Entwicklung im Gesamtjahr: minus 6,9 Prozent
Prognose vom April: 10.000

(Im Foto: Robert Halver, Kapitalmarktexperte der Baader Bank)

Bankhaus Lampe
3 von 14

Indexstand Ende 2016: 10.800
Implizite Kursbewegung: 9,5 Prozent
Entwicklung im Gesamtjahr: 0,5 Prozent
Prognose vom April: 10.800

Barclays
4 von 14

Indexstand Ende 2016: 11.000
Implizite Kursbewegung: 11,5 Prozent
Entwicklung im Gesamtjahr: 2,4 Prozent
Prognose vom April: 11.000

BayernLB
5 von 14

Indexstand Ende 2016: 10.800
Implizite Kursbewegung: 9,5 Prozent
Entwicklung im Gesamtjahr: 0,5 Prozent
Prognose vom April: 10.800

Commerzbank
6 von 14

Indexstand Ende 2016: 11.200
Implizite Kursbewegung: 13,6 Prozent
Entwicklung im Gesamtjahr: 4,3 Prozent
Prognose vom April: 11.200

Deka Bank
7 von 14

Indexstand Ende 2016: 10.500
Implizite Kursbewegung: 6,5 Prozent
Entwicklung im Gesamtjahr: minus 2,3 Prozent
Prognose vom April: 10.500

Die Zinsspekulationen schoben den Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen wie Euro oder Yen widerspiegelt, um 0,4 Prozent an. Einige Börsianer sprachen von einem Comeback des Dollar, der in den vergangenen sieben Wochen unter den Spekulationen gelitten hatte, dass die Fed allenfalls Ende des Jahres wieder an der Zinsschraube drehen könnte. Der Euro fiel auf ein Sieben-Wochen-Tief von 1,1181 Dollar.

Gesprächsthema Nummer eins war die mögliche Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto durch Bayer. Einzelheiten zu den vorläufige Übernahmegespräche gaben beide Unternehmen nicht preis. Monsanto wird an der Börse derzeit mit gut 42 Milliarden Dollar bewertet, Bayer bringt das Doppelte auf die Waage.

Doch viele Anleger fürchten, dass Bayer neues Kapital aufnehmen muss, um sich den Hersteller des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat einzuverleiben. Die Bayer-Aktien sackten um 8,2 Prozent auf ein Zweieinhalb-Jahres-Tief von 88,18 Euro ab. Lachende Gesichter dagegen bei den Monsanto-Aktionären: Die Titel sprangen in New York um 6,4 Prozent in die Höhe. BASF verloren rund 1,6 Prozent. Dem Chemiekonzern wird ebenfalls Interesse an Monsanto nachgesagt.

Größter Gewinner im Dax waren die Titel von Merck mit einem Plus von 4,9 Prozent nach einem überraschend starken Jahresauftakt. Die DZ Bank bestätigte ihre Kaufempfehlung, die Zahlen hätten die Erwartungen übertroffen.

Ein enttäuschender Ausblick brockte Thomas Cook dagegen einen Kurssturz von 19 Prozent ein. Die ebenfalls in London gelisteten Aktien des Rivalen TUI verloren 2,4 Prozent. Auf die Stimmung in der Branche drückte auch der Absturz eines ägyptischen Passagierflugzeuges über dem Mittelmeer.

Unter den Einzelwerten an der Wall Street ragten Walmart mit einem Kurssprung von neun Prozent hervor. Der weltgrößte Einzelhändler profitiert von florierenden Filialen auf dem US-Heimatmarkt.

  • rtr
  • dpa
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