Börse Frankfurt
Dax legt wieder deutlich zu

Die inzwischen viertägige Erholung hat den Dax am Dienstag wieder zurück über 10 000 Punkte geführt. In der Spitze lag der Index bis auf 10 013 Punkte, konnte das Niveau aber zum Handelsschluss nicht mehr halten.

DüsseldorfWie schnell sich Börsen drehen können: Noch vor knapp drei Wochen, am 24. Juni, herrschte am Frankfurter Aktienmarkt Untergangsstimmung. Nach dem Votum der Briten, die Europäische Union zu verlassen, fiel der Dax zwischenzeitlich um mehr als 1000 Punkte. Noch am Montag (27.Juni) markierte er neues mehrmonatiges Tief bei 9214 Zählern. Doch das ist Geschichte: In nun elf Handelstagen hat das deutsche Börsenbarometer wieder die Marke von 10.000 überwunden und liegt nur noch knapp unter dem Stand vor dem Brexit-Votum.

Mit der überraschenden Vorlage von Quartalszahlen hat Daimler am Dienstag die Anleger überzeugt und wieder in den deutschen Aktienmarkt gelockt. Der Dax legte zum Handelsschluss 1,3 Prozent auf 9964 Punkte zu. Zuvor war die Frankfurter Benchmark auf 10.013 Zählern gestiegen. Da konnten die anderen deutschen Indizes nicht mithalten. Der MDax legt um 0,7 Prozent auf 20.320 Punkte zu, der TecDax verlor 0,55 Prozent auf 1627 Zähler. Der Euro Stoxx 50 stieg um 1,7 Prozent. "Die Leute lassen das Brexit-Votum allmählich hinter sich und schauen etwas zuversichtlicher in die Zukunft", sagte ein Händler.

Vor allem half den deutschen Aktien die positive Überraschung durch Daimler. Der Autobauer hatte trotz der Schwäche in seinen größten Geschäftsfeldern Pkw und Lkw im zweiten Quartal deutlich mehr verdient als bisher erwartet. "Es sieht so aus, als würde Daimler mit voller Kraft vorausfahren", erklärte Equinet-Analyst Holger Schmidt. Analyst Jose Asumendi von der Investmentbank JP Morgan sieht das Vertrauen der Anleger in die Jahresziele nun deutlich gestärkt. Das Wertpapier gewann 4,7 Prozent.

Dies verhalf auch den Aktien des Konkurrenten BMW nach oben: Die Titel legten um knapp fünf Prozent zu, wobei sie auch von einem brummenden Absatz im Juni profitierten. Die Titel der französischen Autobauer Peugeot und Renault verteuerten sich sogar um 6,5 beziehungsweise fünf Prozent.

Unterstützt wurde die gute Stimmung von der Entscheidung in London, wo die Nachfolge von Premierminister David Cameron schon früher als gedacht geklärt wurde. So soll am Mittwoch die bisherige Innenministerin Theresa May in der Downing Street einziehen. "Damit ist ein bisschen Ungewissheit weg", sagte ein Händler. Das verhalf vor allem dem Pfund Sterling zu Kursgewinnen. Die britische Währung holte etwa eineinhalb US-Cents auf und notierte bei 1,3150 Dollar. Vor dem Brexit-Votum hatte sie allerdings noch bei rund 1,50 Dollar gelegen.

Börsianer rechnen nicht mit einer nachhaltigen Pfund-Erholung. Denn die Bank of England (BoE) dürfte am Donnerstag die Zinsen senken. Derzeit liegt der Zins mit 0,5 Prozent in Großbritannien noch deutlich höher als beispielsweise in der Euro-Zone, wo er bereits bei null Prozent angekommen ist.

Auf Talfahrt blieb der Yen, der angesichts der Aussicht auf neue Konjunkturprogramme und Geldspritzen der Bank of Japan (BoJ) zum Dollar und Euro nachgab. Dies beflügelte erneut die Tokioter Börse, da dadurch japanische Waren auf dem Weltmarkt günstiger werden. Der Tokioter Leitindex Nikkei mit seinen 225 Werten schloss 2,5 Prozent höher bei 16.095 Punkten.

Die Erleichterung über die Entwicklung in London spiegelte sich auch in den Aktienkursen der Banken wider. Deutsche Bank stiegen um 6,3 Prozent, Commerzbank zogen um 3,2 Prozent an. Besonders gesucht waren aber die Titel der HVB-Mutter Unicredit, die um 13,6 Prozent in die Höhe schnellten. Der 328 Millionen Euro schwere Verkauf eines Aktienpakets am Online-Broker FinecoBank kam bei den Aktionären gut an.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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