Börse Frankfurt
Dax markiert Allzeithoch

Starke Daten aus der deutschen Industrie und vom US-Arbeitsmarkt schicken den Dax auf eine Rally. Zum Handelsende schafft der Leitindex nicht nur ein Plus von knapp zweieinhalb Prozent, sondern auch einen neuen Rekord.
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FrankfurtStarke Konjunkturdaten haben dem Dax einen Rekord-Ausklang beschert. Schon zum Handelsstart holte der Leitindex dank überraschend starker Industriedaten aus Deutschland seine satten Vortagsverluste wieder auf. Nach der deutschen Fast-Rezession im Sommer hoffen die Anleger nun auf ein starkes viertes Quartal. Am Nachmittag folgte die zweite Überraschung: Auch der amerikanische Arbeitsmarkt übertraf die Erwartungen. Der Dax begann eine Rally, die erst mit dem Handelsschluss endete. So schloss die Frankfurter Benchmark letztlich 2,4 Prozent fester bei 10.087 Punkten. Kurz zuvor markierte sie mit 10.093 Zählern ein neues Allzeithoch.

Für das freundliche Marktumfeld sorgte die deutsche Industrie, die im Oktober überraschend viele Aufträge an Land ziehen konnte. Die Bestellungen stiegen um 2,5 Prozent zum Vormonat, Ökonomen hatten lediglich ein Plus von 0,5 Prozent prognostiziert. Ralph Solveen von der Commerzbank kommentierte: „Offensichtlich hat die Industrie die Wende vollzogen. Die Produktion wird in den kommenden Monaten wohl wieder zulegen.“ Er rechnet nun mit einem stärkeren Wachstum als in den vergangenen zwei schwachen Quartalen.  

Am Nachmittag legte der Dax dank des starken amerikanischen Arbeitsmarktes weiter zu. Die Arbeitslosenquote blieb im November weiter auf einem Sechs-Jahres-Tief von 5,8 Prozent und damit im erwarteten Rahmen. Überraschend stark gestiegen ist dagegen die Zahl neugeschaffener Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft. Die sogenannten „Nonfarm Payrolls“ beliefen sich im November auf 310.000 Punkten. Experten waren von nur 230.000 neuen Jobs ausgegangen.

Die Daten sind für die Börsianer so wichtig, weil sie den Kurs der Federal Reserve maßgeblich bestimmen. Die US-Notenbank macht unter anderem von den Arbeitsmarktdaten abhängig, wann sie die Zinsschraube wieder anzieht. Es gilt: Je besser sich der US-Arbeitsmarkt entwickelt, desto eher muss mit Zinserhöhungen gerechnet werden. Daher halten sich die Freude der Investoren über die weiter Fahrt aufnehmende US-Konjunktur und die Angst vor einer baldigen Zinswende die Waage - eine Ambivalenz, die in den vergangenen Monaten mehrmals zu beobachten war.

„Die Erholung am US-Arbeitsmarkt setzt sich mit hoher Dynamik fort und sie unterstreicht die robuste Konjunkturentwicklung in den USA“, analysierte Volkswirt Ulrich Wortberg von der Helaba die Daten in einem Kurzkommentar. Zwar sei der Lohndruck weiterhin mäßig, alles in allem liefert der Arbeitsmarkt in seinen Augen aber kein Argument dafür, die Zinswende in der weltweit größten Volkswirtschaft weiter in die Zukunft zu verschieben. Die europäischen Aktienmärkte legten dennoch weiter zu.

In der zweiten Reihe kam es ebenfalls zu soliden Aufschlägen, wenngleich diese nicht mit dem des Dax mithalten konnten. Die Mid-Caps des MDax legten 1,3 Prozent zu auf 17.184 Punkte. Der TecDax rückte 1,6 Prozent vor auf 1378 Zähler. In Paris gewann der Euroraum-Leitindex Euro-Stoxx-50 2,6 Prozent dazu und lief bei 3274 Stellen. In New York stand der Dow-Jones-Index zum Frankfurter Handelsschluss 0,4 Prozent fester bei 17.968 Punkten und damit bei einem neuen Rekordhoch.

Am Vortag noch mündete ein turbulenter Handel in Enttäuschung, die Europas Notenbankern geschuldet war. Nach der monatlichen Sitzung des EZB-Rates erwarteten die Börsianer einen Maßnahmenfahrplan für das nächste Jahr. Doch die Geldpolitiker blieben vage. Ratspräsident Mario Draghi verbat sich Hinweise auf mögliche Staatsanleihekäufe, doch gerade damit hatte der ein oder andere gerechnet. In Vorfreude war der Dax kurzzeitig auf ein neues Rekordhoch von 10.084 Zählern gesprungen, musste aber zum Handelsschluss deutliche Abschläge verbuchen.

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  • Läuft doch prima:
    Psychologisch wichtig zum WE ein neues ATH beim DAX.
    Man treibt das Big Money, das wegen der negativen Realzinsen bei den meisten Papieranlagen nach einer Fluchtmöglichkeit sucht, schön weiter in die Aktienmärkte hinein (Aktien bringen ja wenigstens - vielleicht - eine Dividende) - mit freundlicher Unterstützung der PPT´s. ;-)
    Die tatächlich ENTSCHEIDENDEN Player (PBoC) machen derweilen aber etwas ganz Anderes: die wollen ja schließlich möglichst viele von ihren Billionen US-Treasuries günstig umtauschen - und zwar in etwas sehr "Barbarisches" (= die zukünftige Weltreservewährung). Und bei den "gedrückten" Preisen muss man einfach zugreifen... ;-)
    Tja, im Reich der Mitte lacht man sich vermutlich ohnehin schlapp über den depperten Westen, der gerade auch noch unnötig seine Resssourcen in einem neuen "Kalten Krieg" verschleudert...

  • @ haas:

    Damit fällt man am schnellsten auf´s Gesicht.

    Manchem ist das egal, weil er schon schwer geschunden da steht.

    Andere zwingt es, dabei zu bleiben, was schlimm genug wäre.

  • 9830er call cr5e6h kostet aktuell 2,77 Euro
    gab es gestern für 0,34 Euro
    Und Montag geht weiter. Wir sind Charttechnisch noch nicht
    oben und außerdem liegen massenhaft noch Puts die abgeräumt werden müssen

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