Börse Frankfurt: Dax legt über 300 Punkte zu

Börse Frankfurt
Dax legt über 300 Punkte zu

Was derzeit an den Börsen passiert hat nichts mehr mit Rationalität zu tun. Obwohl Athen in den Abgrund blickt und Konzerne miese Zahlen präsentierten, startet der Dax durch. Die 12.000-Punkte-Marke ist nun im Blick.
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FrankfurtDer „homo economicus“ ist die zentrale Figur der Wirtschaftswissenschaften. Er handelt durchweg rational und kennt in Wirtschafts- oder Finanzfragen keine Gefühle. Sollte es den „homo economicus“ wirklich geben, dann agiert er derzeit garantiert nicht an der Frankfurter Börse.

„Der Dax 'wie von Sinnen', 12.000 Punkte wir kommen“, titelt FXCM-Analyst Jens Klatt seinen Marktkommentar. Der gestrige Rücksetzer des Dax, bei dem einige Händler bereits von der erhofften Kurskorrektur ausgegangen waren, erwies sich heute als günstige Einstiegschance für Anleger, die die Rally bisher nicht auskosten konnten. Der Leitindex schloss daher völlig losgelöst von allen Bedenken sage und schreibe 2,7 Prozent oder 306 Punkte höher auf 11.806 Zählern. Das neue Allzeithoch liegt nun bei 11.822 Punkten – neue Höchststände sind am Donnerstag nicht ausgeschlossen.

An den Börsen hat das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank eine hypnotische Wirkung auf die Anleger. Schwache Unternehmenszahlen, der weiter schwelende Griechenland-Streit, der ungelöste Konflikt zwischen der Ukraine und Russland und der bedenklich niedrige Ölpreis können dem Gemütszustand der Aktionäre nichts mehr anhaben.

„Die 12.000er Marke könnte schon bald fallen“, mutmaßte auch ein Händler. Denn viele Anleger wissen nicht, wohin mit dem durch das EZB-Anleihekaufprogramm generierten Geld und legen es am Aktienmarkt an, der mehr Rendite zu versprechen scheint. Vernünftiges Abwägen ist in diesen Zeiten nicht mehr erforderlich. Wer Rendite erzielen will beziehungsweise muss, der steckt sein Geld in Aktien – und zwar nur in Aktien. Die irrsinnige Rekordhatz des Dax bestätigt dies.

„Die meisten Aktienanleger setzen darauf, dass der niedrige Euro die Wirtschaft im Währungsraum anschieben wird“, sagte ein Händler. „Und am Devisenmarkt geht man davon aus, dass die Zinsen bald durchweg in den negativen Bereich rutschen.“ Der Euro markierte am mit 1,0561 Dollar den tiefsten Stand seit zwölf Jahren.

Die EZB kauft laut Händlern vor allem Staatspapiere über alle Laufzeiten in kleineren Volumen. Dabei ist der Einlage-Zins von minus 0,20 Prozent die untere Zinsgrenze für die Notenbanker. In der Praxis bedeute das, dass alle Staatsanleihen in der Euro-Zone dieses Niveau erreichen, erklärte Markus Allenspach, Rentenstratege bei Julius Baer. „Der Abwärtstrend bei den Renditen ist virulent und wird weitergehen.“ Schließlich will die EZB bis September 2016 monatlich Anleihen für 60 Milliarden Euro kaufen.

Auf den Anleihemärkten fielen daher die Renditen. Die Verzinsungen für die italienischen und spanischen Bonds markierten mit 1,171 und 1,137 Prozent Rekordtiefstände. Die zehnjährigen Bundesanleihen rentierten mit 0,199 Prozent (Vortag 0,234) ebenfalls so tief wie nie zuvor.

EZB-Chef Mario Draghi ist von den Vorteilen des Anleihekaufprogramms der EZB überzeugt. „Wir haben einen weiteren Rückgang der Renditen der Anleihen von Portugal und anderen Ländern gesehen, die in Schwierigkeiten waren, trotz der wiederaufgeflammten Krise in Griechenland“, sagte Draghi. „Das legt nahe, dass das Anleihen-Kaufprogramm Länder der Euro-Zone vor einer Ansteckung schützen könnte.“

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  • Nochmals...bin bis 21 Uhrhier für Fragen offen

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Sollte morgen VORbörslich die Eröffnung bei 11.820 sein....dann sichere 30 Punkte in diesen FUTURES....AUsserbörsliche TH jetzt 11.854.50....das MUSS dann bestätigt werden....es ist so einfach...aber Müller und Runft stimmen mich einfach nur traurig...da gebe ich mir jeden Tag von morgens bis abends so viel Mühe....wiederhole alles mehrmals täglich.....und dann solche Kommentare....einfach schade der Chancen die man täglich hat im Selbstbedienungsladen der Reichen

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