Börse Frankfurt
Dax macht mehr als vier Prozent gut

Nach den schweren Verlusten der jüngsten Tage steht der Dax mal wieder im Plus. Die besser als erwartet ausgefallenen deutschen Produktionszahlen und die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts schieben an.
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FrankfurtDie Zurückweisung der Klagen von Euro-Skeptikern gegen Griechenland-Hilfen und den Euro-Rettungsschirm durch das Bundesverfassungsgericht haben an den Finanzmärkten für Erleichterung gesorgt. Der deutsche Leitindex schloss in einem weltweit erholten Börsenumfeld 4,1 Prozent höher bei 5.406 Punkten und beendete damit eine viertägige Verlustserie. Am Vortag hatte er noch den niedrigsten Stand seit über zwei Jahren markiert.

Der MDax kletterte derweil 4,6 Prozent auf 8.715 Punkte. Der TecDax stieg um 3,5 Prozent auf 716 Zähler.

Am Markt wurde ein positives Fazit der Entscheidung der Karlsruher Verfassungsrichter gezogen. „Vor allem US-Investoren könnten nun zurückkommen, da ein Scheitern der EU-Hilfen bei diesen die größte Sorge war“, so ein Händler. Devisenstratege Sebastian Sachs vom Bankhaus Metzler sieht in der verpflichtenden Zustimmung des Haushaltsausschusses indes eine Hürde für künftige Entscheidungen. „Es ist ja zum Beispiel nicht geklärt, was passiert, wenn der Haushaltsausschuss Nein sagt.“ Generell blieben weiter viel zu viele Fragen offen. „Das Gezerre auf politischer Ebene wird den Euro wahrscheinlich weiter belasten.“

Ein weiterer positiver Impuls kam am Mittag noch von den deutschen Produktionszahlen, die deutlich besser als erwartet ausgefallen waren.

Die am Vortag noch sehr schwachen Infineon-Aktien gehörten mit plus 8,6 Prozent auf 5,59 Euro zu den größten Gewinnern. Händler sprachen von großem Erholungspotenzial bei den Aktien des Halbleiterunternehmens, die am Vorabend wegen einer Umsatz- und Gewinnwarnung eines US-Wettbewerbers auf ein neues Jahrestief gefallen waren.

Autowerte waren im Zuge der marktbreiten Erholung ebenfalls gefragt. Die Aktien von Daimler und BMW gewannen 5,9 und 6,0 Prozent. Volkswagen-Aktien legten 5,9 Prozent zu.

Deutsche Unternehmen fahren Produktion kräftig nach oben

Trotz deutlicher Signale für eine Konjunkturabkühlung und sinkender Aufträge haben die deutschen Unternehmen ihre Produktion überraschend kräftig angekurbelt. Sie stieg im Juli um 4,0 Prozent im Vergleich zum Vormonat, teilte das Wirtschaftsministerium am Mittwoch in Berlin mit. Einen stärkeren Anstieg gab es zuletzt im August 1993 mit 4,1 Prozent. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten nur ein Plus von 0,5 Prozent erwartet, nachdem die Produktion im Juni noch um 1,0 Prozent geschrumpft war .

„Die aktuellen Produktionszuwächse sind allerdings durch die späte Lage der Ferien überzeichnet“, trat das Ministerium auf die Euphoriebremse. Für das gute Ergebnis sorgte vor allem die Industrie. Sie fuhr ihre Produktion um 4,5 Prozent nach oben. Die Hersteller von Maschinen, Fahrzeugen und anderen Investitionsgütern steigerten ihren Ausstoß dabei mit 7,5 Prozent am stärksten. Die Produktion von Konsumgütern nahm um 2,5 Prozent zu. Die Hersteller von Vorleistungsgütern wie Chemikalien kamen auf ein Plus von 2,3 Prozent.

Im Sog der schwächelnden Weltwirtschaft sind der deutschen Industrie zuletzt aber die Aufträge weggebrochen: Die Bestellungen gingen im Juli um 2,8 Prozent zurück. Dabei fielen die Exportaufträge mit 7,4 Prozent so stark wie seit rund zweieinhalb Jahren nicht mehr. Trotz gestiegener Risiken hält das Ministerium die Aussichten für die Produktion für positiv. Die Bauproduktion erhöhte sich 3,2 Prozent ebenfalls spürbar. Dagegen schrumpfte die Energieproduktion um 1,0 Prozent.

Verfassungsgericht billigt EU-Rettungsschirm

Das Bundesverfassungsgericht hat die Griechenlandhilfe und den EU-Rettungsschirm gebilligt. Künftige Hilfen haben die Richter am Mittwoch in Karlsruhe jedoch an die Vorgabe gekoppelt, dass der Haushaltsauschuss des Bundestages jedem Schritt zustimmen muss. Die drei Verfassungsbeschwerden von EU-Kritikern blieben damit weitgehend erfolglos. Der Euro stieg unmittelbar nach dem Urteil auf ein Tageshoch von 1,4148 Dollar .

Goldpreis entfernt sich deutlich von Rekordstand

Der Goldpreis ist am Mittwoch weiter gesunken und hat sich damit deutlich von seinem jüngsten Rekordhoch entfernt. Im Tief kostete eine Feinunze (etwa 31 Gramm) des Edelmetalls zur Wochenmitte rund 1827 US-Dollar. Erst am Dienstag hatte der Goldpreis ein neues Rekordhoch bei 1921,15 Dollar erreicht. Seitdem hat das Edelmetall um fast 100 Dollar oder knapp fünf Prozent nachgegeben. Experten begründeten die starken Preisabschläge am Goldmarkt in erster Linie mit der zuletzt deutlich besseren Stimmung an den Aktienmärkten. Dies habe die Nachfrage nach sicheren Anlagen wie Gold spürbar gebremst.

Pharmakonzern Merck sichert sich Zugang zu neuen Wirkstoffen

Der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck baut durch eine Allianz mit einer Biotechfirma seinen Bestand an Wirkstoffen für neue Medikamente aus. Zusammen mit der in Wien und im britischen Cambridge ansässigen Firma F-Star will das Darmstädter Unternehmen biologische Wirkstoffe gegen Entzündungskrankheiten entwickeln, wie Merck am Mittwoch mitteilte. Merck erhalte die weltweiten Exklusivrechte zur Entwicklung und Vermarktung der Substanzen. F-Star bekomme Gelder für den Zugang zu seiner Antikörper-Technologie und werde bei der Forschung finanziell unterstützt. Zudem winken der Firma Lizenzgebühren und erfolgsabhängige Zahlungen von bis zu 492 Millionen Euro, wenn es Wirkstoffe auf den Markt schaffen. Darüber hinaus werde F-Star an den Umsätzen beteiligt. An der Börse wurde die Meldung positiv aufgenommen. Die im Leitindex Dax notierte Merck-Aktie gewann in einem festen Gesamtmarkt 5,4 Prozent.

SAP übernimmt US-Spezialisten für Datenvisualisierung

Der Softwarekonzern SAP übernimmt einen Spezialisten für Visualisierung von Daten in den USA. Mit der Software des kalifornischen Unternehmens Right Hemisphere könnten Geschäftsinformationen dreidimensional und damit verständlicher dargestellt und analysiert werden, sagte ein Sprecher des Dax-Konzerns am Mittwoch in Walldorf. Die wichtigsten Produkte von SAP sollen nun mit Funktionen für die Datenvisualisierung erweitert werden. Davon könnten Unternehmen nicht nur im Bereich der Produktion, sondern auch bei Dienstleistungen und Service profitieren, sagte der Sprecher. Über den Kaufpreis für Right Hemisphere machten die Walldorfer keine Angaben. Die Aktie von SAP stieg im positiven Marktumfeld 3,9 Prozent.

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  • Braun, blöd und dumm.

    Kann der Moderator nicht bitte mal solche doofen Menschen ausschließen. DANKE !!!

  • Genieß die Sonne.... Hier in Germany geht die Welt unter!!! Scheiß Regen....

  • Was unsere Bundesregierung offensichtlich einen Scheißdreck interessiert, wenn man ihre Handlungen betrachtet.

    So viel zum Thema Demokratie und Volksherrschaft.

    Nur die rechtspopulitischen Parteien können uns vor einem Untergang bewahren.

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